Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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— 4 — zu entsagen, und wenn sie das fortschreitende Gedeihen des kleinen Schreihalses bemerke und fühle, wie sie trotz der ungewohnten Anstrengungen und Sorgen gesund und wach und munter bleibe, so fühle sie sich überschwenglich belohnt und wisse Gott nicht genug für so viel Segen und so viel Beistand zu dankeu. Allein oft, wenn sie auf den kleinen lächelnden Knaben auf ihrem Schöße niederblicke und der mm bald kommenden Jahre gedenke, wo die körperliche Pflege nicht mehr den ganzen Katechismus der Mutterpflicht ausmache, wo zur Körperpflege die geistige mü) sittliche Erziehung als Eltern-Aufgabe sich geselle, da, gestehe sie, überschleiche sie oft der ängstlichste Zweifel an ihrer Befähigung für eine so große Aufgabe, die größte, wie sie meine, die überhaupt einem Menschen gestellt werden könne: Bildner eines Menscheil für den großen Menschenberuf zu werden! Sie schaue sich dann oft im Kreise ihrer Bekannten und Freitlldinnen nach den dort erzielten Früchten der Erziehung um, und da fände sie wenig Trost. Sie sehe freilich gottlob wenige geradezu mißratheue Kinder, allein ebenso wenig eigentlich gutgerathene, wenige, von denen sie sich sagen könne, sie würde freudig ihrem Gotte danken, wenn es ihr gelänge ihr Kind zu einem solchen Knaben zu erziehen, uud diese Wenigen — das erscheine ihr das Niederschlagendste von Allem — seien, soweit ihre Beobachtung reiche, weniger durch eine erziehende Weisheit der Eltern, als durch besonders glückliche Anlagen das geworden, was sie sind. Sehr viele ihrer Freundinnen hätten längst das Geschäft der Erziehung bei Seite gelegt. Sie hätten sehr bald, gleich beim Eintritt ihrer Kinder in die Erziehungsjahre, ihre völlige Ohnmacht selbst dem aufstrebenden Willen eines fünf- und sechsjährigen Knaben gegenüber empfunden. In erfolglosen Kämpfen und stillem Kummer haben sie die ersten Jahre der erziehenden Eltern-Arbeit verlebt und