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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1885-01-01 · 1 (1885) · p. Seite 177

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
12 (1885)
Issue
1 (1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 177 (sequence 181)
Language
German
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Geschichte der Juden in England. 177 wollte, war »och nicht das Schlimmste. Den geistlichen Herren standen noch andere Mittel zur Verfügung, und sie haben im zwölften Jahrhundert öfters von ihnen Gebrauch gemacht. Unter der Negierung König Stephans, welcher auf Heinrich I. folgte, tauchte nämlich in England das Märchen auf, datz die Inden kurz vor ihrem Osterfeste einen Christenknaben ermordet hätten, um sein Blut für das Passah - Fest zu verwenden. Es ist hier nicht der Ort, die Wahrheit oder vielmehr die Unwahrheit dieser Anklage zu beweisen, aber es dürfte nicht ohne Interesse sein, au dem Punkte, wo die Beschuldigung zunr ersten Male auflaucht — denn es ist bis jetzt kein früherer Fall nachweisbar^) — alle Fälle von angeblichen Christcumorden znsammenstclleu, die mit der jüdisch-englischen Geschichte in Beziehung stehen. Es ist iit der That merkwürdig, wie oft sich die Beschuldigung in England wiederholte, und gerade diese auffallende Häufung nmß alle Fälle stark verdächtigen. Unter jedem König, der mährend des zwölften Jahrhunderts in England das Scepter führte, sollen die Juden mindestens einmal einen Christenknaben ermordet haben, und unter Heinrich II. sind sie sogar zweimal dieses Verbrechens bezichtigt worden. Ist es dann aber nicht sehr merkwürdig, daß die Juden für die ihnen zur Last gelegten Christenmorde niemals bestraft wurden? Im zwölften Jahrhundert wenigstens findet sich keine Spur von einer Strafe, ein Umstand, der nach unserer Ansicht, gegen die Wahrheit der Beschuldigungen stark in's Gewicht fällt. Die englischen Könige haben ihre jüdischen Unterthanen niemals geschont; bot sich eine Gelegenheit, Geld zu erpressen, so ließen sie dieselbe nicht unbenutzt vorübergehen, und es ist kaum glaublich, daß sie solche Verbrechen, wie den Mord eines Christenkindes, nicht wenigstens durch hohe Geldbußen sühnen ließen. Auch sind die Einzelheiten, welche uns in zwei Fällen mitgetheilt *ז) Der älteste Fall, der von Grätz: Geschichte der Juden VI S. 201 mitgctheilt wird, ist die Beschuldigung von Blois vom Jahre I I71, welche zu der blutigen Verfolgung führte. Dieses Ereigniß fällt säst 2 Dccennien nach de!» Tode Stephans.

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