Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- Siebenter Band (1771)
- Issue
- Funfzehntes Stück (1771)
- Date
- 1771-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2577043-2577053-9903539--2907-2579817- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
LL - OX» seyn werde, wie ich denn diese Meinung schon anderswo gefunden habe, Ich kann aber mit diesem Lehrsätze unmöglich zufrieden seyn : denn das jüngste Gericht ist einmal wegen der Tradition von dein ganzen Volke so angenommen worden, und wird einmüthig geglaubt, gleich als ob die Natur odec die Vernunft den Menschen nöthige, diese Wahrheit auch wider seinen Willen anzunehmen. Und obschon Abarbanel viele Stellen der Rabbinen, welche von diesem Gerichtstage handeln , nach seiner Meinung drehet, so leiden Hoch die Worte des Rabbi Istlraels: i,Wie schwer und schrecklich ist nicht der Tag des Gerichts, an welchem der Hochgelobre künftig einmal die ganze Welt in dem Thale Josaphat richten wird? schlechterdings keine andre Erklärung. Deswegen trete ich in die Fußtapfe» der Cabbalisten, und widerlege mit ihnen so gar das, was ich in dem schönen Buche Hakabanorh des Rabbi Isaaks Loriah gelesen Habs, wo das letzte Gericht mit der am Versöhnungstage ertheilten Vergebung der Sünde, und mit denen, von den abgeschiedenen Seelen gleich in dem Tode zu erduldenden Strafen bestritten, und daher dieser schreckliche Gerichtstag nur auf die andern Rationen und nicht auf die Juden, eingeschränkek,wird. Es ist aber dieses die allerseltsamste Meinung, weil sie gerade wider unsre Tradition, und wider die Lehren unsrer ältesten Rabbinen streitet, welche einstimmig mit einander behaupten, daß es einen von Gott bestimm-