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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-01 · Heft 12 (Dezember 1932) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 12 (Dezember 1932)
Date
1932-12-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Bürgetlmtt ihren ntchtsüdischen Genossen an allem Schönen und Groben teil nehmen durften, so verdauten wir es diesem stillenreligiösen Heldentum. Und heute? Tragen wir nicht schwer an unserem Schickml? Leiden wir nicht durch Hatz und Benennung? Müssen wrr nicht einen groben Teil unserer Kraft daran wenden um Amchläge auf umere Existenz, unsere Ehre abzuwehren? Und wo anders sollen wir neue Kraft schöpfen, als aus dem Glauben an das Gute im Menschen, das doch endlich siegen wird? Wrr kämmen trotz aller trüben Zeiten der Gegenwart für Wahrheit und Gerechtigkeit. und wir nutzen damit nicht nur der jüdischen, sondern auch der menschlichen Gemeinschaft. Wir kämpfen für die Erhaltung des Judentums, weil wrr glauben, datz es der Menschheit noch viel zu geben hat. sind aber stets bereit, mrt der deutschen und mit der menschlichen Gemeinschaft für Fortschritt und Sittlichkeit. für Wahrheit und Gerechtigkeit mit aller Kraft einzutreten. Das ist eine jüdische und im besten Srnne moderne Aufgabe, die uns von der Geschichte und der Zeit diktiert wird. Man hat Chanukka das Fe st des Lichtes genannt. Mit Recht, denn nicht das Schwert, sondern das Licht hat den Makkabäerkrreg geführt, und das Licht hat über die Finsternis gesiegt. Tie Freude am Lichte, das Smnool geistiger Hoheit, war der Judenheu stets Kraft und Stütze. Und wir haben unser Licht nie enaherug anderen vorenthalten, wrr haben es freudigen Herzens hergegeben für alle, die üch nach Kultur und Fortschritt lehnen. Möge dieses Licht auch unserer Zeit leuchten, daß die Menschen endlich erkennen, daß es ihr Beruf ist, namentlich in io schwerer Lage, einander zu verstehen und zu fördern. Die Menschheit kann nur durch Menschlichkeit gerettet werden. Irieörich Meinecke Zum siebzigsten Geburtstag des großen Historikers In Friedrich Memecke dessen siebzigster Geburtstag kürzlich von der deutschen Oefsentlichkeit gefeiert wurde oereyn die Geichichrswisiemchait einen ihrer größten Meister.. Sein Denken ist von -sittlicher VerantwortungiWgOmiHer Volk und Menschheit getragen. Obwohl er mit vollem Herzen der von den Vätern ererbten deutschen Kultur zugetan ist, har er sich dennoch zu der Macht des politischen und gesellschaftlichen Fortschritts freudig bekannt. Ursprünglich konservativ empfindend, ward er zu einem überzeugten Anhänger des deutschen demokratischen Staatsgedänkens. In fernen Hauptwerken spricht er als Hüter der sittlichen Verfassung der Nation. Allem Radikalismus abhold, hat er die Hitler- Bewegung entschieden abgelehnt. Eindringlich warnt er die Deutschen vor einer Ueberschätzurig der reinen Machtmoral. In seiner „Idee der Staatsräson" schreibt er: jedenfalls aber liegt es auch rm eigensten Jntereste des Staates dem. Rechte, das er gibt, selber zu gehorchen und Die bürgerliche Moralität iw Innern durch sein eigenes Beispiel Au pflegen Sitte Rech; und Mach; können io tm Innern des Staates harmonisch für einander ärgsten." Meinecteö Weltanschauung ist an der Humanrlütside? des deutschen Idealismus orientiert. Erhaben über iedeS Vorurteil, begegnet er den tüdiichen ' Volksgenossen stets gerecht, unvoreingenommen und wohlwollend In seinen Werken