Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1882
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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- 12 — Hierauf ergriff Herr Oberbürgermeister Miquel das Wort. Zunächst sprach er seine Freude über die Vollendung des Schulhauses aus. Wenn auch formell nicht in direktem Zusammenhang mit der Stadt, so sei dieselbe doch moralisch aufs engste mit ihr verbunden; sie sei, wie alle anderen, eine Pflanzstätte, um dem Vaterlande gute und treue Bürger zu erziehen, sie verfolge, wenn auch auf anderem Wege, die gleichen Ziele. Die Schule sei ein Zeugnis der Munifizenz einer Familie, der Opferwilligkeit der Mitglieder der Religions-Gesellschaft, wie der Erfolge, welche eine in ihrer religiösen Überzeugung einige Gemeinschaft zu erzielen im Stande sei. Die Schule werde Bürger und Menschen erziehen, welche nicht allein die Treue gegen ihre Überlieferungen, sondern auch die Treue gegen König und Vaterland bewahren, wahrhafte deutsche Bürger, welche wissen, daß das deutsche Vaterland alle seine Kinder gleich Ijebe. Er begleite die Schule bei ihrem Umzüge mit der Hofihung, daß sie auf dem betretenen Wege weiter fortschreite, und mit dem Wunsche, daß sie ihren Stiftern stets zur Befriedigung und der Gesamtheit zum Heile gereichen möge. Herr Polizeipräsident Hergenhahn brachte Namens der Staatsbehörden der Religionsgesellschaft aufrichtige Glückwünsche dar; auch sie nähmen an dieser Schule warmen Anteil. Er sei überzeugt, daß auch in ihr ein Geist gepflegt werde, der die Jugend lehre, treu zu Kaiser und Reich zu stehen. Er wies auf das erhabene Beispiel des Kaisers hin, der, selbst seinem Glauben treu zugethan, doch jede religiöse Überzeugung achte und schütze und jedem sorgsam sein Recht gewähre, und schloß mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, in das die Verammlung begeistert einstimmte. Ein Choral beschloß die Feier. — Unter Führung des Architekten besichtigten sodann die Ehrengäste sämtliche Räume und sprachen sich mit ungeteilter Anerkennung über den ganzen Bau und die innere Einrichtung aus. — Am folgenden Tage begann der Unterricht. Da bei der Einweihungsfeier die unteren Klassen nicht hatten gegenwärtig sein können, so versammelte sich zunächst die ganze Schule in der Turnhalle, die den Festschmuck noch nicht abgelegt hatte, damit auch die Kleinen ihre Feier hatten. Der Direktor hielt, nachdem einige Lieder gesungen waren, eine Ansprache, in der er unter Hinweis auf die Heiligkeit der Lehrräume die Schonung des Hauses und seiner Einrichtung den Schülern ans Herz legte, und sie sodann auf die Bedeutung des Augenblickes hinwies, in welchem nun durch die Benutzung, durch den Beginn der lehrenden und lernenden Thätigkeit die eigentliche Weihe des Hauses vollzogen werde. Zur würdigen Einleitung dieser Thatigkeit und zugleich als passender Abschluß der ganzen Einweihungsfeier wurde sodann von der ganzen Schule das Lied des Weihefestes: YIJW1 "113. ltyö gesungen. Das waren die Tage, deren Bedeutung weit hinausreicht über unsere Schule und unsere Gemeinde. Zunächst aber gehören sie für uns zu jenen Tagen, deren Gedächtnis nicht schwinden wird aus unseren Kreisen. Möge all' den Segenswünschen, die in jenen Tagen für die Schule aufgestiegen sind, eine gütige Erhörung nicht versagt bleiben.