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Central-Verein-Zeitung · 1932-08-01 · Heft 8-9 (August 1932) · page 12

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 8-9 (August 1932)
Date
1932-08-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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56 harmlos sind, eine dem Sinne■ der Anklage entsprechende Bedeutnng gegeben. An eittcut Beispiel sei dies erläutert. Im babylonischen Traktat Ketubot (Blatt 102b) heißt es: Wenn einer stirbt und einen unmündigen Sohn für dessen Mutter hinterläsit, und es sagen die Erben des Vaters (die Brüder), er wachse ans bei uns, die Mutter aber sagt:'Mein Sohn soll bei mir groß werden, so läßt man ihn bei der Mutter und nicht bei denen, die seine gesetzliche:: Erben sind. Es ist nämlich einmal vorgekomnwn/das; man ein solches Kind am Vorabend des Passahfestes geschlachtet'hat." Der Sinn ist klar, es handelt sich um ein jüdisches Kind, das inan nicht habsüchtigen Erben ausliefern darf, und daß der erwähnte Mord gerade am Nüsttage des Passahfestes geschah, ist reiner Zufall. Wenn nun judenfeindliche Erklärer diese Stelle dahin deuten, daß Juden nichtjüdische Kinder am Vorabend des Passahfestes. schlachten, um ihr Blut zu rituellen Zwecken zu verwenden, so ist das natürlich eine grobe Fälschung. A.lle^ Versuche, das Bestehen eines jüdischen,. BLutrttuals durch Zeugnisse aus jüdischem Schlussbetrachtung Im vorstehenden dritten Teile der Altsführung über den Talmud ist versucht worden, die allgemeinen Prinzipien zu entwickeln, nach denen Angriffe auf den Talmud zu untersuchen und zu widerlegen sind:^ Es konnte, wie ctngangs erwähnt, für jeden Grundsatz nur eine ganz beschränkte Menge von Beispielen gegeben werden. Wenn aber auch die Anzahl der Stellen des talmudischen und nachtalmudischen Schrifttunls weit größer ist als die. hier behandelten, so darf doch nicht übersehen werden, daß sie alle zusammen an Umfang im Verhältnis zur Gesamtlehre des Judentums kaum etwas ansmachen. Die' Lalmudische Ethik ist die geradlinige Fortsetzung der sittlichen Anschauungen der Thora . und der Propheten, die ja auch Grundlage der christlichen Ethik geworden sind. Und selbst wenn im gewaltigen Garten jüdischer Lehre sich hier und da Blumen finden sollten, die der flüchtige Beobachter für Giftblüten hält, so verschwinden sie vor der Fülle der starkell gesundere Bäurne, der fruchttragenden, blühenden Pflanzen, der Blumenpracht, die Auge und Herz erfreut. Die wahrhafte Sittlichkeit des M (Met WW fionfetes) A. H. In den Zeitungen, die in der zweiten Augusthälfte erschienen, las man Berichte über eine jüdische Konferenz, die in Genf stattgefunden hat. Je nach der Stellung des betreffenden Blattes zur sogenannten Judenfrage wurde die Konferenz als eine belanglose Angelegenheit oder als ein politischer Vorgang von eminenter Bedeutung dargestellt. Manche Zeitungen verstiegen sich sogar zu der Behauptung, daß man in Genf eine jüdische Weltregierung eingesetzt habe. Sicherlich spielte dabei die Vorstellllng der sagenhaften „Weisen von Zion" eine Nolle, jene märchenhafte Gruppe von Männern, die nie existiert hat, um die herum aber Unmengen nutzloser Literatur geschrieben wurden — nutzlos, weil die Grundlage eine Fälschung ist. Internationale Konferenzen sind heute an der Tagesordnung. Der Völkerbund ist das klassische Beispiel für 'eine'ständige