hat er dem Genius Spinozas ehrfürchtig'., gehuldigt, und namentlich Friedrich Julms Stahh den Schöpfer der konservativen Staatslehre m semer Bedeutung Umrissen? Sein wissenschaftliches Jnreresie an der Judenfrage hat er dadurch bekundet daß er eine wichtige Untersuchung von Rosa Tukas über die Motive d e r yx euhltchen Judenemanzipation veranlaßte. Manche seiner Schüler, die heute im akademischen Lehramt wirken .sind ursprünglich südlicher Abtunit. Bon jüdischen Zeitgenossen ist ihm besonders Franz Rosenzweig, der bedeutende Philosoph und Ueber. ietzer, nahegetreten. Rosenzivergs grunDUwttöeS Werk über Hegel und den Staat ist Mernes m dankbarer Verehrung gewidmet und hat eus die Forschung des Lehrers befruchtet : Beanntlich siechte Rosenzwerg an ernem qualvollen? Nervenleiden dahin, unvergeßlich bleibt m:t Dte\ tief menschliche Besorgnis und Anteilnahme, mit der Meinecke — während ernes persönlichen Gesprächs — jenes traurigen Schicksals gedachte. Dem groben Historiker unseren herzlichen'. Glückwunsch darzubringen, ist uns deutschen Juden erne uns ehrende Pflicht. vr. Fritz Friedlaender. Dompteur Mtenthal / Von Julius Erlanger (Frankfurt a. Main). Nachdruck verboten — auch auszugsweise. Wenn allabendlich in dem hell erleuchteten Zirkus Krone die Nummer der wilden Löwen unter dem groben Beifall des_ anwesenden Publikums vorgeführt wurde und der Dompteur nach Beendigung seiner Nummer die Arena verließ, hat wohl unter den vielen, vielen Tausenden von Besuchern niemand daran gedacht, dab der ruhige, ernste und zielbewutzte Dompteur, der den vielen Beifall geerntet hat, ein Mann jüdischen Glaubens ist. Die Löwen werden von dem Israeliten Siegfried L i ch t e n t h a l in Freiheit dressiert vorgeführt. Als ich zum ersten Male auf den Litsassäuten, in den Zeitungen und auf dem Programm die Ankündigung sah. fiel mir auf. daß dabei überall erwähnt wurde, daß der Dresseur der Israelit Siegfried Lichtenthal sei. Ich suchte Herrn Lichtenthal auf und fragte ihn. weshalb er diesen Zusatz zu seinem Namen mache Er sagte mir. er habe die Direktion des Zirkus gebeten, seine Religion besonders hervorzuheben, um dadurch ein für allemal hier den Glauben zu Zerstreuen, als ob den Israeliten Mut und Eignung für einen derartigen gefährlichen Beruf fehle. Es dürfte interessieren Zu hören, wie Lichtenthal zu diesem Beruf gekommen ist. Als Sohn eines jüdischen Groß-Fleischermeisters entstammt er einer Ehe. der fünf Jungens unö Zwei Mädchen entsprungen sind. Der Vater hielt stets Haustiere verschiedener Art. wie Pferde usw., und Siegfried hatte von Jugend auf große Vorliebe für alle Tiere. Er erlernte, nachdem er die Schule verlassen hatte, das Fleischerhandwerk und mußte in seinem Beruf, dem er mit Freude und Sorgfalt oblag, sehr schwer arbeiten. Die wenige freie Zeit, die ihm nach Erledigung seiner beruflichen Tätigkeit zur Verfügung stand, benutzte er zum Lesen, unD. angeregt durch Bücher über Reisebeschreibungen und Abenteuer bekam er Lust, selbst Abenteuer zu erleben und die weite Welt zu sehen. Am 1. Oktober 1897 verließ er, 17 Jahre alt. das Elternhaus und begab sich nach Hamburg, um sein Vorhaben, die Welt zu bereisen, auszuführen. Nachdem das Reisegeld, was er vom Elternhaus mit auf den Weg bekam, so ziemlich aufgebraucht war. ließ er sich für ern Schiff das nach Indien rn See gehen sollte, um. für einen dortigen Tierpark wilde Tiere einzuholen. anmustern. Kurz bevor dos Schiff