Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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— 29 — Geiste ihr erzogen werdet, das gesetzestreue Judentum wenigstens als ein ebenbürtiges und berechtigtes auch in weiteren Kreisen zur Anerkennung gekommen» Nicht immer war dem so. Noch vor fünfzig, sechzig Jahren betrachteten es weite jüdische, nein «israelitische* Kreise in trauriger Verblendung nur als einen Gegenstand des Spottes und der Verachtung. Ein tapferes Herz, ein hoher Mut und eine entsagungsfreudige edle Charakterfestigkeit gehörte damals dazu, sich —und nun gar in den leichtbestimmbaren Jahren der Jugend! — im Gegensatze zu den herrschenden Anschauungen durch Wort und That als treuen Sohn dieses in die Acht erklärten gesetzestreuen Judentums zu bekennen. Nun, Wilhelm Carl von Rothschild hat damals diesen Mut gehabt. Und als treuen Sohn des gesetzestreuen Judentums hat ersieh bewährt. Diesem Geiste der altjüdischen Frömmigkeit ist er treu geblieben und bildet so ein leuchtendes Vorbild durch die Gewissenhaftigkeit seines Pflichtlebens, — durch die niSD bw nnDW, die innige Befriedigung, mit der ihm auch auf der socialen Höhe, die er einnimmt, die Erfüllung der mso doch die eigentliche und höchste Lebensfreude ist, — durch die Hingebung, mit der er dem Rufe der min Tag für Tag Folge leistet, jenem Rufe, den wir erst gestern bei der Vorbereitung auf das Fest unserer Gesetzgebung uns vergegenwärtigten: DV dy* Tfln^n bv nptt6, aus dem Lebensquell der Thora Tag für Tag Belehrung zu schöpfen, und: TIDD nimo 11026, die Pforten ihres Heiligtums nie aus dem Auge zu verlieren, es vielmehr zum Mittelpunkte des ganzen Lebens zu bestimmen. Und wenn ich nun zum Schlüsse euch auffordere, unseren gemeinsamen Wünschen für ihn gemeinsamen Ausdruck zu geben, so handle ich nur in seinem Sinne, wenn ich darauf verzichte, meine Worte in diesem Augenblicke in einem Hoch ausklingen zu lassen. Eine andere Weise der Vereinigung giebt es für uns. Wenn wir nach heiligem Väterbrauche uns Segenssprüchen anschliessen, so bekunden wir unsere Zustimmung durch ein ptf. Mit dem Amen, wie es weit über den jüdischen Kreis hinaus sich eingebürgert hat, identificieren wir uns mit dem Sprechenden, mit )CN erklären wir unsere unbedingte Zustimmung zu den ausgesprochenen Gedanken, Vorsätzen und Wünschen, in pN liegt Hingebung, in pK liegt Gelöbnis, in pN liegt Huldigung. Und wenn ich deshalb in dieser Stunde den Gefühlen des Dankes und den Segenswünschen für den edlen hochherzigen Mann Ausdruck gebe, der heute sein siebzigstes Lebensjahr vollendet: dass Gott ihm noch eine lange Reihe glücklicher Jahre verleiben und, wie sein Leben vom wahren Sabbathgeiste stets durchleuchtet war, so an ihm sich die herrliche Sabbathverheissung erfüllen möge: vrp crayTi ü^En n:WD p^r» ivj „die in solchem Sinne ihr Leben gestaltet, sie zeitigen Früchte noch im hohen Greisenalter und bewahren kraftdurchströmt sich ewige Jugendfrische* -- wenn ich in dieser Stunde ausspreche, dass es Wilhelm C a r 1 v o n Rothschild beschieden sein möge, noch viele Jahre Gutes zu wirken und seines Wirkens sich zu freuen, Saaten des Heiles zu streuen und ihr Aufblühen zum Heile in Gesundheit und Freude zu erleben — so vereinigen wir uns alle in diesen Segenswünschen vor Gott, und ihr alle sprechet mit mir zu diesen Segenswünschen aus tiefstem Herzensgründe: Das walte Gott!