Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 13 (1886)
- Issue
- 1 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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36 S. Goldschmidt. und immer größer werdenden Geldforderungen des Königs verschafften, so wurden sie bald als Wucherer dem Volke sehr verhaßt. Auch sollen die jüdischen Aerzte den Haß der Geistlichen dadurch erregt haben, daß sie mit aller Entschiedenheit den Wunderkuren der Geistlichen entgegentraten. Da ihnen die Kuren beffer gelangen, und das Volk sich immer wieder an jüdische Aerzte wandte, trotz der scharfen Verbote der Geistlichkeit, so wurden dieselben von ihren geistlichen Gegnern als Zauberer verschrieen, die mit Hülfe des Teufels ihren leidenden Mitmenschen helfen wollten. Vielleicht entstand auf diese Weise die Meinung, daß die Juden Zauberer wären, eine Meinung,die ihnen einige Jahre später soverhängnißvoll wurde°2). Hierzu kam die Erregung des Kreuzzuges, welche sich mit einem Male des englischen Volkes bemächtigte, und die den Unterschied zwischen Christen und Inden um so schärfer hervortreten ließ. Sultan Saladin von Egypten hatte sich schon der Hauptplätze des jerusalemitischen Königreichs bemächtigt und im Jahre 1178 auch die Hauptstadt Jerusalem den Christen entriffen. Da war denn große Trauer in der gesammten Christenheit. Gesandtschaften und Bittbriefe wurden nach allen Richtllngen geschickt, der Patriarch von Jerusalem wandte sich direct au Heinrich II., und auch der Pabst erließ einen Hirtenbrief, in welchem er zur energischen und zahlreichen Betheiligung am Kreuzzuge aufforderte. Heinrich II. hatte schon oft einen Kreuzzug zu unternehmen versprochen, aber die Kriege mit Frankreich und die Zerwürfnisse mit seinen eigenen Kindern hatten ihn stets gehindert, sein Versprechen zu erfüllen. Möglich, daß es ihm mit seinem Versprechen niemals Ernst gewesen war. Jetzt konnte er sich der Pflicht nichts mehr entziehen, und nahm am 21. Januar 1188 in Gemeinschaft mit Philipp August von Frankreich das Kreuz. Er schickte zuerst seine Gesandten nach England, ging dann selbst hinüber und forderte in einer Versammlung zu Ged- 62) Vergl. S. Cassel in Ersch und Grubers Encyclopäoie ll, XXVII p. 66, p. 67. Ueber die Bedeutung und Verbreitung der jüd. Aerzte in Deutschland oergl. Stobbe I. o. p. 279 Note 174.