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Central-Verein-Zeitung · 1932-10-01 · Heft 10 (Oktober 1932) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 10 (Oktober 1932)
Date
1932-10-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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SS ein großer Glaube an die Substanz des deutschen Volkes dazu, Wort und Haupt zu erheben gegen die Nassenzwietracht im deutschen Volk, gegen den Rassenwahnsinn und gegen die Rassenmystik. Wir warten mit Bangen und Hoffen auf den neuen Kleist und seinen Ruf: „Der deutschen Nassenzwietracht mitten ins Herz!" Oer preußische Kultusminister a. O. Or. O. Beelitz Leider ist es mir infolge starker Inanspruchnahme gegenwärtig nicht möglich, mich in längeren grundsätzlichen Ausführungen zu dem mir mitgeteilten Schulerlaß des anhaltischen Staatsministeriums, Abteilung Volksbildung, zu äußern; auch kann ich aus dem Wortlaut des Erlasses zu wenig erkennen, in welcher Weise der vom anhaltischen Staatsministerium vertretene Gedanke der Pflege von Rasse und Art in der Bildungsarbeit der Schule Ausdruck finden sott. So wenig ich nun auch geneigt bin, die Bande des Bluts und der erbeigentümlichen Art im Leben eines Volkes zu unterschätzen, und so wenig ich mich etwa dazu verstehen könnte, der Rassemischung als Prinzip das Wort zu reden, so sehr lehne ich — entgegen mancher heute wieder vertretenen Raffetheorie — die m a t e r i a l i st i s ch e U e b e r - wertungderrassischenundphysiologischen Elemente in Gesicht und Wesen einer Nation ab. Eine Orientierung der Bildungsarbeit von rassischen oder intellektuell rekonstruierten rassischen Voraussetzungen und Grundsätzen aus erscheint mir unmöglich und einer geistigen und religiösen Auffassung deS Nationalen und der in ihm wirksamen Kräfte, die mit denen der Rasse nicht identifiziert werden können, nicht gemäß. Die Fragen der Erhaltung volkeigener Art und der Bewahrung eines Volkes vor Einflüssen, die das nationale Leben nicht zu befruchten, sondern nur zu schwächen vermögen, werden davon freilich nicht berührt. Es sind dies aber Fragen, die nach meiner Anschauung mit dein Geltendmachen rassischer Gesichtspunkte nieder erkannt noch gelöst, sondern allein von einem geistigen Begreifen der Geschichte und der Wesensentwicklung eines Volkes in ihrer ganzen Tragweite ersaßt werden. Ich hoffe, daß Sie aus diesen Andeutungen meine Stellungnahme erkennen; gegen die un» gekürzte Wiedergabe des Wortlauts meines Brieses würde ich nichts einzuwenden haben. Die kulkurpolilikerin Dr. Marie Elisabeth Luders „Der völkische Gedanke verlangt die Pflege aller deutschen Kulturgüter, erzieht zu deutscher Gesinnung und Gesittung und erweckt in unserem Volke einen mit ihm schicksalhaft verbundenen heldischen Geist." „Das Ziel des völkischen Gedankens ist die Sammlung und Einigung aller deutschen Volksgenossen, die innerhalb und außerhalb der Reichsgrenzen leben." Wir können nicht sehen, in welcher Beziehung diese Forderungen von denen anderer Parteien für die Erziehung der deutschen Jugend abweichen, sofern diese nicht, wie z. B. die Kommunisten — im Gegensatz zu den Nationalsozialisten —, auch ihre Erziehungsgrundsätze in einen logischen Zusammenhang mit ihrer ganzen politisch negativen Auffassung bringen. — Die Pflege deutscher Kulturgüter, die Erziehung zu deutscher Gesinnung und Gesittung, die Sammlung aller deutschen Volksgenossen in ihrer kulturellen Beziehung zum deutschen Volke sind Selbstverständlichkeiten, die — wie nt allen anderen Nationen für ihr Volk — so auch in Deutschland die Erziehung der deutschen Jugend maßgeblich leiten. Auch die Pflege „heldischen Geistes" — man möchte etwas bescheidener sagen —: die Pflege der Ritterlichkeit, des moralischen Mutes und des Opfersinns für das Ganze ist selbstverständlicher Bestandteil jeder verantwortungsbewußten Erziehung. In alledem kann der neue Erlaß des anhaltischen S t a a t s m i n i st e r i u m S, Abteilung Volksbildung, vom 2. September d. I., der Richtlinien für die Schulerziehung an die Direktionen aller Schulgattungen gibt, keinerlei Anspruch aus irgendwelche Originalität echeben als Anleitung für „die heilige göttliche Berufung des Lehrerstandes" (den allerdings der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete M u t s ch m a n n als den „organisierten Müßiggang" bezeichnet), „dem siechen Volkskörper vorerst die gesunde Seele zu. geben, indem er blütensprossendes Wesen in Kinderherzen pflanzt". (Schneider, Plauen, in der „Nationalsozialistischen Lehrerzeitung".) Die Erfüllung dieser Ausgabe sieht der Erlaß in der „Verbreitung und Vertiefung des völkischen Gedankens", nach dem der „deutsche Mensch in feinem Wesen von seinem Blut, d. h. von den Erbanlagen, die ihm von seinen Ahnen überkommen sind, bestimmt wird", und aus dem sich die „Notwendigkeit ergibt, dieses gemeinsame Blut rein zu erhalten, das Gefühl der Nassenzugehörigkeit lebendig zu machen, das Leben nach erbgesundheitlichen Gesetzen zu gestalten, damit nicht