Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Vorbedingung übergeben werden. Kann doch die Schule nur dann vollständig das Ihrige leisten, wenn es das Hans nicht verabsäumt hat und nicht aufhört, vollständig das Seine zu thun. Schule und Haus ergänzen sich, ersetzen sich aber nimmer, und viel, viel früher hat der junge Mensch das A-B-C und das Einmal Eins der sittlichen Lebensthemate und Erempel zu Hause zu erleruen, ehe er an der Hand der Schule zur Fibel und Tafel der viel leichter anzueigueudeu theoretischen Bildung geführt wird. Die folgenden Erwägungen dürften vielleicht unserem Gegenstände einiges Interesse und einige Aufklärung gewinnen. Brav sein ist eine Kuust, das ist das ganze Bischen Weisheit, das wir über dieses Thema zu briugen hätten, brav sein ist eine Kunst, und wohl die schwerste Kunst, die der Mensch in seinem Leben zu erleruen uud zu üben berufen fein durfte. Denn was ist das Ideal der Sittlichkeit, das wir hier gerue unter dem populären Namen „Brav sein" fassen, weil eben dies Ideal nicht zu den Idealen geworfen werden darf, die so leicht mit dieser Benennung ans dem Weichbild des Wirklichen uud praktisch Anzustrebenden verwiesen zu werden pflegen? Ist es etwas Anderes als jene Virtuosität, die mit ewig wacher Energie ausnahmlos alle Kräfte, Fähigkeiten, Anlagen, Bestrebungen, Neigungen, ja Triebe und Begierden des eigenen Wesens im Zügel hält, keine die scharfe Gränzliuie des Reinen u>'d Gerechten überschreiten, keine hinwiederum verkümmern läßt, vielmehr alle zur Verwirklichung der mannigfachen Zwecke des Edlen und Guten verwendet, die durch die Bestimmung des Menschen als Strebeziel seines ganzen Daseins gesteckt sind? Diese Virtuosität der Herrschaft über sein Ich mit allen diesem Ich einwohnenden Kräften, diese Herrschaft über sich selbst, ist wie alle anderen Fer-