Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1897
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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— 25 — / und Schüler eine grosse Familie! Aber den Sehmerz, der uns darum bewegen möchte, drängen wir schweigend zurück. Ist es docli der Gedanke an-die Einheit und Unsterblichkeit des Menschheitspriestervolkes, der in diesen Wochen so lebendig werden soll, dass alle sich als Glieder dieser grossen Einheit begreifen, in der jeder unsterblich ist, der treu für sie gelebt, und in der niemand stirbt, der mit dem ganzen Ausniasse der ihm verliehenen Kräfte und Mittel seines Lebens Pflicht erfüllte. Dass dem aber so ist, dass wir, erfüllt von dem Geiste dieser Tage, unsere Persönlichkeit und ihr Leid aufgehen lassen in dem grossen Einheits- und Unsterblichkeitsgedanken, das sprechen wir mit Begeisterung, mit dem freudigen Hochgefühle treuer Erfüllung der Pflicht sprechen wir es aus. So möge gerade die Erfüllung der aus dem Schulleben hervorgegangenen Pflicht, wie sie am letzten Tage ihres Schullebens sich vollzogen hat, den ewigen Grundsatz als leuchtenden Abschiedsgruss vor ihnen zu dauernder Aneignung erstehen lassen: px -pn ny mm -noi>n n3» l Das ist ja nichts anderes als eifriges Streben in der Erfüllung aller Pflichten und Gebote, wie sie in Inhalt und Bedeutung durch liebevolles Eindringen in das Gotteswort stets erneut und vertieft uns bewusst werden, und völlige Harmonie mit allem Wahren und Guten der Verhältnisse, in deren Mitte wir nach dem Willen und der Fügung unseres Gottes unsere ewige jüdische Aufgabe zu erfüllen haben! —Das war ja der Wahlspruch des grossen Gründers unserer Schule, der Wahlspruch, mit dem er die Fahne des gesetzestreuen Judentums in unserer Stadt, in unserem Vaterlande wieder erhob, das ist der Wahlspruch, durch dessen Bethätigung es ihm gelungen ist, ein Geschlecht zu erziehen, dessen Kinder durch ihre jüdische Gewissenhaftigkeit und ihre sociale Bildung überall, auch in grösster Ferne und unter den Einflüssen fremdester Umgebung, sich als Kinder dieses Geistes bewähren und als Schüler dieser Schule erkannt werden. Mit dem AVunsehe, dass auch sie diesem Geiste stets treu bleiben und ihn aus den Schriften des grossen Führers in Israel stets von neuem schöpfen möchten, schloss die Feier. An Stelle des sei. Herrn Plaut trat Herr Israel Rosen thaler, zuletzt an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg wirksam. Noch eines anderen herben Verlustes haben wir hier zu gedenken, den unsere Gemeinde durch den am 14. December v. J. nach langem, schwerem Leiden erfolgten Tod des Herrn Emanuel Schwarzschild erlitten hat. Zu besonderem Danke" ist ihm die Schule verpflichtet. Er gehörte 17 Jahre dem Schulrat an und war mit aller Hingebung seiner reichen Arbeitskraft erfolgreich bestrebt, ihre Interessen zu fördern. Eine besondere Fürsorge bethätigte er bei der Erbauung des neuen Schulhauses. Bei seiner am 16. December erfolgten Bestattung gaben ihm die oberen Klassen der Realschule, sowie eine Vertretung des Lehrer-Kollegiums das letzte Geleite. Jede Grabrede hatte er sich verbeten. Mit tiefem Bedauern verzeichnen wir ferner einen Verlust, den unsere Mädchenschule in diesem Schuljahre erlitten hat. Am 22. November starb Bertha Schwab, Schülerin der 2. Klasse, im Alter von 14 Jahren. Sie war eine fleissige, pflichtgetreue, liebe Schülerin, die zu den schönsten Erwartungen berechtigte und durch ihr freundliches sinniges Wesen die Herzen ihrer Lehrer und Mitschülerinnen gewonnen hatte. Wir nahmen innig teil an dem Schmerze der Mutter, deren einziges Kind sie war, und Herr Oberlehrer Weyl'gaf» .Vi Vertretung des Unterzeichneten der Teilnahme der Schule an der Bahre bewegten Ausdruck. Im übrigen war der Gesundheitszustand der Schüler und Schülerinnen im allgemeinen ein recht befriedigender, nur im letzten Quartale kamen in der 3. Vorschulklasse zahlreiche Erkrankungen an Mumps vor, die jedoch einen raschen Verlauf nahmen. Ungünstiger war