Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 19 (1892)
- Issue
- 1 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2572068-2572094-2572095--4325-2576267- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
I. Die Vergeltung durch die Vorsehung. Die Idee der Vergeltung, dass nämlich ein Jeder für eine gute Handlungsweise ein gleiches oder gleichwertiges Gut, für eine schlechte ein gleiches oder gleichwertiges Uebel, sei es hienieden oder in einer jenseitigen Welt, emfpangen werde, zeigt sich so tief eingewurzelt in den Anschauungen des jüdischen Volkes, dass sie fast zu allen Zeiten seiner geschichtlichen Entwickelung immer wieder zum Vorschein kommt. Die Propheten, wie die Psalm- und Spruchdichter haben diesen Gedanken vielfach treffend zum Ausdruck gebracht und auch die historischen Schriften lassen ihn nicht selten durchblicken. „Preiset den Gerechten, ihm geht es gut; denn die 'Frucht seiner Thaten geniesst er; wehe dem Frevler, ihm geht es schlecht, denn seiner. Hände Thun wird ihm angethan!w singt der Prophet Jesaja (3, 10, 11; vgl. 33,1; 65,7). „Ich, der Ewige, durchforsche das Herz, prüfe die Nieren, um zu vergelten einem Jeden nach seinem Wandel, nach der Frucht seiner Handlungen!w spricht Jeremia (17, 10) im Namen Gottes. Preist der Prophet die Weisheit und die Thatkraft Gottes, so zeigt diese sich ihm darin, dass dessen Augen offen sind über all den Wegen der Menschenkinder, um zu vergelten einem Jeden nach seinem Wandel, nach der Frucht seiner Handlungen.u l) Das Strafgericht Gottes über sein abtrünniges Volk wird auch von Ezechiel als ein der Schuld desselben ent- *) Jer. 32, 19. Vgl. ferner 25, 11. 14; 50, 15. 29 und ra. a. 0. An allen diesen Orten ist der talionartige Charakter der Strafe Gottes nicht zu verkennen.