Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 7 (Juli 1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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[«ntrol Blätter für ^eutfektum und Judentum ' Hryan -es timtral Vereins-eulfeherM StaatsdüryerMöifcken Klaubens e.V. ANtzsrnsins IsikunH ciss ^udsntums Gegen Entrechtung — für inneren Frieden In den letzten Wochen haben sich die inneren Gegensätze in Deutschland ungeheuer verschärft. Der Wahlkampf hat die politischen Wogen auf-. gepeitscht. Immer drohender wird die Sprache der judenfeindlichen Parteien gegen die Juden und jene Parteien, die als ihre Beschützer gelten. Im Preußischen Landtag wurden Anträge eingebracht, die auf eine Entrechtung der deutschen Juden Zielen. Nationalsozialistische Führer haben die Mitglieder der Anwaltskammern und die gesamte Anwaltschaft schwer beleidigt. Engherziger Parteisanatismus will jüdische Künstler und Wissenschaftler von Theater, Film und Rundfunk ausschließen. Gegen die jüdischen Aerzte wird, unbeschadet der gerade in dieser Wissenschaft allgemein anerkannten jüdischen Leistungen, in niedrigster Weise Sturm gelaufen. Obschon der Parteiführer Gregor Straffer im Rundfunk erklärt hat, man wolle keine Pogrome, halten Gauführer in den einzelnen Teilen Deutschlands Reden, die zu schweren Ausschreitungen gegen die Juden aufreizen müssen. Sie stellen dabei, wie z. B. ein Redner in Neustadt a. d. H., Behauptungen auf, die glatt erfunden sind und deren Haltlosigkeit auch in diesen Blättern nachgewiesen wird. Irgendeine Berichtigung haben wir in nationalsozialistischen Zeitungen noch niemals gelesen. Das Gebot: „Du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten" hat dort keine Geltung! Das zeigen auch die Angriffe gegen den Berliner Polizeivizepräsidenten, die in Zeitungsartikeln und Versammlungsreden erhoben werden und sich zu Landtagsanträgen verdichtet haben. Man beschuldigt ihn, er lasse sich von einen: angesehenen Schuhfabrikanten aushalten, wirft ihm Schiebungen im Amte vor, bezichtigt seine "Gattin des Ehebruchs mit ebendiesem Schuhfabrikanten — all diese Behauptungen wurden als Unwahrheiten entlarvt. Der Abgeordnete Kube hat auch der Anstandspflicht genügt, sich wegen dieser Beleidigungen der Frau Weiß zu entschuldigen, aber wir haben bisher in keinem nationalsozialistischen Blatt eine Richtigstellung finden können. Die in Bayreuth erscheinende nationalsozialistische Zeitung rollt das nun doch wirklich abgetane Märchen von den „Weisen von Zion" wieder auf. Obwohl dieseß Machwerk früher schon so oft in jeder Einzelheit als Fälschung erwiesen wurde, obwohl ein Mann, wie der deutschnationale Professor Dr. Ulrich Karstedt, Historiker an der Universität Göttingen, und andere politisch rechtsstehende, bedeutende, nichtjüdische Gelehrte die Mitteilungen über die „Weisen von Zion" immer als grobe Lüge bezeichnet haben, wagt ein nationalsozialistischer Studienrat und Jugenderzieher von neuem zu behaupten, die „Weisen von Zion" hätten „gelebt und gewirkt". Ein anderer Jugenderzieher, der bayerischer Landtagsabgeordneter ist, vergleicht die Juden mit Parasiten, mit Blattläusen, die man nur vernichten kann, wenn man die Pflanzen vernichtet, auf denen sie nisten; ein evangelischer Geistlicher hält eine Schimpfpredigt gegen die Juden von der