Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1897
- Date
- 1897-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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— 24 — über die weltgeschichtliche Bedeutung-Kaiser Wilhelms I. Darauf verteilte der Unterzeichnete mit einer Ansprache die vom Königlichen Provinzial-Schulkoliegium überwiesenen Exemplare des Facsimileabdrucks der vom Hochseltgen Kaiser Wilhelm I. genommenen Abschrift des Becker'schen Rheinliedes an 28 der besten Schüler und Schülerinnen. Durch Erlass vom 19. December 1896 wurde von dem Herrn Minister dem Oberlehrer Dr. Portmann das Prädikat „Professor" verliehen. Wir haben noch an dieser Stelle von einem schmerzlichen Verluste zu berichten, den Lehrerkollegium und Schule mit dem Ablaufe des vorigen Schuljahres erlitten haben. Am Morgen des 24. März v.J. traf uns die Kunde von dem am Abend zuvor erfolgten plötzlichen Ableben unseres wertheil Kollegen, des Herrn Moses Plaut. Geboren zu Rauschenberg bei Marburg am 5. Juni 1835, für das Lehramt vorgebildet auf dem Seminar in Cassel in den Jahren 1851 bis 1854, kam er, nach vorübergehender Bekleidung einer Lehrerstelle in Fronhausen, im Oktober 1854 nach Frankfurt a. M. und lebte vhier zuerst einige Jahre als Privatlehrer. Oktober 1857 wurde er als Hilfslehrer, im April 1858 als ordentlicher Elementarlehrer an unserer Schule angestellt, der er 38 Jahre angehört hat. Der heimgegangene Kollege war ein berufsfreudiger Lehrer, der stets schöne Erfolge erzielte und es in hohem Grade verstand, sich die Liebe seiner Schüler zu erwerben. Im letzten Semester wurde er leidend, und zwar so Schwei', dass seine Pensionierung zum 1. April in Aussicht genommen war. Er selbst hatte keine Ahnung von dem Ernste seines Zustandes und liess sich auch durch das Abraten des Arztes von seiner Berufstätigkeit nicht zurückhalten, so kam er noch am 23. März in die Schule. An demselben Tage machte ein Herzschlag, abends nach 6 Uhr, seinem Leben ein jähes Ende. Die Nachricht traf uns am letzten Schultage inmitten der Vorbereitungen zur Schlussfeier, die sofort unterbrochen wurden. Am folgenden Tage, dem 25. März, war die Beerdigung, an der sich ausser der Schule, dem Lehrerkollegium und Vertretern des Schulrates, weite Kreise der Gemeinde beteiligten. Auch waren sämtliche hiesige Schulen durch Kollegen in der Trauerversammlung vertreten. Die Rücksicht auf den Monat Nissan liess von einer Grabbezw. Trauerrede Abstand nehmen. Der Unterzeichnete beschränkte sich deshalb auf folgende Worte: „Nur die Rücksicht auf den Charakter des Monats, in welchem wir unserem nationalen Geburtsfeste entgegengehen, und in dem deshalb jede Einzelklage und jeder Einzelschmerz unter dem Bewusstsein des Gesamtheitsgefühles stumm bleibt, veranlasst uns, an der Bahre des heimgegangenen langjährigen Kollegen von jeder Rede Abstand zu nehmen. Er ist eingegangen in das Reich des ewigen Friedens. Sein Andenken sei gesegnet!" — Indem diese Worte der heiligen religionsgesetzlichen Pflicht der Hochhaltung der Ehre des Dahingeschiedenen Genüge leisteten, klärten sie die christlichen Kollegen darüber auf, dass nur die Beachtung der religiösen Vorschrift die Möglichkeit nehme, die Verdienste des Heimgegangenen in dieser Stunde zu würdigen und den Gefühlen der Trauer um seinen Heimgang Ausdruck zu geben. Der Schlussakt am Nachmittage hatte sich unter diesen Umständen, unter Ausfall von Gesang und Deklamation, auf die Entlassung der abgehenden Schüler und Schülerinnen zu beschränken. Dabei führte der Unterzeichnete aus, wie der so jähe Abschluss eines in treuer Pflicht vollendeten Lebens die ernste Mahnung enthalte an jung wie alt, nimmer nachzulassen in hingebungsvollem Streben, immer bereit, dem Heinirufe unseres himmlischen Vaters zu folgen. Nie, so ungefähr fuhr er fort, seit dem Bestehen der Schule vollzog sich der Schluss des Schuljahres also unter dem frischen Eindrucke des Ernstes. Bilden doch Lehrer