Mannheim
Compact Memory

Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1892-01-01 · 1 (1892) · p. Seite 262

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
19 (1892)
Issue
1 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 262 (sequence 264)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2572068-2572094-2572095--4575-2576517
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

geboten. Nach Grätz ist der tyrannische König in Kohelet Herodes, und der Jüngling, der eingekerkert ist und bestimmt ist, zur Regierung zu gelangen, ist Alexander, der Sohn des Herodes und der Mariamne. Nach unserem Verf. ist der despotische König Alexander Jannai, und auf ihn bezieht sich der Satz, dass er aus dem Gefängnisse heraus zur Regierung kam. Nach ihm ist ein ילד השני, ein zweites Kind, zur Regierung gelangt (4, 15), das zuerst einen grossen Anhang fand und an dem man zuletzt keine Freude hatte. Damit sei Aristobul, der jüngere Sohn Jannai’8 gemeint. Der Autor des Buches Kohelet soll nach unserem Verf. kein Anderer als Simon ben Schetach sein. Wir können nun aus allgemeinen Gründen über die Zeit des Abschlusses des Bibelkanons und über diu Möglichkeit, dass noch in der Zeit nach der Synagoga magna ein spätes Buch unter die heiligen Schriften als ein Werk Salomo’s aufgenommen worden sei, weder dem Verf noch Grätz beipflichten. In Bezug auf die Exegese von 4, 14 müssen wir uns Grätz anschliessen, da08 כי מבית הסורים וגו׳ sich auf ילד מסכן und כי גם במלכותו ובו׳ auf מלך זקן bezieht. Im üebrigen aber können wir darin keine Bezugnahme auf bestimmte Personen erblicken. Es sind allgemeine Erfahrungssätze, wie alle andern Sätze, die in Kohelet mit טוב beginnen. Ein weiser Jüngling, wenn auch unglücklich, ist besser als ein thörichter Greis, wenn er auch ein König ist; denn selbst der Geringste, das ißt der Gefangene im Kerker (vgl. Exod. 12, 29) ist schon einmal zur Regierung gelangt, während ein Anderer in seiner Regierungszeit ein armer Mann geworden ist. Das Glück also ist dem Wechsel unterworfen, daher kann nur die Weisheit als wahrer Vorzug betrachtet werden. Dies sagt der weise Kohelet, und eine Anspielung auf Vorgänge seiner Zeit liegt ihm ganz fern — Von Allem, was in neuerer Zeit über Kohelet gesagt wurde, scheint uns das von Rapoport im Erech Willim V. אשמדאי Vorgebrachte am plausibelsten. — Es verdient dagegen hervorgehoben zu werden, dass vorliegender Gommentar mehr den massoretischen Text respectirt und sich nicht wie der Gommentar von Grätz auf gewagte Emendationen einlässt. Freilich findet sich in diesem noch Vieles, dem man nicht znstimmen kann. Wir können hier nur beispielsweise auf einige Stellen hinweisen. Es ist ganz unbegründet, was S. 17 behauptet wird, dass die Lehre des R. Juda; נושא המלך אלמנתו של מלך auf einen bei der Verheirathung gefassten säclducäisehen Synedrialbescbluss z׳.]rückzuführen sei. Dass Simon justua einmal das Gelübde eines Nasiräers aus Sittlichkeitsgründeu gelöst habe, wie S. 36* gesagt wird, findet sich nirgends; ebenso ist das ספר רפואות, von dem der Talmud spricht, kein essäisches Buch, wie S. 38 steht. S. 18, S. 19. S 41 u. S. 47 hält der Verfasser zwei Versionen einer Agada für historisch, die eine des Babli, wonach Josua b. Peracbja zur Zeit Jannais nach Alexandrien geflüchtet, und die andere vom Jeruscb., wo dies von Juda b. Tabbai erzählt wird. S. 52 wird die vom Talmud erzählte Begebenheit vom Knechte Jannai u. Sinjon b. Schetach angeführt, ohne zu bemerken, dass Josephus dieselbe Geschichte von Herodes und Sarueas (d. i. שמעיה) erzählt. Wie da8 משל die Basis zur גזירה שוה sein soll (S 54) ist unbegreiflich. Auf einzelne gezwungene Texterklärungen hinzuweisen halten wir nicht für nöthig, da der Leser dies leicht von selbst merken wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.