Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 116)
- Language
- German
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3 Die unter den Pflanzen bestehende Verwandtschaft wird, im Gegensatz zur Ähnlichkeit, nach den reproduktiven Organen, dem anatomischen Bau und der Entwicklungsgeschichte der einzelnen Arten bestimmt. Diese Merkmale stehen zu einander meist in einer sehr nahen Beziehung, und es erscheint daher unerlässlich, diejenigen Bestimmungsmittel, welche für die systematische Verwandtschaft von besonderer Wichtigkeit sind, hier in Erinnerung zu bringen. Bekanntlich teilt man die Pflanzen nach dem Vorhandensein oder Fehlen der Blüten in die beiden grossen Abteilungen der Kryptogamen und der Phanerogamen ein. Obgleich diese Einteilung sehr natürlich erscheint, so lässt sie sich doch wissenschaftlich nicht aufrecht erhalten, denn die zu den Kryptogamen gerechneten Farnpflanzen sind nach ihrem anatomischen Bau, nach der Entwickelungsgeschichte und auch nach morphologischen Merkmalen den Phanerogamen näher verwandt, als den Moosen, Algen und Pilzen, mit denen sie in dieselbe Abteilung gestellt werden. Nichtsdestoweniger ist zwischen beiden Abteilungen ein wesentlicher Unterschied vorhanden, der in dem Bau jener Organe gegeben ist, welche der Vermehrung der Pflanzen dienen. Die Kryptogamen gehen aus einzelligen Körpern, den Sporen hervor, während die Phanerogamen sich aus vielzelligen Gebilden, den Samen entwickeln. Zur Einteilung der Kryptogamen in die drei Hauptgruppen der Lagerpflanzen, Moose und Farngewächse, sowie zur Charakterisierung ihrer Klassen und Ordnungen dienen vornehmlich diejenigen Merkmale, welche von der Entstehung und EntWickelung der Sporen und von dem anatomischen Bau der ausgebildeten Pflanzen hergenommen sind. Für die Systematik der Phanerogamen kommen in erster Linie die Verhältnisse der Samen in Betracht; nach der Entstehung dieser Organe und nach der Ausbildung des Keimlings mit seinen Kotyledonen lassen sich sämtliche Blütenpflanzen in die grösseren Gruppen der Nacktsamigen (Gymnospermen) und Bedecktsamigen (Angiospermen), und letztere wiederum in die Einblattkeimer (Monokotylen) und Zweiblattkeimer (Dikotylen) einteilen, während zur Aufstellung der Ordnungen und Familien der Bau der Blüte und die Ausbildung der Früchte benutzt werden. IV