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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-01 · Heft 12 (Dezember 1932) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 12 (Dezember 1932)
Date
1932-12-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Blätter für öeutfektum und Judentum. ' OrQao bes Cmtral-Vemns fentfd»» (Staatsbürger jübilchen ölaubens ev. Allgemeine Zeifung desOudenfums Dem inneren Frieden DeuWr ..und Süden Bon De. Sans Reichmann 1. Vor wenigen Jahren hat der Dichter . Jakob Wassermann seinen „Weg als Deutscher und Jude" geschildert. Sein Bekenntnis beschließt er mit einem Aufschrei, dessen Wucht und Bitterkeit jeden nachempsindenden Menschen erschüttern müßte. „Es ist vergeblich!" ruft er m die Zeit. Vergeblich, aus der Sprache des Dichters in die des Alltags übertragen, ist es, seine P'licht als jüdischer Deutscher zu tun, vergeblich, mehr als seine Pflicht zu tun, vergeblich, sich als Träger und Mehrer deutscher Kultur zu bewähren. Nichts hilft. Schließlich weisen d'.e nichtiüdischen Volksgenossen doch immer wieder mit dem Finger .auf den ringenden, nutkämpfenden, opfernden Juden: „Sie sagen: er ist ein Jude!" Und sie versagen ihm die selbstverständliche, menschliche Wertung und gleichachtende ^Anerkennung. ' Wie Wassermann empfinden in den Lagen gesteigerten Judenhasses Zehntausende jüdischer Deutscher. Gerade in den feinsten „wächst in der Erkenntnis der Aussichtslosigkeit der Bemühung die Bitterkeit in der Brust zum tödlichen Krampf". Dem deutschen Volke ist diese Seelenstimmung seiner jüdischen Volksgenossen 'Nicht bekannt. Es ahnt nichts von der Enttäuschung des jüdischen Kindes, das unbefangen m seinem Spielkameraden den treuen Gefährten sieht, bis ihm eines Tages hier ipöttisch. dort wütend das „Hepp-Hepp" Ader das modernere .Juda verrecke" ent- Megengellt. Es ahnt nichts von der Ver- MUerung der Alten, denen eine Welle des ^:s entgegenschlägt, obschon sie ihrem AUS DEM INHALT: die Staatsautorität. . Seite 75 ftapel über Düsterberg . Seite 77 loebbels* Sturm auf England und fdie gerechte Abfuhr. . Seite 78 |hanukka. Von Fabius Schach Seite 79 L. H. Line neue Notverordnung ist unterzeichnet worden. Sie dient der ..Erhaltung des inneren Friedens". Damit schlägt die Reichsregierung eine Bahn ein. die von allen denen, die eine ruhige Entwicklung Deutschlands ersehnen, nur begrüßt werden kann. Die Tageszeitungen haben den Inhalt der Verordnung im einzelnen gebracht. Was unsererseits geschehen kann, um den inneren Frieden in jeder Weise und auf jedem Gebiete neu zu begründen und durchzuführen, wird in unverminderter Weise weiter geleistet werden. Uns beseelt das Bestreben, die Wahrheit durchzusetzen und auf religiösem. politischem und wirtschaftlichem Gebiete gegen jede Verhetzung in vornehmer und durchaus nachdrücklicher Weise aufzutreten. Eine solche Arbeit wird auch in Zukunft Leitstern für unsere Taten sein. So sollen die kommenden Feiertage nicht nur Tage des Gedenkens und der Erhebung, sondern auch Tage der inneren Stärkung und der Bereitschaft sein. deutschen Vaterland immer die Treue gehalten haben. II; Wir sprechen nicht von den gewerbsmäßigen Demagogen. Ihnen ist die Last gleichgültig, die um ihres Gewerbes oder bestenfalls um der Durchsetzung politischer Absichten ivillen bewußt auf die Juden häufen. Aber ihre Zahl ist, wir wissen es. klein. Auf die Millionen der anderen, der Antisemiten wie der Gleichgültigen, kommt es an. Lassen sie uns Gerechtigkeit werden? Tie primitiven Antisemiten kennen wir. Sie meinen, die deutschen Juden seien etwa im Jahre 1914 in Scharen nach Deiitschland gekommen: eine fremde Rasse, ein fremdes Volk, irgendwo in Galizien, Polen oder sonst im Osten beheimatet. Wir nehmen m der Auseinandersetzung, die es heute gilt, diese Einschätzung ungebildeter, vielleicht auch unbelehrbarer Ungeister in Kauf. Wir rechten heute auch Nicht Mit jenem politischen Judenhaß, der. durch ein schlecht begründetes Parteiprogramm „bewiesen", die Tatsachen nicht sehen will und uns als „fremdrassige Parasiten" bekämpft. Nach der kindlichen Einschätzung dieser blmden Hasser ist die „Judensrage der Schlüssel zur Weltgeschichte" und nicht anders zu lösen als durch Entrechtung der deutschen Juden. Zwar: auch diese Unbelehrbaren wissen sehr wohl, daß Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte und Kulturentwicklung die deutschen Juden mit dem deutschen Volk verbinden. Sie wissen wohl auch, daß ihre Vorstellungen vom Volkstum, das sich auf reinrassige Blutgenossenschaft gründen soll, unwissenschaftliche Utopien sind. Wohl haben sie sich noch nicht bemüht feftzustellen, was denn eigentlich „deutsches Blut" sei. Trotzdem fordern sie im 8 4 des nationalsozialistischen Parteiprogramms: „Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein." Ihnen verschlägt es nichts, daß sie sich heute den Ritualmord, morgen die „Weisen von Zion" und schließlich die Sklareks als Stütze ihres morschen Gedankengebäudes herbeiholen müssen. Sie sind und bleiben Judenhasser: aus Freude am Haß und aus Denkfaulheit. Mit den e r n st e r e n antisemit i s ch e n T h e o r e t i k e r n die eme Spur wissenschaftlicher Verantwortung fühlen und sich um eine geistige Betrachtung der Judenfrage bemühen haben wir oft gestritten. Wir kämpften mit Argumenten, die objektiver, wissenschaftlicher Prüfung entstammen und ihr standhalten, gegen Günthers Lehre von der „Europafremdheit" der Juden, gegen Stapels Theorie vom „alten Volk der Juden", das mit seinen internationalen Querverbindungen die Entwicklung der jungen, werdenden deutschen Nation stören soll, gegen Blühers Forderung der „Leeessio Judaiea". Wir fürchten diese „gelernten Antisemiten" nicht. Ihre Theorien sind gewaltsam und verstiegen, und weil sie keine echten Probleme bieten/schart sich bisher nur eine klerne Sektierergemeinde um die Prediger des „wissenschaftlichen Antisemitismus".

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