internationale Konferenz, politischen Charakters. Daneben Schrifttum' zu erweisen, mußten scheitern. Nur durch Fälschungen hat man Andeutungen dieser Art in die religiöse Literatur hineinlefen können. e) Uebertreibimgen. Auch Uebertrcibungen können als Fälschungen wirken. Als Beispiel seien die Vorschriften über das Zins nehmen angeführt. Wie früher ausgeftthrt wurde, war es'den Juden aus Gründen des Gegenseitigkeitsrechts gestattet, von Nichtjuden Zinsen zu nehmen. Nach biblisch-talmndischen Begriffen sind Zins und Wucher dasselbe, auch Luther hat im Worte „Wucher" nicht das übermäßige Zinsnehmen gesehen, und er übersetzt die auf Zinsen bezüglichen Stellen des Alten Testaments demgemäß. Wenn mm heute der Ausdruck „Wucher" die ü b e r m äßigen Zinsen bedeutet, die Ausbeutung der Unerfahrenheit und der Notlage des Darlehnsnehmers, so liegt -eine Fälschung vor, wenn man) wie es oft geschieht, 'die tallnudischen Vorschriften über das „Z i n s - n e h m e n" als Gebote über, dgs ,.W u che r.n", ausgibt. Talmuds braucht sich nicht zu verstecken, und das Judentum hat sich ihrer nicht zu schämen. Sie gipfelt in dem Gebote allumfassender Menschenliebe: „Du sollst deinen Nächsten l i eb e i: , er i st w i e d u!" (III. Buch Moses 18, 19). Unter den: Nächsten versteht das Judentum alles, was Menschenantlitz trügt, und den: Fremden insbesondere gilt das gewaltige Mort: „D i e F r o m m e n d e r Völker der W e l t h ab e n A n t e i l a n d e r k ü n f t i g e n Welt!" Letzter Sinn der talmudischen Sittlichkeit ist die Hoffnung auf die Einheit des ganzen Menschengeschlechts, auf die Zeit des ewigen Friedens, tut Glauben an den einen Gott der Schöpfung. „G o t t w i r d e i n st K ö n i g sein über die ganzeErde/anjenem Tage wird Gott der Einzige sein und sein Name der Einzige." (Sech. 14, 9.) Literatur Für Leser, welche sich genauer mit den Fragen beschäftigen wollen, denen diese Nummer gewidmet ist, steht der Centralverein mit Auskünften über Literatur jederzeit zur Verfügung. finden ununterbrochen internationale Zusammenkünfte statt, die den verschiedensten w i s s e n s ch a f t l i ch e n Problemen gewidmet sind, die geistige Fragen zum Gegenstand haben, die soziale Aufgaben behandeln, oder die religiöse Probleme der katholischen oder der protestantischen Welt zum Inhalt haben. So lag an sich der Gedanke in der Lust, daß auch e i n m a l I u d e n aus den verschiedensten Ländern zusammenkämen, um sich über Fragen auszusprechen, die für die Juden dieser Länder unterschiedslos von gleicher Bedeutung wären. Denn es steht außer Frage, daß m der allgemeinen Weltwirtschaftskrise, die zahllosen Menschen Erschwerungen und Entbehrungen bringt, die Juden noch eine vermehrte und ver stärkte Notlage erleiden. Die Leser unserer Monatsausgabe wissen, daß von vielen Seiten der Versuch gemacht wird, in Verknüpfung wirtschaftlicher Fragen mit politischer Gesinnung das sogenannte Boy ko t tp r ob lem , d. h. die ungerechtfertigte - und gewaltsame Ausschaltung der Inden' aus dem Wirtschaftsprozeß/-planmäßig und nicht ohne Wirkung zu betreiben. Dazu kommt, daß die wirtschaftliche^ ^btlage gerade in beit östli ch e n Ländern Europas mn schwersten ist, in denen mehr als die Hälfte der 18 bis 1 4 M i ll i o n e n I ude n , d i.e e S auf der ganzen Welt nur gibt* wohnt.' ' :;; ' ■ ' Die internationale Zusammenkunft in Genf — von einen:. W e l. t