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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1901-01-01 · 1901 · page 3

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1901
Date
1901-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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IRI
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— 4 — gesängen und Hallelujatu In diesen Tagen, die in der grauen Vorzeit Zeugen unserer nationalen Beglückung gewesen, darf auch heute noch in unseren Kreisen keine öffentliche Klage ertönen, und das von schwerem Leide niedergebeugte jüdische Herz niuss seinen Gram allein in einsamer Brust mit sich herumtragen* Ja, auch das nicht einmal! Denn zu so gewaltigen Helden will uns das Gottesgesetz erziehen, dass es die auf den ersten Blick übermenschlich scheinende Leistung von uns verlangt, in jenen Tagen unseres eigenen Seelenschmerzes zu vergessen und mitten in diesem uns mitzufreuen an Israels Freudentagen, geschweige denn, dass wir eine Zähre des Leides träufeln lassen dürften in den schäumenden Kelch des Gott wohlgefälligen Jubels seines Volkes Israel, Aber die Hallelujahs sind verklungen, verrauscht sind die Tage der Freudengesänge und der Sefirah wehmütige Weisen sind in uneere Gotteshäuser eingezogen. Und jetzt mahnen uns die Pflicht gegen den Heimgegangenen und der Trieb und Drang unseres Herzens in gleicher Weise, dem hervorragenden Lehrer, dem erfolgreichen Leiter unserer Schulen an dieser Stätte, in seinem eigenen Heim, im Angesichte seiner Schüler und Schülerinnen, im Angesichte der heraufsprossenden Menschenpflanzen, die er wie ein zärtlicher Gärtner gehütet und gewartet, eine Gedächtnisfeier zu stiften* In kurzen und schlichten Worten wollen wir eine Skizze seines Lebens und Strebens und Schaffens zu bieten versuchen und ein lautes und wahrheitsgetreues Zeugnis ablegen, was er als Lehrer und Leiter unserer Schule gewesen, und welche vorbildlichen Züge seiner ungewöhnlichen Persönlichkeit es beanspruchen dürfen, von uns allen, besonders aber von seinen Schülern mit liebevoller Pietät festgehalten zu werden für alle Zeit ihres Lebens. Der Entschlafene wurde am 3. März 1833 zu Oldenburg geboren, wo sein Vater s. A. damals Eabbiner war. Schon früh empfing er von diesem mächtige religiöse und geistige Einwirkungen, die auf die ganze Gemüts- und Geistesrichtung des Sohnes für das ganze Leben bestimmend wirken sollten, und früh schon wurde dieser in unser biblisches und talmudisches Schrifttum eingeführt. Er war der älteste Sohn seiner Eltern, und des Vaters geistvolle Auffassung und Auslegung der uns überlieferten Lehren und Satzungen hat sieh der Sohn schonen früher Jugend zu eigen gemacht. Der Vater war ein Mann von seltenen Gaben und Fähigkeiten: von umfassendem Wissen, von bohrendem Verstände und üppigspielender Phantasie, ein Mann von nicht gewöhnlicher schriftstellerischer Befähigung und zugleich von sprühender und sprudelnder Beredsamkeit, voll religiöser Tiefe und zugeich auch ergriffen und erfüllt von dem Geiste und den Ideen unserer klassischen Litteraturepochen. Was mir aber immer als das Merkwürdigste an diesem grossen Manne erschienen ist: er vermählte und verschmolz zwei ganz verschieden geartete Seelen in seiner Brust. Er war einerseits ein grosser Gelehrter, ein gedankenreicher Forscher und Entdecker in der Welt der jüdischen Religionswissenschaft, und andererseits war er ein Mann der Welt und der Gesellschaft, ein Mann der That, ein zielbewusster und erfolgreicher Organisator, ein Erwecker und Ausbauer jüdischen Gemeindlebens in unserer Vaterstadt: kurz, er war — und wir glauben uns bei dieser Charakteristik keiner übertreibenden Verherrlichung schuldig zu machen — er war ein Mann von theoretischer zugleich und praktischer Genialität. Unter den Augen eines solchen Vaters, in einer von den Anschauungen dieses Mannes erfüllten häuslichen Atmosphäre, ist der Sohn zum Jünglinge herangeblüht» Der Vater, der schon in jungen Jahren zu verdientem Ruhme gelangt ist, hat in den Knaben- und Jünglingsjahren seines Sohnes ziemlich schnell nacheinander die Rabbinate von Oldenburg, Emden und

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