die Ausreise nach Indien antreten sollte wurde ihm der Bescheid daß man diesmal keine Verwendung hierbei für ihn hätte Der betreffende Unternehmer sedoch der aus dem ganzen Gespräch mit Siegfried entnommen hatte, daß er große Liebe für wilde Tiere empfand, schlug ihm vor Dompteur zu werden. Siegfried willigte begeistert ern. Nun kam er m den großen Tierpark. Seine erste Arbeit bestand darin daß er bei demSMsHten der Pferde beschäftigt wurde unt^^ FKW^üeser Tiere als Futter für die^r^wklisken/W^n Tiere Herrichten mußte./Saourch'Mm eAKtzstgesetzt mit den wilden Als kurze Zeit darauf ein Import sechs milder Löwen im Tierpark ankam und sich verschiedene Bewerber, die sich als Dompteure ausbilden wollten, für die Dressur dieser Löwen durchaus nicht eigneten, fragte ihn der Direktor, ob er Mut genug hätte, das Dressieren dieser Tiere selbst vorzunehmen. Es sei allerdings noch niemand bisher bei diesen wilden Löwen im Käfig gewesen, die bisher zur Zähmung dieser Tiere ausgebildeten Leute hätten versagt, da die Tiere in dem Augenblick, in dem jemand in den Käfig hineinzugehen wagte, vorgesprungen seien. Siegfried faßte Mut und ging, in den Vorkäfig, trotzdem im gleichen Augenblick sämtliche Löwen am Gitter hochsprangen und ihre Wildheit zeigten. Nur mit einer Peitsche und .mit einem starken Holzknüppel bewaffnet, öffnete Siegfried die Verbindungstüre und stand plötzlich zwischen den Löwen. Im gleichen Augenblick sprangen die Löwen auf Siegfried zu, rissen ihm einen.. Teil seiner Kleider vom Leibe und einer der . Löwen biß ihm trt die Hand, so daß der Biß von damals bis zum heutigen Tage auf seiner Hand noch nicht vollständig vernarbt ist. Jetzt ging der. Dompteur auf die Löwen los und ruhte nicht eher, bis er diese sechs Löwen in einer Ecke zusammengetrieben hatte. Nachdem er dieses Kunststück ausgesührt, entfernte er sich langsam aus dem Käfig, die Löwen immer scharf im Auge behaltend. Tag für Tag betrat nun Siegfried den Löwenküfig, bis er so wert war, daß die Tiere sich an ihn gewöhnt hatten und er sie vollends in seiner Gewalt hatte, Tann erst sing die Dressur an, und es dauerte ern Jahr zielbewußten Arbeitend unendlicher Liebe und Geduld, bis diese sechs Löwen ihrem : Meister folgten und die öffentliche Schaustellung beginnen konnte. Doch Siegfried strebte, größeren Erfolgen zu. .? Aus den ursprünglich vorgeführten sechs? Löwen würde bald eine Gruppe von vierzehis? Löwen, und er hat es verstanden, sich diese vier zehn wilde Tiere untertan zu machen. Lichtest':? thal hat sich außerdem noch der Dressur anderer? wilden Tiere gewidmet. Er hat Elefanten und? Eisbären vorgeführt und auch nnt Tigern und? Leoparden erfolgreich gearbeitet. Im Jahre? 1926 konnte Lichtenthal sein 25jähriges .JübiZ läum als Dompteur und gleichzeitig .serW 20jährige ununterbrochene Zugehörigkeit? DH Zirkus Krone feiern. Nun ist er 50 Jahre alt; und nachdem er?dM In- und Ausland in ZZjühriger NeisetätsgMH kennengelernt har, hat er sich auf WunsMM Direktion von seiner aktiven TätigkeitHW Dompteur zurückgezogen, um einen. andM verantwortungsvollen Posten , im Zirkus.MM anzunehmen. ' Bering: Lentralverem deutscher Staalsbarg-KÄ^WMZ Glaubens e. B.. Berlin W 15. Emjer Str^MHWM Abc : Eentraiglauben Berlin" Bnsttrtiect Hauplschriftleiter: i. B. Dr. Alfred UMMW Bera> lwor«i,ch: Dr. M a c o a r e I C Beide Berlin W 15 - Druck: Rudolf Berlin SW 100.

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