Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1902
- Date
- 1902-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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— 9 — Anschluss an einen Vers im Hohenliede dem grössten aller Propheten, Moses, in den Mund legt: □•nnsc pmn niPtf njnn ro**« wd: mn-w *b nTon. Sage mir Du, den meine Seele liebt, wie willst Du weiden, wie lagern lassen zur Mittagszeit? by r^y-2 mria nvhw -pon my, denn warum soll ich betrübt zurückbleiben neben den Herden Deiner Genossen? Diese Frage, bemerken die Weisen, hätte Moses an Gott gerichtet, als er sein Führeramt niederlegte und einen Nachfolger sich erbat. amty Tsyn cryn np« *:rnn /tabi O, Herr der Welt, welche Führer willst Du der mir bisher anvertrauten Herde geben, damit sie nicht hinter allen andern in trüber Vereinsamung zurückbleibe. Und Gott antwortete: D^nn rnjstPD by yrm na Jas* "»apjn "jb gehe nur den Spuren der Schafe nach und weide Deine Herde bei den Wohnungen der Hirten. Sei unbesorgt, ich werde Dir einen Nachfolger geben, der Dir in Wahrheit nachfolgen wird, und es wird ihm nicht schwer fallen, die Spuren, die Deine Wirksamkeit hinterlassen hat, aufzufinden. Diese Frage müsste ich in annäherndem Sinne an Sie, Herr Direktor, richten: In welchem Geiste werden Sie die Ihnen überantwortete Schule leiten, damit sie nicht hinter den anderen Schwesteranstalten zurückstehe und immer vorwärts schreite? In welchem Geiste werden Sie die Kinder erziehen, damit ihre Herzen für Gottesfurcht, Wahrheit und Menschenliebe gewonnen werden? Doch nein, ich stelle diese Frage nicht, weil ich Ihre Antwort kenne. Ihre Vergangenheit, Ihre Thätigkeit in früheren Wirkungskreisen sind uns Bürgschaft dafür, dass Sie den Fusstapfen Ihrer ruhmreichen Vorgänger folgen und den Geist, der in dieser Schule seit ihrem Bestehen gewaltet und so viel Segen erzeugt hat, auch weiter mit dem ganzen Aufwand Ihrer Kraft pflegen werden. Die gottbegnadete Wirksamkeit des verewigten Begründers und ersten Leiters dieser Schule hat im* Leben des jüdischen Volkes auf weitem Erdenrund, inbesondere in unserer Gemeinde, dem Mittelpunkte seiner Thätigkeit, und an dieser heiligen Stätte der Jugenderziehung so nachhaltige Spuren hinterlassen, dass sie leicht zu finden sein werden. Diesen Spuren werden Sie folgen. Die Wege, , die er vorgezeichnet, werden auch Ihre Wege sein. Und so rufe ich Ihnen namens des Schulrats, und ich darf wohl hinzufügen, namens eines jeden treuen Mitglieds unserer Gemeinde, namens der Väter und Mütter der Ihnen anvertrauten Jugend das Psalmwort zu: Gott begleite Sie in Ihrem Dienste für die Sache der Wahrheit! III Ansprache des Unterzeichneten. Hochgeehrter Herr Provinzialschulrat, hochgeehrter Herr Rabbiner, werte Kollegen und Ihr meine lieben Schüler und Schülerinnen! Wer am Anfang eines neuen Lebensabschnittes steht, der pflegt gern den Blick rückwärts zu wenden, um noch einmal prüfend das Stück seines Lebens zu überschauen, das hinter ihm liegt, um sich Rechenschaft zu geben über sein Streben und Wirken, über Erfolg und Misserfolg, über Freuden und Leiden, über alles, was ihm bisher begegnet