Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 11 (1884)
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 131)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Recensionen. Der Besprechung des Einzelnen schicken wir die allgemeine Bemerkung voraus, daß die großen Erwartungen, mit denen wir an ein litterarisches — Kunstwerk dieses bewährten Gelehrten gehen, voll und ganz erfüllt sind. Das Buch bietet eine solche Fülle von meisterhaft bearbeitetem Material, eine so staunenswerthe Belesenheit, eine so emsige Quellenforschnng und, worin sich eben der Meister zeigt, mit so acht wissenschaftlichem Pragmatismus in der Ausbeutung rmd Verarbeitung der Quellen, daß man dasselbe mit steigendem Interesse studirt und gestärkt und gekräftigt gegen den Jammer der Zeit aus Händen legt. Wir wollen dies an einzelnen Beispielen zu zeigen versuchen, indem wir in die Einzelheiten dieses — Kunstwerkes eintreten. Der Verfasser hat nämlich bei aller strengen Historicität dennoch noch mehrere andere Tendenzen verfolgt, die demjenigen, der sein Buch aufmerksam liest, sehr wohl durchsichtig sind. Einmal den wissenschaftlichen Kampf gegen den Antisemitismus. Er sagt darüber im Vorworte: Ueber den Antisemitismus ... will ich . . . nicht viel Worte verlieren. Ich habe ihn mir vom Leibe gehalten, will sagen, ich habe mir die Objektivität in der Darstellung durch ihn nicht rauben lassen.... Trotzdem, oder vielmehr ebendeswegen sagt der Verfasser bei der Charakteristik des Papstes Jnnocenz III., des Begründers der päpstlichen Macht und zugleich des ersten Papstes, welcher an die Stelle der Duldung der Juden ihre systematische Verfolgung setzte, derselbe sei zur Blüthezeit der Ketzerei (jndaisirenderRichtung mancher häretischen Sekten) ans den Verdacht gerathen, daß die Juden ihr Vorschub leisteten und mit den Häretikern Verbindungen unterhielten, gerade so wie man auch heute die Inden für die abnehmende Religiosität verantwortlich macht und sie die Schuld dafiir tragen läßt, daß unter den Bekennern des Christenthums mehr und mehr aufgeklärte oder mittelalterlich gesprochen, ketzerische Ansichten Platz greifen. — So bemerkt der Verfasser, daß, als (Ende des 14. Jahrhunderts) die bis dahin ganz von der Religion beherrschte Wissenschaft sich selbst bewußt wurde und die