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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-01 · Heft 12 (Dezember 1932) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 12 (Dezember 1932)
Date
1932-12-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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7* allen Parteien. Denn wir erblicken unsere PfliH darm. ledigtzch für die Jitteressen des Landes zu wirken, dem anzngehören wrr stolz sind. Unter uns gibt es Konservative und Liberale, Sozialisten und Kommunisten. Im stolzen England gab es einen Beaconsfield gibt es heute Männer wie N e a d i n g und S a m u e l. In Ihrer ganzen SchmähschrLsl vom Antisemitismus der Nationalsozialisten, in der Sie Zeile um Zeile den Juden ihre Schlechtigkeit in Politik, Handel, Journalismus vorgeworsen haben, haben Sie vergessen, auch nur einen jüdischen Namen zu nennen, um Ihre Behauptungen zu beweisen. Ich fordere Sie auf, auch nur ein konkretes Beispiel zu nennen für Ihre verschwommenen Anklagen gegen die Juden, sie seien schädlich für die deutschen Interessen. Ich rvlll nicht Ihre politische Überzeugung einer Kritik unterziehen, aber es ist offensichtlich. das; Ihre' Methoden nicht die des Anstandes, sondern die emer zügellosen Demagogie sind ..." * Herr Eastenuan hat viel Wahres und Schönes in seiner Antwort an Goebbels geschrieben; aus die groben Verleumdungen des Herrn Tr. Goebbels, der behauptet, die Juden seien die Drahtzieher, der Morde an Nationalsozialisten oder deckten diese Untaten durch die ihnen nahestehende Presse — rvobei er „jÜdische". „kommunistische" ilnd „liberale" Presse m einen Topf wrrit —, ist Herr Easterman nicht ausführlich emgegangeu. Mil Recht, denn die Unwahrhastigkcit solcher Behauptungen ist so offensichtlich, das; ihre Widerlegung nicht lohnt. Auch ist, trotz wiederholter öffentlicher Aufforderungen, von den Nationalsozialisten u och nicht i n e i n e m einzigen Falle der Beweis für diese verbrecherische, volkSverhctzende Behauptung erbracht worden — ja, noch nicht einmal der Versuch eines solchen Beweises wurde gemacht! Tie englische Öffentlichkeit hat für solche Hahsanfaren jedenfalls ebenfowemg Verständnis ime alle anständigen Deutschen. Und Herr Dr. Goebbels hätte sich und Deutschland diese Riesenblamage ersparen können. wenn er sich vorher über die nüchtern-sachliche geistige Haltung der Engländer und ihre Meinung über den Antisemitismus besser unterrichtet hätte. Aus dem Buch des kenntnisreichen Hermann K a n t o r o w i c z „Der Geist der englischen Politik" hätte er lernen können: „Es trägt m den Augen des ritterlichen englischen Sportvolkes nicht zum Ansehen des kontmentalen Europa bei, daß dort so kleme Minderheiten gefürchtet und von so großen Mehrheiten verfolgt werden. Am nnverstänOlichsten erscheint der englischen Sachlichkeit die deutsche Abart des Rasseantisemitismus im biologischen Smne . A. L. (£6(1 tUtff(I / Don Kabius Schach Heldentum, psychologisch gesehen, bedeutet: die Ueberwindung aller äußeren und inneren Hindernisse, die Niederkämpfung aller egoistischen Triebe und rndividuellen Rücksichten, die Stellung der ganzen Persönlichkeit in den Dienst einer Idee, die Opferung des Lebens für erne Sache, die man als groß und gut erkannt hat. Im Willen und nicht erst in der Tat ruht das Heldentum. Ja, der Wille ist es, der die Tat heiligt, die Absicht ist es, die den Menschen seelisch groß macht. Die Ausführung das Gelingen hängt nicht von ihm allein ab. Ein Wille ohne Tat kann tragisch, aber groß sein, eine Tat ohne Willen bedeutet sittlich sehr wenig. Ein Draufgängertum ist kein Heldentum, ja ist innerlich das Gegenteil vom Heldentum. Beim Heldentum ist der Kampf Mittel, das Ziel ist die Verwirklichung eines hohen Ideals. Beim Draufgängertum ist das Kämpfen, die Freude an der Vernichtung, das Austoben wilder Leidenschaften Selbstzweck. So aufgefaßt, ist das Heldentum ein Gut aller menschlich strebenden Nationen, aller Kulturvölker. Alle Theorien, die die Menschheit in Herrenmenschen und Untermenschen unterscheiden, tapfere und feige Völker klassifizieren, zeigen nur, wie wenig der Begriff Menschlichkeit verstanden wird und wie sehr die verwirrenden Rassentheorien uns von der ethischen Bahn ablenken. Ja, jedes Volk hat seine Helden. Das ist eine triviale Wahrheit, erlangt aber eine große psychologische Bedeutung, wenn man die Betonung auf das Wort „ s e i n e" legt. Tenn Der Held ist bei aller ausgeprägten Individualität Kristallisation der Volksidee, und er trägt die Merkmale seines Volkes an sich. 1 Es gibt - kein Kulturvolk ohne Helden, und rn den großen Momenten des Volkslebens erstehen ihm immer — die