Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 17 (1890)
- Issue
- 1 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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61 jedoch die Texte vor kurzem nach den von mir eingesehenen Handschriften und den von A. Neubauer in Oxford besorgten Abschriften zum Drucke befördert habe, glaubte ich, die Veröffentlichung meiner darstellenden Arbeit nicht mehr verzögern zu sollen. Erstes Kapitel. In Gallien und Germanien unter römischer Herrschaft. Der Beginn der jüdischen Niederlassungen in Gallien und Germanien ist aus Mangel an sicheren, geschichtlichen Nachrichten in Dunkel gehüllt, das nur durch Vermuthungen erhellt wird. Doch können wir letztere durch eingehende Betrachtung der dazu gehörigen Verhältnisse zur grösseren Bestimmtheit erheben, sodass wir wenigstens im Stande sind, die Zeit der Einwanderung ungefähr anzugeben. Die Diaspora des jüdischen Volkes hat keineswegs mit der Einnahme Jerusalems durch Titus ihren Anfang genommen; man kann vielmehr behaupten, dass sie bereits vorher, in der ersten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts in gewisser Beziehung geradezu ihren Ab- Schluss gefunden hat, und dass die darauf erfolgte Zerstörung des Tempels nur geringen Einfluss auf diese Zerstreuung ausübte. Schon seit den Tagen des Königs Salomo1), ganz besonders aber seit der Zerstörung des ersten Tempels durch Nebukadnezar und der Fortführung in die babylonische Gefangenschaft gab es nicht mehr ausschliesslich palästinensische Juden. Wenn auch der jüdische Staat von Neuem erstand, so war doch ein Theil der Exilirten in Babylonien zurückgeblieben und verbreitete sich von dort aus über den Orient. Die Eroberungen Alexanders leiteten *) Kiesselbach, Der Gang des Welthandels und die Entwicklung des europäischen Völkerlebens im Mittelalter (1860), 20 f.