das germanische Erbgut durch fremdrassige Blutvermischung verdorben wird". Bon den Ereigniffen der Jahre 375 bis 843, in denen sämtliche germanischen Stämme, wie Ost- und Westgoten, Bandalen-Sneven und Burgunder, Alemannen, beide Franken, Sachsen, Thüringer, Langobarden und Friesen, mit den mongolischen Hunnen, mit Galliern, Spaniern, Römern, Avaren, Arabern usw. durcheinander gewirbelt wurden und in sämtlichen Himmelsrichtungen hin und her fluteten, scheint den Aposteln des Blutes und der Rassenzugehörigkeit so wenig bekannt zu sein, daß sie auf dem besten Wege sind, den größten Teil des deutschen Volkes, dessen unterscheidendes Merkmal bei dem endlichen Beginn einer Konsolidierung der germanischen und der romanischen Bevölkerung nicht die Rasse, sondern die Sprache war (die römische Gelehrtensprache und die volkstümliche deutsche Sprache), aus der deutschen Volksgemeinschaft auszuschließen. Den wahren Sinn des Schulerlasses macht ein Kommentar des „A n g r i f s" vom 29. September d. I. klar. Darin heißt es, „der deutsche Schulmeister hat den Weltkrieg verloren", wodurch „treffend klargelegt ist, daß die deutsche Schule der Vorkriegszeit ihren völkischen Aufgaben nicht gerecht geworden ist", weil „sie in ihrer Ichsucht den Blick und das Verständnis für das Volksganze vermissen ließ", denn „mit der Börsenrevolte von 1931 glitt die Erziehung der deutschen Jugend immer mehr in das Fahrwasser des jüdisch-marxistischen Internationalismus hinein". „Gegen die hiermit entsetzende Auslösung der volkserhaltenden Kräfte, gegen die internationale Verjudung und Verluntpung unseres Volkes lehnen sich unter der zielbewußten Führung yldolf Hitlers die gesmU denen Volksteile auf im Ringen um , idealistische Weltanschauung, die EdleEH als nur die Befriedigung materieller'HM nisse." Es bleibt zwar dunkel, wie derM schullehrer vor dem Weltkriege und vW „Börsenrevolte" int Völkischen und RälioM derart versagen konnte, daß er gleich den ganM „Weltkrieg verlor". Aber wir möchten uns m an die Erziehung zu „idealistischer Weltanschäj ung", zu „einer Erziehung, die sauber und-W richtig ist" (ttsadel), die zu sittlicher Welt-^ Lebensauffassung, znm ethischen Idealismus religiöser Gesinmmg und Tat führt" (Scherns halten, weil sie uns selber am Herzen liegt. Beginnen wir beim ü h r i st e n t u m. Voj ihm heißt es in der „Deutschen Wochen;«, schau": „Anbetung des Stoffes und Verkau des Geistes das ist das Christentum." Ode; der Studenteusührer von S ch i r a ch rühm! sich in der „Nationalsozialistischer S ch ü l e r z e i t u n g": „In eure Kirchen bin itt nie gegangen, — ich hob noch nie wie ihr rnll Bangen — zum Beten meine Hände." In der uatioualsozialistischeu Studentettzeitung „Die B e w e g u n g" wird zwischen der christlichen Ethik und der Parteiethik ein scharfer Strich gezogen, weil jene „das Gute um des Guten Witten nicht kennt", und „weil der christliche >3 Gottesbegriff für uns ganz umnöglich ist". Uni \ schließlich kursiert ein mmes „Vater Unser" mij - den Worten: „Adolf Hitler, Tn bist unser Füh rer — Dein Name mache die Feinde erzittern — Dein Drittes Reich komme — Dein Wille sei r allein Gesetz ans Erden — Laß uns tüglitt jj Deine Stimme hören — und befehle uns durch ' Deine Führer, denen wir gehorchen wollen unter Einsatz unseres eigenen Lebens — Daß > geloben nur — Heil, Hitler! ..." > Der Orient und Nom, keine fremde Nash j( konnte einen knechtischeren Personenkult erden j fcn, als er sich in dieser erschreckenden BlaA \ phemie als Ausdruck der Erziehung zu „religio h ser Gesinnung und Tat" und zu „heldischen 1 Geist" kund tut. J Die Erziehung zu „deutscher Gesinnung un! o Gesittung", zu „schicksalhafter Verbundenheit" i „zu Samnttung und Einigung aller deutscher J Volksgenossen" faßt Gregor Straffer ir einem klaren Programm zusammen mit der r Worten: „Und wenn wir bis an die Knöchel in » Blut stehen müssen um Deutschlands (!) willen i so wie wir es haben wollen." llnb noch bru j taler kennzeichnet der Lehrer Müller ü | Neustadt bei Koburg „die heilige göttliche Be rufuug, dem siechen Volkskörper vorerst dl gesunde Seele zu geben", mit den Worten i „Wenn wir Nationalsozialisten zur Macht g>! langen, werden wir jeden, der sich uns entgegen stellt, erschießen. Wir werden dabei —- da Kind — in der — Wiege — nicht — schönem j Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. — scheint das „deutsche Blut" derart verdorbtt jeder Rest „deutscher Gesinnung und Gesittung so vollkommen ausgerottet zu sein, jede volkliH Schicksalsgemeinschast so gewissenlos auseinai dergerissen zu werden, daß über den feindselige! gehässigen Sinn auch des anhaltischen Schul dekrets kein Zweifel sein kann. — Eine, abgruni' tiefere Heuchelei ist in deutscher Sprache übe^ Haupt nicht ausdenkbar, als sie in dem GegH satz der Worte nationalsozialistischer FühH auch hier wieder zum Ausdruck kommt.M Wann endlich wird sich der ehrlichere TeilD deutschen Volkes wieder auf sich selber besinM

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