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Central-Verein-Zeitung · 1932-04-01 · Heft 4 (April 1932) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 4 (April 1932)
Date
1932-04-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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L4 ° bcr Januar-März-Nummer der MoiiatSausgnbe der „C. V.-Zeitung" nachgewiesen. Wie falsch die Behauptung ist, daß die Kricgsgesellschaften big. zu 8v v. H. von Juden bevölkert gewesen seien, sei hier nachgcwicsen. Es gab in den Sriegsgesellschaslen 563leitende Persönlichkeiten. Davon waren 80 Prozent Christen, 9,6 Prozent Juden. Bon den übrigen 55 Personen ließ sich nicht mit Sicherheit feststellcn, welcher Religion sie angehörten. Die Zahl der Juden schwankt demnach zwischen 9,6 Prozent und 19,3 Prozent. Nimmt man an, daß von diesen 57) Personen 19,3 Prozent Juden wären (also Höchstsatz!), so kämen noch 11 Juden hinzu, so daß im alleräußersten Falle im ganzen 11,5 Prozent herauskämen l Da die Juden mit 10,5 Prozent bis 14,5 Prozent am Handel beteiligt sind, so würde diese Zahl, die entschieden zu hoch gegriffen ist, genau dein Prozentsatz der Juden in diesem kauslnünnischen Berufszweig entsprechen! Und was liegt näher, als daß man die Menschen für die Kriegsgesellschaften aus den Berufszweigen wählte, die sie genau kannten? Noch schlimmer steht es mit der Verallgemeinerung einzelner übler Fälle von Kriegs- und Nachkriegswucher. Kriegs- und Nachkriegsgewinn ist eine natürliche Erscheinung bei allen Berufsschichten, die Sachwerte produzieren und vermitteln, bei Inden wie bei Christen. In der Hauptsache aber haben Landwirtschaft und Großindustrie in dieser Zeit gewonnen, denn sie konnten sich zum Teil völlig entschulden, ihre Substanz unberührt bewahren und sogar vergrößern. Dagegen haben alle freien Berufe, vornehmlich Aerzte, Rechtsanwälte, Gelehrte, Künstler, Studenten und Rentner, ferner alle Wohltat igkeitsinstitute, halböffentliche Körperschaften ustv., zu den Opfern der Inflation gehört. Da die Juden zum großen Teil den freien Bernsen angehören, wurden sie außerordentlich stark in Mitleidenschaft gezogen,- das gleiche Schicksal traf die jüdischen Gemeinden, die bekanntlich viele großzügige Wohlfahrtseinrichtungen besaßen. Ganz besonders aber hat der jüdische Mittelstand, dein der größte Teil der deutschen Juden angehört, unter der wirtschaftlichen Entwicklung der Nachkriegszeit zu leiden gehabt. Jüdische Vermögen, die durch Fleiß und Sparsamkeit im Lause von Generationen Pfennig auf Pfennig erworben waren, sind in in ein Nichts zerronnen. Diesen Tatsachen stehen scheinbar krasse Einzelfälle gegenüber, wie der B a r m a t - Skandal, der als der Fall eines typischen Jnflationsschiebers von der völkischen Presse ungeheuerlich allfgebauscht worden ist. Wir wissen, daß die Barmats unehrenhafte Handlungen.(Bestechnngen) begangen haben. Wir haben keinen Grund, sie in Schutz zu nehmen, nur weil sie Juden sind. Aber wir müssen mit aller Deutlichkeit feststellen, baft diese Korruptionserscheinungen mit der ganzen moralischen Derfallenheit einer Nachkriegsperiode Zusammenhängen und ebensowenig eine „jüdische" wie eine „christliche" Angelegenheit sind. Das zeigen die vielen ähnlichen Fälle, die in den letzten Iahren in der Oeffentlichke'rl berechtigterweise Unwillen erregt haben. Erinnert sei nur au die üblen Vorfälle, die zu dem Bvtksopferprvzeß 1926 in Dresden führten. Weder der Hauptuuum a. D. Löffler noch der Herr Tr. jur. und rer. pol. Meißner waren Juden, sondern sie nannten sich „streng national" und uhutu Begründer des so „reinrassigen Nationalen Clubs". Als Leiter und Vertrauensleute des von dein General Nt ü l l e r 1923 gegründeten „Sächsischen Volksopfers", einer Art Wohltätigkeitsorganisation, mißbrauchten sie da? Vertrauen weiter Kreise; sie wurden überführt, über 130 000 Mark dem Wohlfahrtszweck entzogen und für ihre eigenen oft recht leichten Aergnügnngen und außerdem — für die völkischen Verbände verwandt zu haben. Nicht anders Uhu es mit der Angelegenheit des Kapitän Loh m a n n (aufgedeckt 1928), eines deutschen Offiziers, der einen Konzern gründete, viele Jahre nach der Inflation mit durchaus inflationistischen Mitteln arbeitete und auf diese Weise das Reich um rund 30 Millionen Mark schädigte. Auch der „völkische" Bankier B r n ß , der von 1920 bis 1924 unter dem Protektorat allerhöchster völkischer Verbünde und Persönlichkeiten über 20 000 gutgläubigen Mittelständlern und Kleinbürgern das Geld aus der Tasche zog, immer unter dem Vorwand, dem „fremden, undeutschen Kapital" das