Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 15 (1888)
- Issue
- 1 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Geschichte der neuern Philosophie. 59 bedeutende Versuche angesehen werden. Und doch sollte die hebr. Sprache viel inniger mit der Philosophie, die sich mit den erhabensten Ideen beschäftigt, verbunden sein, zumal jetzt, wo so viele Wissenszweige in hebr. Sprache behandelt werden, wo so Viele sich berufen fühlen, in hebr. Sprache zu schriftstellern und zu dichten. Da ist es geradezu nothwendig, der hebräischen Literatur durch die Philosophie neue Gedankenschätze zuzuführen, damit besonders die gegenwärtige hebräische Belletristik von der Flachheit und dem hohlen Phrasenthum, woran sie sehr leidet, etwas geheilt werde. Man muß daher Herrn Mieses großen Dank wissen, daß er sich der äußerst schweren Arbeit unterzog, die Geschichte der neuern Philosophie in klassischem Hebräisch darzustellen. In dem uns vorliegenden Theil behandelt M. zuerst mit ziemlicher Ausführlichkeit die Kant'sche Philosophie und schließt mit Schelling. Der Kriticismus Kants, der in der Philosophie eine gleiche Umwälzung hervorgebracht, wie das Kopernikanische System in der Astronomie, und die ganze neuere Philosophie beeinflußt, verdient gewiß den ersten Platz und eine eingehende Behandlung. Allein wegen des besseren Verständnisses wäre es ersprießlicher gewesen, wenn die unmittelbaren Vorgänger Kant's, wie Locke und Hume auf der einen, Lcibnitz und Wolf auf der anderen Seite, zuerst behandelt worden wären, da Kant bekanntlich zu jenen wie zu diesen, zum einseitigen Realismus wie zum dogmatischen Idealismus in einem gewissen Verhältnisse stand. Etwas störend wirken mitunter die von Herrn M. neugeschaffenen Termini. מחישה für ״Sinnlichkeit" ist durchaus nicht besser als die früher gebräuchliche Bezeichnung: חושים oder התבונה הנקיה .חוש (die reine Vernunft) klingt ganz unhebräisch. Statt נקיה könnte gut לימודית oder עיונית stehen, da auch Kant unter ״rein" theoretisch versteht. חבמי המעשה für ״Realisten" nicht so gut wie das bei Mendelssohn vorkommende הבמי ת וימיה u. s. w. Auch der allzuhäufige Gebrauch der Partikel של selbst da, wo der Status construetus ebenso verständlich wäre, beeinträchtigt zu sehr die biblisch-hebr. Färbung. Zum Schlüsse sei noch das Verdienst hervorgehoben, das