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Central-Verein-Zeitung · 1932-07-01 · Heft 7 (Juli 1932) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 7 (Juli 1932)
Date
1932-07-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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40 125 Friedhofsschändungen in Deutschland In der Nacht vom 15. zum 16. Juni wurden auf Vem jüdischen Friedhof in Butzweiler bei Trier 18 Grabdenkmäler umgeworfen. Bestimmte Anzeichen lassen aus politische Beweggründe für die Tat schließen. Ermittlungen, die Polizei und Landjägerbeamte nach den Grabschändern angestellt haben, sind noch nicht zum Abschluß gelangt. Soeben erscheint die sechste Auflage der vom Central-Verein herausgegebenen Denk-- entscheidend verhindert wird und immer, seit es eine jüdische Geschichte gibt, verhindert worden ist) und nicht ohne neue, umfassende, lebensverachtende Opfer. Auf dem jüdischen Menschen, besonders auf dem schöpferischen, dem in den Bezirk der Kunst eingetretenen, lastet ein solches Leidensgedächtnis lttib infolgedessen, von Generationen her, eine so willige, ja leidenschaftliche Opferbereitschaft, daß er, mehr als jeder andere, eine Zukunftsverantwortung in sich trägt, die ihn zur Selbstentänßerung zwingt und damit, tragisches Gegenspiel, aus dem Reich der reinen Kunst wieder verstößt. Betrachtet man die Dinge so, dann spielen der Tag und seine Nöte keine Nolle mehr. Dann erniedrige ich mich, wenn ich die Verteidigung derer übernehme, die sind, was sie sind, weil sie leiden, was sie leiden. Und schriebe ich ihre Apologie mit meinem Blut, es wäre angesichts der steinernen Augen, die mich anschauen, verschwendetes Blut. Der nationalistische Standpunkt, wonach der vermeintliche Fremdstämmige ausgeschlossen sein soll vom Dienst an der Nation, ist keine Erleuchtung von heute und gestern, er ist die Verewigung der Haltung jenes römischen .Prätors, der den Christen bei Todesstrafe verbot, an der Löschung des Brandes von Nom teilzunehmen. Immerhin habe ich bis jetzt noch nichts davon gehört, daß unsere fanatischsten Römer sich der Salvarsan-Kur verweigern, weil dieses Heilmittel von einem Juden und einem Japaner entdeckt wurde. Ich bin so wenig fremdstämmig wie Gustav Mahler, wie Max Liebermann, wie Friedrich Gundols, wie Alfred Mombert, wie Franz Werfel, und wären wir alle es, so müßten konsequenterweise so distinkt slawische Erscheinungen wie Nietzsche und Richard Dehmel (man betrachte nur die Antlitze), Geister von so romanischer Prägung und Herkunft wie die Brentanos dazugezählt werden. Es ist nun einmal nicht zu ändern, daß geographische Grenzen keinen wirksamen Damm ausrichten gegen die Zirkulation des Bluts und den Flug der Gedanken. Allein eine Millionenbewegung, deren Lenker sich auf den Haß, den Aberglauben und die Ignoranz stützen müssen, darf keinen Wert auf Logik legen, sonst ginge sie ihrer politischen Vorteile verlustig; was an Sehnsucht darunterliegt, an nationalem Traum, an Reaktion gegen die Aufklärerei und den dürren Oekonomismus des vergangenen Jahrhunderts, ist ein ernstes Ding und als seelischgeistige Revolution von Bedeutung; in das Bett des Antisemitismus geleitet, wird ein Zerrbild daraus, denn der ist nichts weiter als ein jeweils wohlfundiertes und lukratives Geschäft, allerdings eines auf kurze Sicht und von einem schlechten Kaufmann betrieben. Synagogenschandungen in Beuthen und Chemnitz In der Nacht zum 11. Juli wurden an einem der Fenster der großen Synagoge in Beuthen etwa 15 in Blei gefotzte kleine Scheiben durch Würfe mit Holzknüppeln zertrümmert. Die Täter konnten bisher nicht ermittelt werden. Die näheren Umstände lassen es als ausgeschlossen erscheinen, daß die Tat von Kindern verübt sein könnte. Die Synagoge war schon bei früheren Wahlkämpfen im Jahre 1924 mit Hakenkreuzen beschmiert worden. In Chemnitz haben bisher noch nicht ermittelte Täter in der Nacht zum 17. Juni in der Synagoge Feldstratze sämtliche 24 Scheiben in der Straßenfront, darunter 12 dicke Kunstglasscheiben, eingeschlagen. schrift ,,Fviebl)ofsschKndrmgeu in Deutschland 1923—1932, Dokumente der Politischen und kulturellen Verwilderung unserer Zeit". Die letzte Auflage war am 5. Februar 1932 erschienen. Sie umfaßte 112 Fälle von Schändungen jüdischer Friedhöfe und 40 Fälle von Schändungen jüdischer Gotteshäuser. Das Echo, das dieses traurige Doknmatt bei gutgesinnten Einzelpersönlichkeiten in allen politischen und weltanschaulichen Lagern fand, der Sturm der Entrüstung, der sich in einen: großen Teil der deutschen Presse erhob, konnten nicht verhindern, daß die Liste seit dem 5. Februar 1932 um 13 neue Fälle von Friedhofs- und 8 Fälle von Synagogenschändungen vermehrt werden mußte. So geht die Liste jetzt wieder hinaus, um immer weiteren Kreisen die Folgen der politischen Verhetzung, wie sie jetzt Deutschland durchtobt, zu zeigen. Diese Tatsachen können keinen, dem das Ansehen und die Kultur des deutschen Volkes Herzenssache sind, unberührt lassen. Sie alle sollen ihre Stimme gegen diese traurigen Folgen ungezügelter Hetze und irregeführter Leidenschaft erheben. Die Statistik zeigt, daß in den e r st e n sechs Monaten des Jahres 1932 bereits rnehr Friedhöfe geschändet worden sind als im gesamten Verlaufe des Jahres 1931. Im ersten Halbjahr 1932 wurden 9 Synagogen geschändet, während im ganzen Jahre 1931 12 Synagogen heimgesucht worden waren. A. L. Die Friedhofsschändungen, nach Ländern und Jahren geordnet: 1923 1924 1925 1926 1927 1928 1929 1930 1931 1932 I.Hälfto Preussen 67 Ostpreussen 4 1 1 2 Brandenburg — Berlin — Pommern 4 2 1 1 Grenzmark 1 1 Niederschlesien 3 2 1 Oberschlesien 1 1 Sachsen 2 1 1 Schleswig — Hannover 11 3 1 4 1 2 Westfalen 15 3 1 3 1 3 2 2 Hessen-Nassau 7 3 1 1 2 Rheinland 19 1 ö 5 1 2 1 3 Bayern 27 2 2 2 4 4 3 6 3 1 Württemberg 3 1 1 1 Baden 11 1 2 1 5 2 Sachsen 1 1 Mecklenburg (beide) 3 1 1 1 Thüringen 2 1 1 Hessen 6 1 1 1 2 1 Oldenburg 1 1 Braunschweig — Anhalt 3 1 1 1 Lippe (beide) — Hamburg 1 1 Bremen - Lübeck - 125 2 15 6 12 17 20 6 15 15 17

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