Geschichte zergt es ja — Männer großer Ideen und großer Taten. Tie Helden unterscheiden sich nur in der Idee, der sie dienen, und in der Art wie sie ihr Heldentum betätigen. Während das Heldentum der asiatischen Völker f a t a l i st i s ch, das der Griechen rein patriotisch, das der Römer — um modern zu sprechen — f a s ch i st i s ch ist, ist das Heldentum Alt- Israels rein religiös. Daher ist es fast immer naiv, voller Demut, und trägt häufig einen tragischen Zug. Ter jüdische Held ist naiv, seiner Tat sich gar nicht bewußt. er ist Bote einer höheren Macht. Er ist demütig, weil er von einer tiefen Religiosität getragen ist. Und er ist häufig tragisch, weil die Distanz zwischen Idee und Wirklichkeit um so größer wird, je gewaltiger das Wollen, je höher das Streben zielt. Schon bei Simson können wir das studieren. Er ist ein kindlich-naiver, gutmütiger Urmensch, fromm und schlicht. Er vollbringt seine Taten spielend, ohne sich Rechenschaft abzulegen. Groß wird er erst bei seinem tragischen Ende, wo er sich opfert, um ferne Feinde zu vernichten. Am klarsten aber finden wir das jüdische Heldentum bei den Makkabäern. Wer sind die Makkabäer? Schlichte Männer, aus edler Abstammung zwar, aber verarmt und vergessen. Tie Not des Volkes ruft sie aus der Dunkelheit hervor, und ihre gewaltige Religiosität schafft ihr Heldentum. Was sie empört, ist der an Wahnsinn grenzende Frevelmut der Feinde Gottes, was ihnen als Ziel vorschwebt, ist die Rettung der Religion, in der sie das Leben und die Zukunft ihrer Gemeinschaft erblicken. Sie opfern sich für Gott. Sie sind ein kleines Häuflein gegenüber einem mächtigen Feinde, aber was liegt daran? Lieber sterben für Gott als leben ohne Gott. Und in diesem Zeichen vollbringen sie unerhörte Heldentaten und siegen gegen den mächtigen Feind. Tie Makkabäer bilden so den Typus des religiösen aktiven Heldentums — des jüdischen Heldentums. Man hat in jüngster Zeit versucht, die Makkabäer zu nationalen Helden zu machen. Nun, Helden, die ihrer Gemeinschaft Hilfe in der Not bringen, sind immer nationale Helden. Modern gefaßt aber, als Träger' des nationalen Geistes, losgelöst von Religion, sind sie sicherlich iiicht. Ter alte Matathias, der ..Eiferer für den Herrn Zebbaoth", und seine Söhne keuueu nur das heilige Gesetz, und ein Judentum außerhalb oder oberhalb des Glaubens würden sie nicht begriffen haben. Wir hören aiis ihrem Munde und aus den Psalmen dieser Zeit nur Klagen über die Entweihung des Heiligtums, über die Schandung der Religion, und der Sieg wird gefeiert rm Tempel zu Jerusalem als religiöses Fest. Das Fest führt auch nicht den Namen der Makkabäer, sondern heißt Chanukka die Reinigung des Tempels von allem Heidnisch-Sinnlichen, die Neuweihe. d e r T r r u m p h G o t t e s. In den Gebeten des Festes werden die Hasntonäer. — das ist der eigentliche Name der Makkabäer —- nur nebenbei erwähnt. Das ist echt jüdisch. Die Person ist gar nichts, die Sache alles. Aller Sieg ist Gottessieg, der der Quell aller Größe ist. Die heilige Idee nur verleiht wahres Heldentum. Das Heldentum der Makkabäer ist ertt stilles, religiöses Heldentum, und dieses Heldentum ist später nach Vertust des jüdischen Staates, wo alles Jüdische den Weg der Verinnerlichung und Vertiefung nahm, zum jüd-ischeu Heldentum, geworden. Was die Juden in ihrer Langen Leidensgeschichte erhalten hat, was sie alles überwinden ließ, das war die starke, schlichte Religiosität, frei von aller Politik. Das Leben und Sterben für die Wahrheit wurde immer mehr zum ethischen Ziel ausgebildet, und das Martyrium wurde bestrahlt durch den Glauben an die Menschlichkeitsidee. Durch das Hoffen auf den Fortschritt, auf die Erlösung der Menschheit von Finsternis und Wahn, von Haß und Niedrigkeit. Und darin sind sie berspielgebend für die Menschheit geworden. Das Martyrium der Wahrheit ist das Höchste in der Ethik der Völker geworden. Und auch rm Ghetto lebte das jüdische Heldentum als stilles Heldentum. Die Erhaltung der Reinheit des Familienlebens mitten rm Sumpfe der Sinnlichkeit. die Öochhaltung des Ideals mitten im groben Materialismus. die Rettung des reinen Glaubens mitten in einer Welt voller Aberglauben und Fanatismus — ist das nicht etwas Grobes und Gewaltiges? Tie Väter, die sich durch die schwersten Schicksale durchrangen, um den Kindern eine bessere, freiere Zukunft zu schaffen, die Mütter.die - dem Hause poetischen ‘ Glanz gaben und vieles erduldeten, ohne ihren Berus, als Frauen llnd Mütter zrr vergessen -— das war stilles Heldentum. f Wenn,"dtzs,. Judentum im Kern gesund blieb und wenn Die spätere Generation als volle freie

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