Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 4 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Härter für -eutfkktum >«V Judentum. " ' Hryan -es kentralVereiusöeutfeKe^ EtaatsdüryerMöifcKen Klaubens e.v. IsiwnH clss Das Unheil -es Gchlagworis Wenn man die verschiedensten Zeitungen des An- und Auslandes auf ihren Gehalt an politischen Schlagworten untersucht, so wird man lüt Erstaunen seststellen, in rvetchem Maste gerade die deutschen Zeitungen aller Richtungen der Verführung erlegen sind, sich durch die Einführung von allgemein verständlichen Schlagjvorten die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner zu erleichtern oder gar ganz zu ersparen. Es ist dies um so bedauerlicher, als gerade der deutsche Zeitnngsleser leicht geneigt jsh trotz aller Reden von „Zeitungsenten" und Asphaltpresse" womit natürlich immer nur Lie Zeitungen der Gegner gemeint sind — seifern Leiborgan Glauben zu -schenken, auch iveun ihm die unglaubwürdigsten Nachrichten vor- Wehen wagt. AEs wäre nun völlig verkehrt zu glauben, das; Ma die englischen, französischen oder ameri- Mischen Zeitungen weniger mit Schtagworten Weiteten. Anch-He tun das ausgiebig und sicht immer gerade in anständiger Art, wie wir Mutschen während.des Krieges mit schmerz- Wer Enttäuschung seststellen mutzten. Aber Made diese „schmerzliche Enttäuschung" ist Wisch für das Vertrauen, das nur damals und Mweise auch heute noch in den Zeitungs- Maktenr setzen, selbst wenn er uns ein oder ßhrere Male nachgewiesenermatzeu getäuscht |E Glücklicherweise ist ja die gegenseitige Kvn- Wlle der einzelnen Zeitungen heute derartig Mrs, dast auch die noch so geschickt ausgemachte Mchmeldnng sofort erkannt und richtiggestellt Krden wird. Festzustellen bleibt aber die liederliche Tatsache, datz die Kritiklosigkeit, mit in Deutschland.Zeitungsnachrichten über- Mmen werden, diejenige im Ausland, besonin den westlichen Ländern, weit übersteigt, die deutschen Juden können ein Lied davon Aen, wie ungemein schwer es ist, eine einmal gedrungene falsche Auffassung aus den Jen herauszubringen. Dennoch mutz diese Veit im Interesse des Volksganzen getan wer- $ denn eine Politik, die aus Unwahrhastig- Iberuht, kann letzten Endes nicht zu einem fitt Ziel führen. Am Beispiel der juden- Michen Schlagworte soll hier der Nachweis Nacht werden, wie verderblich eine derartige Zdie Vertrauensseligkeit der Leser bauende ^pfesweise ist. Damit wird ein notwendiger ^cag zur Aufklärung und politischen Schu- ' des deutschen Zeitungslesers geliefert. Dieser Beitrag mutz leider oft gröster sein, als der Zeitungsleser annehmen sollte: denn der Angriff gegen Inden und Judentum in schmähenden Schlagworten spielt in den deutschen Zeitungen besonders in den letzten Jahren und ganz besonders in den Wahlzeiten eine ansterordentliche Rolle. Die Angriffe auf die jüdischen Deutschen beschränken sich nicht einmal darauf, den Jude;; bestilnmte Fehler vorznwersen, sondern man ist so lueit gegangen, die Worte „schlecht", „unehrlich", „undentsch", „unsittlich" einfach durch das Eigenschaftswort „jüdisch" zu ersetzen und dadurch allmählich in dem normalen deutschen Zeitungsleser Vorstellungen zu erzeugen, die zu einem tiefen Hatz gegen alles geführt haben, was jüdisch ist, jiidisch klingt, jüdisch aussieht oder auch nur irgendwie mit Juden oder Judentum im Zusammenhang zu stehen scheint. Datz solche Bestrebungen gewisser Kreise auf fruchtbaren Boden fallen konnten, ist nur aus der geschichtlich einzigartigen Lage, in der sich das deutsche Volk befindet, erklärlich. Die Lage