Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 6 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
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Rabbi Jesaja Berlin. 83 sitzt"? muß er nicht vielmehr aus ehrfurchtsvoller Rücksicht für seine Zuhörer stehend vortragen? Und warum sollte so ohne Weiteres die Sündenvergebung erfolgen? Doch Rabba sagt (Joma 23 u. air mehreren Stellen):!כל המעביר על מדותיו מעבירי ״ לו על כל פשעיוWer nicht die ihm gebührenden Rücksichten vom Menschen streng fordert, vielnrehr dieselben freiwillig erläßt, tver solche Nachsicht übt, dem wird Gott lohnen und ihm dafür die Sünden, nänrlich die Fehler gegen die Rücksichten auf Gott, erlassen." Alls Maimonides, Mischne Tora, Hilchot Megilla K. 2 8- 7 geht null hervor, daß inan mit Rücksicht auf die dem Pubkikllnl schuldige Ehre alle öffentlichen Handlungen in der Syuagogc stehend verrichten müsse. Wenn aber die Gemeinde auf die Forderung einer solchen Rücksicht Verzicht leistet, ja selbst denl Rabbiner einen Stuhl reicheil läßt itnb ihn so zum Sitzen ciuladet, eine solche großmüthige Verzichtleistung verdiene gewiß den von Rabba verheißenen Lohn. Diese einleitenden Worte erfüllten das Herz aller Zuhörer mit besonderer Befriedigung. — Von einer andern Predigt Jesaja's, und zwar aus Veranlassuug des Abschlusses des Baseler Friedens giebt die Schlesische priv. Zeitung vom 18. Mai 1795 folgende Nachricht: ״Auch die hiesige Judengemeinde verfehlte ebenfalls nicht, ihre iirnerliche Freude wegen des von Sr. Königlichen Majestät mit der Republik Frankreich geschlossenen Friedens zu bezeigen. Es hielt der Rabbiner Herr Esajas Löw Berliner eine zweckmäßige Rede ulld schloß mit dein recht herzlichen Gebet für Seine Majestät und das ganze Königliche Haus und endlich ermahnte derselbe die Gemeinde, durch Wohlthun den Dank gegen Gott zu offenbaren, dies Fest durch Unterstützung der Hilfsbedürftigen ohne Unterschied der Religion zu feiern. Diese Ermahnuirg nahm die Geineinde mit Dailk an, und auf der Stelle erfolgten verschiedene, nicht unbedeutende Spendungen." — R. Jesaja führte mit Liebe und Treue seine Geilieinde zur Gottesfllrcht unb zum Studium der Lehre. Von seinen Einrichtlliigen für die Chewra-Kadischa giebt eine besondere Schrift derselben manche Einzelheiten. Er genoß Verehrung rmd Hochachtung in allen Kreisen, allch in denen, die itt religiöser Beziehung 6*