Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 13 (1886)
- Issue
- 1 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2572068-2572090-2572091--2598-2574540- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
104 S. Goldschmidt. Bruder des Kanzlers, mit Namen Osbert, übernahm die Leitung der Uorker Grafschaft^). So war die Ruhe im allgemeinen wieder hergestellt. Die blutige Verfolgung hatte Hunderten das Leben gekostet, und Schätze von ungeheurem Werthe waren den räuberischen Händen der Kreuzfahrer zum Opfer gefallen. Das Vermögen der Juden hatte sich natürlich sehr verringert, da fast alle ihre ausstehenden Schulden durch die Vernichtung der Schuldscheine werthlos geworden waren. Doch hat die Verfolgung auf die Dauer ihre Wirkung nicht ausüben können. Schon nach wenigen Jahren sehen wir die Juden, ebenso wie früher, mitten im Allgemeinen Geschäftsverkehr thätig, und die Rollen der Schatzkammer berichten uns wieder von dem regeu Treiben, welches sie auf dem öffentlichen Markte entfalteten. Während Richards Abwesenheit lebten sie in ungestörter Ruhe. Die Streitigkeiten mit dem Kanzler Wil- Helm von Elz, so wie die inneren Fehden, um die oberrichtliche Gewalt nahmen die höchsten Kreise so sehr in Anspruch, daß sie sich um jüdische Verhältniffe überhaupt nicht kümmern konnten. Ja, wir können nicht einmal deutlich erkennen, ob die Juden zu den Beiträgen für die Befreiung König Nichard's herangezogen wurden. Bei dieser Steuer, zu der selbst die Geistlichen beitragen mußten, hätte mau die Juden in allererster Linie als stark betheiligt erwartet, da sie ja als Eigenthum des Königs waren, von denen die großen Geldsummen zunächst hätten gezahlt werden müssen. Doch werden sie in keinem Schriftsteller als Beitragende erwähnt, und darum können wir kein sicheres Urtheil über diese Angelegenheit abgeben. Sobald der König von seiner Gefangenschaft nach England zurückgekehrt war, nahm er die Angelegenheiten der Juden in seine Hand und ordnete ihre Verhältnisse in einer Weise, die für ihn selbst vortheilhafter war, als für seine jüdischen 97) Hoveden III p. 34. In dem Rot. II Lic. I. zahlt Johann Marshell die Abgaben für die Grafschaft in der ersten Hälfte, und Osbert de Longchamp in der zweiten Hälfte des Jahres.