in Deutschland ist durch zwei Tatsachen gekennzeichnet: durch den Befreiungskampf nach außen und die sozialen Kämpfe im Innern des Landes. Nach einem mit gigantischer Kraft und bewunderungswürdigem Mut geführten Weltkriege sah sich das deutsche Volk vor die ungeheure Aufgabe gestellt, die ihm vom Gegner auferlegteu Lasten entweder zu tragen oder aber eine jahrelange feindliche Besatzung auf sich zu nehmen. Es hat in heroischer Selbstbehauptung die ihm anfgezwnngenen Verpflichtungen zu erfüllen versucht, und zwar selbst aus die Gefahr des Staatsbankrotts hin. Zugleich aber stellte es sich die Ausgabe, die deutsche Wirtschaft, die durch Krieg und Inflation an den Rand des Abgrundes gelangt war, vor dem Ruin zu bewahren. Datz ihm diese letzte Arbeit fast restlos gelungen ist, nennen die Amerikaner „d a s deutsche Wunde r". Und datz die grotze Ausgabe dennoch nicht völlig gelang, ist letzten Endes die Schuld der übermenschlichen Verpflichtungen besonders finanzieller Art, die das deutsche Volk zu tragen hatte. So führt das deutsche Volk seit Jahren einen zähen Kamps um seine Freiheit nach außen, einen Kampf, der jetzt.in ein entscheidendes Stadium getreten ist. In diesem Ringen nach außen und znm Teil als Folge dieser finanziellen Belastung konnnen die i.n n e r e n K ä nt p f e um die G e st a l - t n n g de s st a a t l i eh e n und soziale n Lebens. Auch hier hat der Krieg mit seinen Folgen einen grundlegenden Wandel geschaffen. Während die Jndnstriearbeiterschast vor dem Kriege fast geschlossen in der Sozialdemokratie die Interessen des Arbeitnehmers gegenüber dem Arbeitgeber vertrat und die übrigen Schichten, besonders der Mittelstand, sich in verhältnismäßig guter sozialer Lage befanden, hat die nach denn Kriege in der ganzen Welt einsetzende Rationalisierungsperiode mit ihren Bertrustungserscheimmgen außerordentliche Umschichtungen besonders in dem deutschen Mittelstände hervorgerufen, zahllose mittelständlerische Existenzen ans ihrer gesicherten Lage vertrieben und zu einem Proletarischen Dasein geführt. Gegen diesen Vorgang wehrt sich der deutsche Mittelstand — der jüdische tute der nichtjüdische — mit dein Mut der Verzweiflung, zumeist allerdings erfolglos. Während aber die Arbeiterschaft infolge der jahrzehntelangen gewerkschaftlichen Schulungsarbeit. die Folgen einer solchen kapitalistischen Entwicklung erkannte, glaubte der aus allen Himmeln gefallene kleine Mittelstand, sich dieser Katastrophe entziehen zu können, indem er andere Mächte und Personen dafür verantwortlich machte und gegen sie kämpfte. Nichts lag näher, als die I u b e n, die ja immer dann herhalten müssen, wenn es gilt, einen Sündenbock zu finden, für das gesamte außen- und innenpolitische Mißgeschick verantwortlich zu machen. So wurde der Antisemitismus ein wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Bewegung, die im wesentlichen von diesem mittelstündischen Element getragen wird. Man ging schließlich dazu über, die Juden nicht nur für den Kapitalismus und seine katastrophalen Erscheinungen verantwortlich zu niachen, sondern auch für dessen Gegner, den Sozialismus, für die Schrecken des Krieges ebenso wie für die Niederlage mit ihren Folgen; ja, man redete sich und der kritiklosen Masse ein,.. die Juden säßen als eine Art Drahtzieher hinter . den Kulissen des Weltgeschehens, das man. in- 7 folge mangelnder politischer Schulung eben - -, - nicht zu deuten verstand. Nur so' konnte., es .ge-.--.- 77 scheheu, datz ein längst von allen -Wissenschaft^7^' lern abgelehntes, klar widerlegtes upd-.gepich1^^E