Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 7 (1880)
- Issue
- 1 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 178)
- Language
- German
- Belongs to
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Recensionen. 175 dadurch erworben, daß er damit die positiven und rein wissenschaftlichen Ergebniffe jener an sich beklagenswerthen Anregungen der Oeffentlichkeit übergeben. Unberührt von der Leidenschaft boshaft heraufbeschworener Tagesfragen wendet der Verf. sich einer Anzahl ungelöster Probleme des Alterthums zu und weist die jetzt so geflissentlich geleugnete Gemeinschaft der Jnteresien und Gedanken der Freunde und Feinde )zwischen dem Judenthum und dem ehemaligen, ehrlich gemeinten Christenthume nach. Zunächst leitete die im Dienste der Judenfeindschaft und — des gewinnbringenden Absatzes zur Mode gewordene Verlästerung eines großen Unbekannten, des Talmud, den Verf. zu einer sorgfälligen Musterung der angefochtenen Stellen in diesem Riesenwerke und zu einer vergleichenden Prüfung der mit den Talmudisten gleichzeitigen Kirchenlehrer. Eine weitere Vertiefung in dieses Studium führte den Verf. bald auch über den Rahmen desselben hinaus in das Gebiet philosophischer Fragen, wo Verf. in hervorragender Weise heimisch ist. So kamen naturgemäß die neuen Veröffentlichungen zu Stande. Verf. erklärt es ausdrücklich in den einleitenden Worten (S. III), die ursprüngliche Tendenz der gegenwärtigen Schrift sei einfach das Streben nach Klarheit über gewisse dunkle Stellen und exegetische Eigenthümlichkeiten des Talmud gewesen. Unter der Hand der dem Drange der Forschung rückhaltlos folgenden Untersuchung traten manche Ereignisse in ein neues Licht und erwiesen sich als epochemachend für das Verhältniß der jüdischen Gesetzeslehrer zu dem damals neuen Christenthume. Was Verf. in dieser Beziehung beibringt, ist deshalb auch für die Geschichte des Urchristenthums von nicht geringem Jntrresie; eine große Anzahl lehrreicher Stellen aus dem Talmud werden in dieser Richtung den christlichen Forschern erst zugänglich gemacht. Besonders hat der zweite Excurs, der über die Gnosis handelt, eine nicht geringe Bedeutung für die Geschichte der christlichen Sekten. Aber dennoch bleibt die Untersuchung überall ihrem Ursprünge treu, indem sie die einschlägigen talmudischen Stellen durch Parallelen aus den Kirchenvätern und im Excurs über die Gnosis zugleich durch solche aus dem Timäus des Platon zumeist glücklich und überraschend erklärt und beleuchtet.