k.o n g r e ß zu reden lag von vornherein keine Berechtigung vor, da ganze Erdteile unbeteiligt blieben sollte sich auch ursprünglich lediglich mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigen. Es stellte sich jedoch bei den Vorbereitungen heraus, daß ein innerjüdisches Problem von zentraler Wichtigkeit eine Konferenz dieser Art unmöglich mache. In allen Ländern gibt es nämlich zwei Anschauungsgrnppen innerhalb des jüdischen Bevölkerungsteiles. Die eine überwiegend größere empfindet sich mit allen Fasern ihres Seins als dem Volk, unter, dem es lebt, zugehörig.- Für diese ist die Erörterung der Fragen, die mit ihrer politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gleichberechtigung zusalnnwrchürtgeu, ...niernals Gegenstand internationaler Verhandlungen, sondern stets eine innerpolitische Frage, die von den Politischen Kräften des eigenen Volkes zu behandeln ist. Die andere, zahlenmäßig stets verschwindend kleine Gruppe vertritt die Auffassung, daß die Juden in den Ländern ihres Aufenthaltes zwar loyale Pflichttreue Staatsbürger sein sollen, daß sie aber sich ihrer nationalen Zugehörigkeit nach als Juden zu empfinden hätten, so daß auch p o l i t i s.ch e Fragen,' die in den einzelnen Ländern eine Nolle spielen, i n t e r n a t i o - n al, d. h. außerhalb der Landesgrenzen, behandelt werden könnten. Es. zeigte sich alsbald bei den Vorbesprechungen,.'daß.zwischen den Angehörigen der ersten Gruppe und den Vertretern der zweiten kleinen Gruppe kerne V e r st ä n d i g u n g über den .Inhalt der Verhandlungen zu erziel.en sei. Deswegen blieben, die führenden Vertretungen der ersten Gruppe den Verhandlungen fern, so der Centralverein ' deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens/ so die -Alliance Jsraelite Universelle, Paris, so der Jewifh Board of Deputies, London, das American Jewifh Committee, New Uork, die llnion österreichischer Juden, Wien. Damit schrumpft der „Weltkongreß" zu einer beiläufigen Zusammenkunft von Juden aus den verschiedensten Ländern zusammen,' die seitens ihrer jüdischen Mitbürger keinerlei Vollmachten und Aufträge erhalten hatten und deren Erklärungen und Forderungen keine andere Bedeutung haben als irgendivelche Erklärungen .oder Forderungen, -dievonkpLivaW^SeiteWx erhoben werden. Daß die Genfer Zusammenkunft in der . Oesfentlichkeit ein so verhältnismäßig starkes Echo fand, ist auf das rege Interesse zurückzuführen, das heute die Oesfentlichkeit ganzallgemein den Problemen widmet, - die mit Juden uttb Judentum tut Zusammenhang stehen. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Bedeutung der Konferenz und dem Aufsehen, das man . von ihr geschickt zu machen verstanden hat, besteht nicht. Die Juden in den einzelnen Ländern, insbesondere vor allen: die deutschen Juden in ihrer . überwältigenden Mehrzahl, sind in ihrer Grundeinstellung zum Problem ihrer Zugehörigkeit zum deutschen Volke in keiner Weise durch Tatsachen der Genfer Zusammenkunft beeindruckt oder beeinflußt worden. Verlag: Lentralverein deutscher Staatsbürger Mischen Glaubens e. B., Berlin W 15, Emser Str. 42. Tel-. Adr.: „Gentralglauben Berlin". Postscheck: Berlin 30472. Haup.tschriftleiter: Dr. Ludwig Holländer. Verantwortlich fUr die Schriftleitung: i. B. Dr. A l f r e d H i v s ch b e r g. Beide Berlin IV 15. — Druck: Rudolf Mosse, Berlin.

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