Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 18 (1891)
- Issue
- 1 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 212)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Prozess Eisenmenger. Von Leopold Löwenstein. Blutgetränkt sind die Wege, welche die jüdische Geschichte seit dem beginnenden Mittelalter zurückgelegt und das letzte Dezennium des 19. Jahrhunderts, in dem wir uns zur Zeit befinden, zeigt noch die Ausläufer jener schmachvollen Zeiten. Das letzte Dezennium des 18. Jahrhunderts bot ein erfreulicheres Bild; die Sonne der Freiheit fing damals an, auch dem verachteten jüdischen Stamme ihre erwärmenden und belebenden Strahlen zuzusenden und noch lange durfte derselbe an den erfreulichen Wirkungen sich laben» Dagegen war es das letzte Dezennium des 17. Jahrhunderts, in dem ein Giftstoff angesammelt wurde, der lange Zeit hindurch der Masse zur Befriedigung diente. Johann Andreas Eisenmenger heisst die Schlange, die ihren Giftstoff in dem Buche ״das entdeckte Juden thum“ niederlegte. Es ist bekannt, dass das Buch schon bei seinem Erscheinen, von gegnerischer Seite freudig begrüsst, von jüdischer Seite heftig bekämpft wurde und dass kein Mittel unversucht blieb, um dessen Weiterverbreitung zu verhindern. Die beiderseitigen Kämpfe bilden in den Geschichtsannalen als »Prozess Eisenmenger״ ein berüchtiges Kapitel, dem schon deshalb besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde, weil fürstliche Persönlichkeilen zum Teil als handelnde Personen in demselben auftraten. Ueber die einschlägigen Verhandlungen am kaiserlichen Hofe in Wien sind wir von Wolf1) genügend 1j ״Per Prozess Eisenmenger“ Grätz Monatsschrift 1869 S. 378 ff.