Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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endlich verzweifelnd sich auf die fortgesetzte leibliche Fürsorge beschränkt, die ganze geistige nnd sittliche Bildung und Erziehung der Schule und den Einwirkungen der einstigen Lebenserfahrungen überlassend. Sie bange vor solcher Resignation. Sie meine, das heiße vor allem die ganze sittliche Zukunft unserer Kinder dem Ungefähr des Zufalles preisgebe«. Sie sei freilich noch sehr jnng und wage kaum ein solches Urtheil auszusprechen. Allein es komme ihr vor, es gebe mehr unterrichtete als wahrhaft gebildete Menschen, mehr kluge und gescheidte als gute, gesittete Kinder nnd wenn sie ihre junge Einsicht um Aufschluß frage, so wage sie zu meinen, es komme dies daher, weil unsere Unterrichtsanstalten, unsere Schulen, für die sittliche Erziehung, die Charakterbildung der Kinder zu wenig thnn können, und weil das Hans, das für diesen wichtigsten Zweig der Menschenbildung Alles thnn sollte, eben dafür viel zu wenig thue. Diesen Klagen der jungen Mutter wagte ich mit der schüchternen Bemerkung zu begegnen, ihre Freundinnen hätten vielleicht das Geschäft der Erziehung zu spät begonnen, hätten vielleicht die beste Zeit der Erziehung verabsäumt, hätten es vielleicht unterlassen ihr Kind und sich in einer Zeit für die Erziehung vorzubereiten, die vielleicht für das ganze Gelingen derselben die entscheidendste ist, und als sie das Erziehungsgeschäft begannen, wäre bereits ihr Zögling zum großen Theil für einen leichten und günstigen Erfolg verloren gewesen, und da räche sich nun das ominöse trop tard an der Zukunftswiege der Menschen nicht minder als an der Schicksalswiege der Völker, und was ein, wenn gleich nicht mit tändelnder Sorglosigkeit, so doch mit hoffnungsreicher Freudigkeit zurückzulegender Weg sein könnte, sei nun für sie ein wehennd kummervoller Wandel in einem aussichtslosen Dornenhag und dies umsomehr geworden, da sie