Geld der echt deutschen Kaufleute und Bürger entgegenzusetzeu, ein Mann, der in den Räumen seines Bankhauses die Deutschvölkische Freiheitspartei ihre Konferenzen abhalten ließ. der es aber auch für geschmackvoll hielt, dor nächtliche Gelage mit Freunden und Freund inrD zu veranstalten, deren Kosten die Einleger. tzM zahlen mußten: Ein solcher Betrüger war nichm besser als die Barmat und Kutisker, er wäW mit ihnen ein Opfer des unseligen JnflationW geistes, dem Juden wie Nichtjuden zum OpfeA gefallen fiut». ' Ja selbst in Prozessen, in denen Juden mitM angeklagt waren, wie im sogenannten Naiffeisen-M Prozeß der russische Jude Nr alz eff, hat siM herallsgestellt, daß die verantwortlichen LeiterU der nationalen Naiffeisell-GenossenschaftenH alles r e ch t s st e h e n d e Männer der Landls Wirtschaft, anstatt die ihnen allvertrauten Gel-'A der den wirklich notleidenden Landwirten und.Ä Ballern zlrkommen zll lassen, damit die übelsten -D Spekulationsgeschäfte getätigt hatten. Und wie ist cs mit dem Fall des Deva h e i lll s f Hier haben ch r i st l i ch e Männer, teilweise sogar Diener de r K i r ch e, ihre Befugnisse und das Bertralien lveiter Volkskreise, die in Anbetracht des christlichen Cha-, i ratters der Unternehmung ihr salier verdientes'^ Spargeld hingegeben hatten, dadurch aufs schändlichste getälischt, daß sie die Gelder für 2 andere, z. T. für eigene Zlvecke, verwandten. Schließlich verweisen lvir noch auf das leicht-" | fertige Geschäftsgebaren der Herren Lahuse n, i die durch ihren Luxus, ihre Zuwendungen an die Hitler-Partei, ihre außerordentlich schlechte j Geschäftsführung den Nordwollekonzern völlig | ruiniert haben, oder nuf die Aufdeckung der 1 geradezu ungeheuerlichen Schiebungen und Vilanzfätschnngen, die, wenn die Zeitlmgen 2 wahr berichtet haben, die Firma Kreuger & Doll ruiniert lind den Besitzer, Jvar Kreuger (kein Jude!, zum Selbstmord getrieben habeil. Da<' alles sind sehr bedauerliche und verwerfliche E i u z e l fälle. Sollen lvir die nationale Rechte für die Herren Meißner und Löffler vom „Sächsischen Bolksvpfer", das deutsche Osfizierkorps für Herrn Lohlnann, die völkische Belvegung für Herrn Bankier Bruß und die Herren Lahusen, die Lalldlvirtschaft für die Raiffeisen-Affäre und die evangelische Kirche für die Tevaheim- Pastoren oder „die Christen" schlechthin für alle diese Vorkommnisse verantlvortlich machen? Wir d e u f c n gar nicht ö a r a n. Wir wissen ganz genau, daß ebenso einzelne Christen wie einzelne Inden sthlen können. Wir wehren uns aber .gegen jede Derallge^ meinerung. lvie sie gegen das Judentum tag-"' lich und stiilldtich, teils bervußt gewissenlos, teils lediglich gedankenlos vorgebracht lverden. as Mt daraus? Die Beispiele politischer Schlagworke. deren wahren Sern wir hier zu zeigen versucht haben, ließen sich noch vermehren. Was ist ihr Zweck, wozu wurden sie geprägt? stÄ die Menschen zu umnebeln, um sie von der Erkenntnis ihrer wahren Lage abzulenken. Blinder haß zwischen den Volksgruppen^ verständnislose Wut und liefe innere Zwietracht ist die Folge. Das darf nicht so weikergehen. - Ä Wir deutschen Juden sind in einer Weise in den Vordergrund der politischen Diskussion gezerrt worden, die unserer gering Zahl nicht entspricht. Man hat uns als Objekt mißbraucht, um eigennützige Parteiziele zu erreichen. Uns dagegen zur Weh zu fetzen» sind wir nicht nur um unserer selbst, sondern um unseres deutschen Vaterlandes willen verpflichtet und berechtigt.;f| Ls geht um Deutschland, das, vom haß verzerrt, in seiner Widerstandskraft gegen Bot und Elend geschwächt wird, statt Einigkeit zusammenzustehen, um die Schwere der Zeit zu überwinden. Und weil es um Deutschlands Schicksal geht, erheben lvb immer wieder unsere Stimme, um unsere christlichen Freunde, um alle Wohlmeinenden und ehrlich Bingenden zum Kampf f§[ den inneren Frieden aufzurufen. Wir wollen nicht dulden, daß das Schlagworl den inneren Frieden zerreißt. Wer mit uns dieser verderblichen WirkuH des Schlagwerkes bewußt ist, der helfe uns in Schule, Haus und öffentlichem Leben, der politischen Ehrlichkeit, der Wahrheit tischer Sampfmelhoden zum Siege zu verhelfen. Wenn alle, die guten Willens sind, daran Mitarbeiten, dann braucht uns bange zu fein um Deutschlands Zukunft l Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V», Berlin W 15/ Emser Straße 42. Tel.-Adr.: „Centralglauben Berlin", Postscheck: Berlins Hauptschriftleiter: I. V. Dr. Alfred Wiener. Verantroortlich: Dr. Margarete Edelheim. Beide Berlin W 15. — Druck: Rudolf Masse

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