Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 295 (sequence 302)
- Language
- German
- Belongs to
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295 Auf einem besonderen Blatte sollten nach der An- Ordnung des Memorbuches die Männer darin verzeichnet werden, die ob ihrer hervorragenden Bedeutung und aus dankbarer Verehrung des Stifters eines auszeichnenden Seelengedächtnisses auch in dieser des öffentlichen Charakters entbehrenden Synagoge theilhaftig zu werden verdienten. Der allverehrte Sohn des Verfassers der Bundestafeln, der unvergessliche Rabbiner von Wien, R. Sabbatai Scheftel Hurwitz1), der am 12. April 1660 viel zu früh seiner Gemeinde entrissen wurde, eröffnet die Ehrentafel. Die zweite Stelle nimmt der ob seiner kabbalistischen Gelehrsamkeit und aussergewöhnlichen Frömmigkeit hoch gefeierte R. Elchanan2) ein, zu dessen Namen eine spätere Hand in Cursivschrift sein schmückendes Beiwort hinzugefügt hat: der Göttliche. Hier sollten aber auch die Namen der Märtyrer, eine Stelle finden, die auf dem Boden Niederösterreichs geblutet und einen Anspruch darauf erworben hatten, dass ihr Andenken in allen Synagogen dieses Landes und vornehmlich der hauptstädtischen Gemeinde Wien erhalten und gepflegt werde, Isak von Niederspreigen und der als Jüngling hingemordete Senderb. Jakob. Das letzte Blatt des Memorbuches gehört dem Stifter, an den in seinem Gotteshaus nicht die blosse Erwähnung seines Namens unter den übrigen Verstorbenen, sondern ein besonderes, seine Verdienste um diese seine Stiftungen wie seine sonstigen Wohlthaten preisendes Seelengedächtniss erinnern sollte. Diese Reliquie aus dem Ghetto von Wien, dieses Opfer der Vertreibung von 1670 bildet heute das Besitzthum der mährischen Gemeinde Misslitz3). Wie ist das *) Kaufmann a. a. 0. p. 66 n. 1. 2) Ib. p. 82 n. 1, 3) Herrn Rabbiner Dr. Simon Stern, der mich zuerst auf dieses verschollene Denkmal aufmerksam gemacht hat, sowie dem yorstande der Gemeinde Misslitz spreche ich für die mir gewährte