Mannheim
Compact Memory

Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1902-01-01 · 1902 · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)

OCR text

2 entity mentions

— 12 — wärtigen derjenigen sein, auf die mit Bewunderung blickend, wir angespornt werden, den rechten Pfad zu betreten. Und wenn wir nun unsere Jugend zu gesinnungstreuen Juden in des Wortes rechter Bedeutung erziehen wollen, und wenn wir uns fragen, auf wen sollen wir schauen, wessen Bild soll uns gerade vorschweben und uns die rechten Pfade finden lassen, so haben wir nicht weiter zu suchen, die wir einen Samson Raphael Hirsch und einen Mendel Hirsch zu nennen gar nicht umhin können. Wollten wir versuchen zu schildern, was sie uns bedeuten, wir würden nur abschwächen, was sie uns in Wahrheit sind, die Meister, deren Lehren uns unvergesslich sein werden, die Führer, die uns den Weg gezeigt haben, den wir consequent verfolgen wollen, um mit unseren schwachen Kräften ihr grosses Werk zu erhalten und, so weit es gelingt, auch fortzusetzen. Mit dem Geiste wahren Judentums, den sie so ganz erfasst hatten, unsere Jugend zu erfüllen, wird ihr Andenken, das uns stets gegenwärtig sein soll, uns lehren. Dem Juden aber, der seiner Thora Pflichten recht erfüllen will, ist es ein religiöses Gebot, das ihm gleich anderen ^Satzungen ein unantastbares Heiligtum bedeutet, ein guter Bürger des Staats, ein treuer Unterthan seines Königs zu sein. „Fürchte Gott mein Sohn, und den König, und mit Andersdenkenden lasse dich nicht ein" ist ein Spruch Salomons, den durch ihr Leben wahrzumachen Judas Söhne sich stets bemühten. In des Königs Majestät verkörpert sich ja der Staat, wer die ihm anvertraute Jugend zu tüchtigen, tauglichen Bürgern des Staates heranbilden will, muss sie lehren und es sich stets vergegenwärtigen, dass die Ehrfurcht vor dessen Oberhaupt, wie die Ehrfurcht vor Gott ein bewunderndes Aufblicken ist, aus dem treue Liebe entspringt — dann wird es gut um die Schule, und dann wird es gut um den Staat bestellt sein. Möge es mir gelingen auf diesem Wege, den ich mir vorgezeichnet habe, zum Ziele zu gelangen, zu sehen, dass die Liebe, die ich Euch, meine lieben junge Freunde, entgegenbringe, einen Wiederhall in Eurem Herzen findet, dass das kollegiale Vertrauen, das ich zu Ihnen, meine werten Kollegen, habe, das gleiche Zutrauen zu mir bei Ihnen erweckt und ein schönes gedeihliches Zusammenwirken sichert, zu sehen, dass unsere Schule, wie unter ihrem grossen Begründer und seinem grossen Sohn ihre Zöglinge erfüllt mit dem Geiste wahren, überzeugungstreuen Judentums und sie zu gesinnungstüchtigen, brauchbaren Staatsbürgern heranbildet. So kann ich denen meinen besten Dank abstatten, die mich hierherberufen, so des Königs Majestät, dessen Gnade mir diese schöne Aufgabe anvertraut hat. Und so schliesse ich meine Worte mit dem Gebete des Psalmisten 1m3jD rwymwby h::d r.BtyDi wby lrp^K 'n am vm Möge Gottes Segen mein Beginnen, meine Arbeit, an die ich mit ganzem Herzen herangehe, begleiten! Amen. IV. Ansprache des Herrn Prof. Dr. Portmann. Auch mich, der ich nach dem Tode des Herrn Direktor Hirsch die Ehre hatte, die Direktorialgeschäfte dieser Anstalt zu führen drängt es, Ihnen Herr Direktor, zu Ihrer Ernennung und Einführung im Namen des Lehrerkollegiums meinen aufrichtigen Glückwunsch darzubringen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.