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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1882-01-01 · 1882 · page 10

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1882
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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IRI
…/2580773-2580792--0483-2581415
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— 11 — Stattliche Haus hinübergeleiten. Denn nicht ohne Wehmut, in diesem gehobenen Momente des Einzuges ziemt es sich wohl, es auszusprechen, nicht ohne Wehmut verlassen wir sie, die bescheidenen, so vielfach unzulänglichen Bäume. Sie sind doch die Zeugen langjähriger berufsfreudiger Thätigkeit, die Zeugen beglückender Erfolge gewesen. Sie sahen Reihen von Schülergenerationen heranblühen, gewonnen für die Wahrheit und Pflichttreue, die in ihrer großen Mehrzahl im Leben bewahrheitet haben, wofür sie in der Kindheit und Jugend sich begeistert, die auch als Männer und Frauen, als Väter und Mütter nie aufgehört haben, sich als Schüler und Schülerinnen dieser Schule zu fühlen und zu bewähren. Sie Alle, Alle, auch die räumlich Fernen, auch die bereits ihres treuen Lebens, nach menschlicher Anschauung ach so früh gestecktes Ziel erreicht, und vor allem die treuen Mitarbeiter, denen es nicht beschieden war, diesen glückliehen Tag mit zu begehen und auch die Männer und Frauen, die in treuer Hingebung dort für die Schule gesorgt — sie Alle, Alle sind unserem Herzen in dieser Stunde gegenwärtig--Darum bleibt den Räumen, die wir verlassen, ein warmes, treues, dankbares Gedächtnis dauernd gesichert. Darum nicht übermütig jubelnd, vielmehr voll tiefen Ernstes, und doch die Brust erfüllt von unendlich frohem Dankgefühl gegen Gott, der so gnadenreich Alles gefugt, und getragen von der Hoffnung, daß das Wohlwollen unserer vorgesetzten Behörde und die treue opferfreudige Fürsorge unserer Gemeinde der Schule auch fortan zugewandt bleiben möge, überschreiten wir die Schwelle des neuen Hauses. Möge die Schule in ihm gedeihen, möge sie bleiben und in immer höherem Grade werden eine Pflanz- und Pflegstätte, aus welcher geistig und sittlich tüchtige, allem menschlich Wahren und Guten verständnisvoll und opferfreudig zugewandte Menschen hervorgehen mögen, sich und den Ihren zum Heile, der Vaterstadt und dem Vaterlande zum Segen! Herr Rabbiner Hirsch sprach hierauf Namens der Eltern, der Mitglieder der ReligionsgeseUschaffc und aller, die am Aufblühen der Jugend Interesse nehmen, nochmals den Dank für alle aus, welche durch Opferwilligkeit und Hingebung die Errichtung des Prachtbaues ermöglichten. Er wies auf den kleinen Anfang der Religionsgesellschaffe hin und auf die Schwierigkeiten, die zu überwinden waren. Er sprach den Segensspruch arejbrn 2l22n, der zugleich den Dank gegen Gott ausdrückt für das Gelingen des Werkes und für dessen sichtbaren Beistand. Der gebrauchte Segensspruch könne nur da angewandt werden, wo das Gelingen nicht einem Einzelnen, sondern einer Gesamtheit zu Gute komme; denn darin bewähre sich der wahre Segen, daß er wie das Licht alle beglücke und erfreue, die sich in dessen Bereich befinden. Der Herr Rabbiner entwickelte hierauf, daß das Judentum die Wissenschaft so hoch stelle, daß es den Lehrhäusern eine größere Heiligkeit beilege als selbst den Bethäusern, den Synagogen, daß aber über allen die Kinderschulen ständen, denn diese seien die Wiege des Menschengeschlechtes. Nach dem Ausspruche der Weisen liege für eine Gemeinschaft die Existenzberechtigung nur in der Pflege des Jugendunterrichtes, das habe auch die Religionsgesellschaft sofort bei ihrer Begründung mit Wärme begriffen, und habe noch vor Vollendung der Synagoge mit opferfreudiger Hingebung die Schule ins Leben gerufen und dieselbe mit eben solcher Opferfreudigkeit zu immer größerer Blüte gebracht. Auch dieses Haus, wie es als bleibendes Ehren-Denkmal der Hochherzigkeit der edlen Spender dasteht, die es ins Leben gerufen, sei gleichzeitig ein ehrendes Zeugnis für die ungeschwächte Hingebung der Gesellschaft an die Interessen ihres Jugendunterrichts, indem sie mit hingebungsvoller Bereitwilligkeit die verhältnismäßig nicht unbedeutenden Kosten des noch zur Vollendung desselben Erforderlichen getragen» Redner erkenne auch dies als ein besonderes Glück für das Gedeihen der Schule in diesem Hause. Denn nicht auf dem, was uns ohne unser Zuthun vollendet zufällt, nur auf dem ruht der wahre Segen, wofür wir mit eigner Kraft und eignem Vermögen gesinnungsvoll eingetreten. In jenem Segensspruch sei aber auch ein Gelöbnis enthalten, das Gelöbnis der würdigen Verwertung des uns gewordenen Guten. Der Herr Rabbiner schloß mit dem Gebete, daß Gott auch ferner der Schule den Segen bewahren wolle.

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