Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 11 (1884)
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Machsor Nürnberg. 117 Reihe von Jahren mit der größten Liebe, Sorgfalt und Geschicklichkeit an der Herstellung des Codex gearbeitet haben. Die herrliche Quadratschrift zeigt vielfache Abwechselung, so z. B. unterscheiden sich im Schriftcharakter die Stammgebete der Feste voll den Pijutim, die Bibelstellen von den Gebeten, das Targum voll dem hebräischen Texte u. dgl. m. Die Anfänge der Gebetstücke sind durch große colorirte Buchstaben hervorgehoben. Die Alphabet- und Namensakrosticha, die Ueberschrifleu, die Strophenverse, Refrains u. dgl. sind meist kolorirt. Doch werden die Namensakrosticha zuweilen bloß durch Punkte angedeutet oder gar nicht bezeichnet. Von besonderem Interesse sind die zahlreicheir Miniaturcn, mit denen das Machsor geschniückt ist. Dieselben sind nach dem Urtheile sachverständiger Autoritäten keineswegs Dilettantenarbeit, souderir verratheu Künstlerhand und sind im deutschen Stile des 13. Jahrhunderts gehalteu"). Gleich die ganze erste Seite ist mit eiirem kunstvollen Ornamente bedeckt. Dasselbe stellt ein großes Portal dar, das auf zwei Säulen ruht, deren eilte von einem Elephanteu, die andere von einem Tiger getragen wird. Auch au dcir Säulen windeir sich Thiergestalteir empor. Jir der Mitte des Portals ist auf hellbrarlneu Feldern das Wort האל in großen Goldbuchstabeu angebracht. Zit den schönsten Miniaturen des Machsor gehört auch die auf fol. 95 b, muntere, leichtfüßige Thiere: Rehe, Hirsche, Huude 11. dgl. darstellend, die auf hell gemustertem, blau umrahmtem Felde sich tummeln, wohl eine Illustration zum Hohenliedes), das der dort 14) Die Herren Geheimrath Prof. v. Löher, Neichsarchivsdirektor in München und Dr. Essenmein, Direktor des Germ. Museums, denen ich die Miniaturen gezeigt, haben sich in diesem Sinne ausgesprochen. 15) Bezeichnend für die Angaben Würfels über das Machsor ist seine (von Murr nachgedruckte) ebenso böswillige wie th'örichte Vermuthung., daß die Thierbilder ״von denen die Juden sonst abgesagte Feinde sind" sich im Machsor auf die Christen beziehen (S. 101). Man sieht, wie selbst die harmlosesten Dinge zu Anklagen hcrhalten müssen.