Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1873
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Won dem pädagogischen WertHe des Judentßums. IAenn diese Blätter dem Versuche gewidmet sein möchten, den Werth darzustellen, welchen das Judenthum als Erziehungsfaktor für die Erziehung und Bildung der Jugend haben dürste, so sind wir uns wohl bewußt, wie sehr wir damit an die Frage zu streifen scheinen könnten, welche in nicht geringem Maße die pädagogischen Interessen der Gegenwart bewegt. Den Jugendunterricht überhaupt von dem Zusammenhang mit religiösen Erkenntnissen frei zu machen, erscheint ja einem großen, und wahrlich nicht zu unterschätzenden Theile aufrichtiger Freunde der Jugendbildung als ein in erster Linie anzustrebendes Ziel. Allein wir sind sehr geneigt zu glauben, diese Bestrebungen betrachten sich selber nicht als das Resultat einer hingebungsvollen Würdigung der Bildungszwecke und der Bildungsaufgabe an sich, sondern nur als ein von äußern Beziehungen zeitlich an die Hand gegebenes Bedürfniß. Die Zukunft der Menschenbildung liegt nicht in der Befreiung von aller religiösen Erkenntniß, und die Zukunft der Jugendbildung dürfte in dieser Bahn zu suchen sein?! Nur eine nihilistische Verneinung alles Culturwerthes des Religiösen überhaupt könnte das Religiöse aus dem geistigen Inventar der Menschheit der Zukunft zu streichen wünschen und es daher aus dem Bildungsressort der Pflanzstätten dieser künftigen Menschheit in Wirklichkeit streichen wollen. Für die denkenden Freunde der Jugendbildung jeder Richtung kann es nur eine Frage — zeitlicher — Zweckmäßigkeit sein, in wie weit die Pflege des religiösen Momentes einen integrirenden Theil der Schulzwecke an sich zu bilden habe oder der Fürsorge des Hauses und der besondern confessionellen Bestrebungen überwiesen bleiben möge. Für uns und für die Aufgabe, welche diese Blätter sich stellen möchten, ist diese Frage eine im Vorhinein gelöste. Das Judenthum, nicht so sehr eine Institution des Glaubens, als eine Institution des Gesetzes, umfaßt zu sehr das ganze Leben in allen Stadien und Radien seiner Entwicklung, als daß der jüdischen Anschauung nicht das ganze Leben als ein vom religiösen Momente getragenes, vom religiösen Geiste durchdrungenes, von religiösen Gedanken geleitetes, von religiösem Hauche Beseeltes sich darstellen, und als daß nicht die ganze Bildungsarbeit, die Ertüchtigung der Jugend für ein solches Leben, von demselben Geiste bewegt sein sollte. Bekennt sich ja auch die Anstalt, zu deren öffentlichen Prüfungen diese Blätter einladen möchten, offen als eine jüdische Uuterrichtsanstalt, als eine Anstalt, welcher die Pflege der allgemeinsten humanen Bildung Hand in Hand mit und getragen von der speciell jüdischen Erkenntniß und Bildung zur Aufgabe gestellt ist. Der Versuch aber, auch weiteren Kreisen einen Einblick in