Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 19 (1892)
- Issue
- 1 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 248)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Betracht, deren Verhältnis« zum Judenthum wir zu betrachten haben. 36) Von Marc Aurel berichtet Ammianus Marc. XXII 5: ״Cum Palaestinam transiret, Aegyptum petens, foetentium Judaeorum et tumultuantium saepe taedio percitus, dolenter dicitur exclamasse: 0 Marcomanni, 0 Quadi, 0 Sarmatae, tandem alios yobis inertiores inveni.a Wäre aber auch dieser Ausspruch des Kaisers verbürgt und nicht, wie Rapoport vermuthet, ihm blos von Judenfeinden untergeschoben; so liegt doch darin keine feindliche Gesinnung gegen das Judenthum überhaupt. Die gedrückte Lage, in der die Juden Palästina’« seit dem Untergang des Tempels sich befanden, war Marc Aurel nicht unbekannt, und dies entschuldigte zur Genüge die inertia, die sich den Augen des Kaisers darbot. Seine Worte mögen daher mehr in mitleidsvollem als in zornigem Tone gesprochen worden sein, zumal ja in Rom auch eine grosse jüdische Gemeinde existierte, die eben, weil sie in bessern Verhältnissen lebte, dem Kaiser eine günstigere Meinung vom Judenthum beizubringen vermochte. Am allerwenigsten lässt sich aus diesem Ausspruch M. Aurels ein Beweis erbringen, dass er nicht einem jüdischen Weisen freundlich gesinnt sein konnte. M. Aurel, der selbst geschrieben hat: ״Willst du deine Freude haben, so richte deinen Blick auf die trefflichen Eigenschaften deiner Zeitgenossen und siehe, wie der Eine ein so hohes Mass von Thatkraft, der Andere von Schamhaftigkeit besitzt, wie freigebig der Dritte u. s. f. Denn nichts ist so erquicklich als das Bild von Tugenden, die sich in den Sitten der mit uns Lebenden offenbaren44 (Ek kauröv VI 43) — M. Aurel, der ein solches Interesse für seine tugendhaften Zeitgenossen hatte, konnte wohl den Rabbi Jehuda ha-Nassi, bei dem nach dem Zeugnisse der Talmudim und Midraschim alle jene Tugenden in hohem Grade vereinigt waren, seiner Gunst gewürdigt haben, selbst wenn er dessen Glaubensgenossen nicht gewogen war. Dazu kommt, dass dem Kaiser M. Aurel der letzte