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Central-Verein-Zeitung · 1933-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1933) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1933
Issue
Heft 1-2 (Januar 1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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«rein M»natsauss«be Blätter für ventfrktum v«v Judentum. Hryav öes tenlratVereins öeutfkde LtaatsdüryerMöiftden blaubens «v. Allgemeine Zeifung desDudentums um Neunkirchen ist eine eigentümliche Erscheinung Mnserer Zeit, daß Ereignisse immer ge- Kpaltig sein müssen, wenn sie die Welt Mnd alle Herzen bewegen sollen. Das Milt von Freude und Schmerz, das ist g: Maßstab für die Bewertung jedes schehens. Der Einzelfall, die Hingraffung dilrch Not und Tod rührt Mur noch an die äußeren Sinne, ein Wroßes Unglück aber läßt die getreu n- Kn Menschenscharen wieder inne wer- Äen, daß unser irdischer Ursprung gemeinsam ist, daß wir Brüder sind. M Wenn einer in der Sekunde hin- Weggenommen wird oder die Zeitung Men Heimgang eines Bekannten meldet, Mann reicht das bedauernde Ach nicht Weit, und die Teilnahme ebbt schnell Ww und klingt bald kaum noch nach. MVarum das alles so geworden ist und Miele in Gefühllosigkeit erstarren, werde Wer nicht ausgesprochen, aber im ge- Wnemsam großen Kummer um Neun- Wichen darf man doch bekunden: Es Wst wohltuend, es ist Hoffnung gebend, Maß ein im Mitempfinden um die un- Wchuldigen Friedensopfer von Neun- Wrchen ungeteiües Deutschland und die Wanze Welt sich in Ehrfurcht an den Mähren der teuren Toten, der aus dem Meben Gerissenen von Neunkirchen verijeigt. H- Wir wissen nicht, ob sich unter den rten dort auch Juden befinden. Der Mvd fragt nicht nach Bekenntnis und ^Htamm, und wir beklagen jeden, der AUS DEM INHALT: $££Qerirnd' Bäum er: „Asphaltliberaist Ussaüer: „Grenzdeutsche* Seite 5 es Geistes ......... Seite 6 fessor Friedrich Hertz (Halle) : ies zur Rassenfrage .... Seite 8 li‘. c. Friedrich von Oppeln- ^öniko^vski: Gobineau .... Hartmann & Richard Wag- Seite 9 Seite 10 ^pjjjbr* Stellung zum Judentum . J|lfcoftessor D. Windfuhr (Hama>j*rg1) : *jVie steht die evangelische rirche zu den Juden . . Seite 11 dort zu Grabe gehen mußte, wie einen Verwandten und Freund. Unschuldiges Sterben ist uns Israeliten geschichtlich und gegenwärtig nicht fremd, und wenn sich die Frage wirklich nochmals evheben sollte, welche Gemeinschaft im Lauf und Wandel der Zeiten auf diesem Wege schwerste Opfer gebracht hat, dann klingt das Trauerlied der Juden und der deutschen Juden ergreifend und schwer. Wir alle leisten ungewohnt in harter Verkümmerung unseres wirtschaftlichen Ringens, mit den anderen wetteifernd, Beistand und Hilfe und wissen, daß jeder unserer Freunde, daß auch unsere Arbeitslosen, selbst die leidenden Greise und schon unsere Kinder spenden und geben werden. Das Helfen ist die jüdische Tradition, und selbst unsere politischen Gegner haben noch nie abgestritten, daß der Israelit aus vollem Herzen und in Demut die Wohltätigkeit übt. Geben macht nicht ärmer und führt diejenigen zusammen, die sich in Ver- - kennung anderen Wertes und im Unmut des Geschickes noch nicht verstehen. Möchten die teuren Toten von Neunkirchen nicht ungesegnet vermißt werden. Keime und sprieße als Frucht dieses Leides ein alle adelndes und verklärendes Bewußtsein vom Wert jeder Menschenseele und von der Aufgabe des wahrhaft Gottesfürchtigen, die