Tribüne des preußischen Landesparlamentes aus . . . und solche Angriffe wiederholen sich täglich und nur selten wird ihnen von nichtjüdischer Seite mit ehrlichem Protest entgegengetreten. Der Centralverein erhebt seine Stimme mit allem Nachdruck gegen solche Verhetzungen. Er warnt vor derartigen Aufreizungen nicht nur um des Schutzes der deutschen Juden willen, sondern er ist sich bewußt, daß er mit diesem Kampf zugleich eine in hervorragendem Sinne deutsche Aufgabe erfüllt. Wie soll die Welt über das deutsche Volk denken, wenn tagtäglich derartige Nachrichten die ganze Welt erfüllen. Wie sollen deutsche Minderheiten im Auslande ihr Recht vertreten können, wenn eine große Zahl Deutscher die Rechte einer deutschen Gruppe, weil sie eine Minderheit bildet, so mißachtet. Wir versuchen in diesen Blättern seit Jahren DI>II!I>I>I>lI>IlIillIllIlII!>II!!IIIlII!!II!l!l!II!l>IIIIII!lIllIlIIIIIIIIIlIIllI!IIIIlIlI!llll!!IIIlIW I Aus dem Inhalt: 1 1 Jakob Wassermann: Der 1 1 Jude In der Kunst Seite 39 1 | 125 Friedhofsschändun- 1 | gen in Deutschland 5. 40 | I Professor Hans Kohn: 1 1 Kampfauch gegen den i | jüdischen Arzt . Seite 41 J | Dr. Werner Cahnmann: 1 | Deutsche Tradition S. 43 jL I Mussolini über Rassen* 1 i lehre und Antisemitis- S 1 mus - ---Seite 44 | wohlmeinende, nichtjüdische Kreise durch Tatsachen von der Verwerflichkeit und Schädlichkeit des Judenhasses zu überzeugen. Aber wir wissen, daß diese Methode der vernunftgemäßen Beweisführung als „rationalistisch" heute niedrig im Kurse steht, da das Irrationale, das Unvernünftige bewußt über die Vernunft gestellt wird. Dem Wissen wird heute, besonders auch in den Kreisen, die den Judenhaß wissenschaftliche zu begründen versuchen, das Gefühl, der Glaube an die Bedeutung mystischer Bluts- und Vodenzusammenhänge gegenübergestellt. Obschon man das Wunder bestaunt, daß die Juden sich allen Verfolgungen zum Trotz durch die Jahrhunderte in Deutschland erhalten haben, spricht man ihnen die einfältige Fähigkeit des Glaubens an derartige mystische Kräfte ab. Wir fühlen und wissen aber, daß diese heiße Liebe zu Deutschland in uns Juden, deren Väter und Urväter in deutschen Landen seßhaft waren, von der gleichen mystischen Kraft ist, die jene nichtjüdischen Deutschen meinen, für sich allein in Anspruch nehmen zu dürfen. Und wie jene von ihren Gegnern verlangen, daß sie ihnen glauben, auch wenn sie sie nicht verstehen, so rufen wir unseren Lesern und unseren Gegnern zu: Wenn alle unsere Taksachenbeweise euch nicht zu überzeugen vermögen, so verlangen wir von euch, dasz ihr uns glaubt, was wir fühlen — es gibt nur ein Vaterland für uns deutsche Juden, das heißt Deutschland! Und weil wir Deutschland als unser Vaterland lieben, werden wir Beschimpfungen und Entrechtung nicht hinnehmen, sondern unser heimakrecht auf deutschem Boden bis zum Letzten verteidigen! Schutz der Anwaltsehre! Dev bekannte Führer der Deutschen Volks- Partei, Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Kunz I, Berlin, schreibt nnsr Der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete G e h r m a n n hat im Preußischen Landtag vom 22. Juni d. I. heftige persönliche Angriffe gegen den Redner der nationalsozialistischen Fraktion,, Rechtsanwalt Dr. F r e i s l e r aus Kassel, nach^ der Richtung hin erhoben, daß er erklärte, Herr