rätselhaften Prüfungen der Vorsehung zu ertragen, aber dem irdischen Leid vorzubeugen, solange es noch Zeit ist. Die Stummgewordenen rufen uns das Wort unserer Heiligen Schrift entgegen : „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" (3. Buch Mose, Kap. 19, Vers 18.) Dieses Wort aus der Lehre des Judentums hat schon vielfach die Welt beeinflußt: es wird wieder Zeit, daß es aufs neue verstanden und beherzigt werde. Schlaft wohl, ihr edlen .Dcchinaegangenen, habt Dank, mitfühlende Menschen! Dr. Martin Jmlexnonski. /vf^U Maffentvahn (Sin Kapitel menschlicher ilnzulänglichkeit Eines der merkwürdigsten Probleme der menschlichen Seele ist das. der massenseelischen Irrungen, des sogenannten Massenwahnes. Die Psychologie hat sich erst in letzter Zeit eingehender mit dieser Erscheinung besaßt und es m seinen Kernzügen wohl auch geklärt. An Anschauungsmaterial hierzu fehlte es chr in den Kriegs- und Nachkriegsjahren ja keineswegs. Was ist Massenwahn? Man ist in Laienkreisen geneigt, die Erscheimmg des Massenwahns zu unterschätzen; man betrachtet ihn als eine Angelegenheit einer in ihrem Durchschnitt geistig unterentwickelten, unkritischen und minder urteilsfähigen „Masse" uiw glaubt, daß er sich nur bei Zusammenballungen von Menschen entwickle. Diese Auffassung ist irrig und oberflächlich. Der Massenwahn ergreift auch von geistig hochstehenden Einzclmeuschen Besitz und bedarf, um zu entstehen, keineswegs der Massen ansammlung von Menschen. Ilm die Erscheimmg des Massenwahnes ganz zu verstehen und sein auch den geistig entwickeltsten Menschen außerordentlich gefährdendes Wesen zn erfassen, vergegenwärtige man sich zweckmäßigerweise zunächst einmal die mar ka n testen Ma sseuwa h «erschein uh gen. Die älteste, uns in zuverlässigen Einzelheiten überlieferte Massenwahner scheinnng ist die der mittelalterlichen Hex e n - u n d Keherverfo lgungen. Wir Menschen von heute, stolz auf den geistigen Abstand der uns von jener Zeit trennt, sind gern''bereit, Hexenverfolgung und Inquisition damit zu erklären, daß wir die Menschen, die solch schreckliche und sinnwidrige Dinge ausfüyren und erlitten, als nach Geistesart und Wissen sehr von uns unterschieden bezeichnen und Aberglauben als Hauptursnche in Nechlmng stellen. Wir vergessen aber dabei, daß die eigentlichen massenhaften Hexenverfolgungen, die das Mittelalter noch gar nicht kannte, erst zn einer Zeit erfolgten, die gekennzeichnet ist durch die großen Entdeckungen und Erfindungen (Amerika, Buchdruckerkunst, Mikroskop, Teleskop), durch die Begriffe Humanismus, Renaissance und Reformation, und daß noch Hexen nach richtigem Gerichtsverfahren verurteilt und hingerichtet wurden, als Lessing und Kant wirkten und Goethe an seinem „Faust" schrieb. Und wir vergessen auch, daß der Aberglaube so alt ist wie die Menschheit, daß er in anderen Zeiten ebenso stark, wenn nicht stärker grassierte, ohne daß er zu solchen Katastrophen geführt hätte. Auch Macht und Einfluß der damaligen Geistlichkeit darf nicht als Ursache angeführt werden, denn auch die Bekä m p - s e r des Hexenwahns waren Geistliche, die damals einfach den Typus des Geistigen darstellten. Aber schließlich brauchen wir gar nicht so weit in die Geschichte znrückzugrerfen, um Anschauungsmaterml für das Thema „Massenwahn" zu holen, wir besitzen ja die beiden Erscheinungen „Deutschenhaß" und „Judenhaß",

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