Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Oer Komponist Gustav Mahler i *1 1 »' i '»Vv mw^ Heim-Haus in der Leipziger Straße in Berlin, Deutsches Museum sPergamonmuseumj in Berlin); Oskar Kaufmann (Erbauer der Berliner Vdlksbühne); Erich M e n d e l s o h n. 6. Rechts- und Staatswiffenschaftr Laband, Löning, Friedberg, Jastrow, Glaser, Staub, Dernburg, Goldschmidt, Neander, G. Jellinek,Liepmann, Kelsen. 7. Forschung: Dr. Kaiser, Nordpolforscher V e s s e l s , Afrikaforscher Ennn Pascha (Dr. Eduard Schnitzer). 6. Wirtschaftsleben: V a l l i tt' (Organisator der Hamburg-Amerika-Linie); Frank (Kaliiudustrie); V e ck e r (Vernsteinindüstrie); Emil Rathenau (Elektroindustrie). Die antisemitische Behauptung, die Jliden seien zu produktiven Leistungen üugeeigllet, ividerlegt sich also selbst durch die Tatsachen. Es gibt in jeder Gruppe produktive und unproduktive Menschen; es ist keineswegs so, daß unter den Juden schöpferische Begabungen nicht vorhanden sind. Die Judengegner haben kein anderes Kriterium, Leistungen von Juden als undeutsch zu kennzeichnen, als die jüdischen Namen ihrer Urheber. Lassen aber die Namen den Juden nicht erkennen, dann werden jüdische Leistungen als „echt deutsch" begrüßt. So wurde Messel von Einhart als „deutscher" Baumeister, Karl Wolfskehlfür seine Uebertragung altgermanischer Texte als „germanischer Künstler" in der antisemitischen Zeitschrift „Der Hammer" gerühmt, und über Gundolfs Werk „Shakespeare und der deutsche Geist" urteilte die „De u t sch e Ta ge s z e i t u n g" am1.Juli1911: „Ein reiner geschichtlicher Geist weht durch das Ganze, eine tiefe demütige Ehrfurcht vor allen: Großen und Schönen, ein seltener Adel der Gesinnung, Aristokratie der Seele und des Derstandes. Wir haben wieder ein Meisterwerk deutschen Geistes erhalten." Der Erfinder der Nadioverstärkerröhren, Robert von Lieben (1878—1913), der ein Jude aus Wien war, wurde von rechtsradikalen deutschen Zeitschriften als der Typus des „echten deutschen" Erfinders gefeiert, der die „Verkörperung des überlegenen Germanentums" darstelle. In Nr. 3 des Jahrgangs 1930 schreibt die bekannte Zeitschrift „Fridericus": „... Wenn es sich darum handeln soll, den wirklichen Erfinder und Verbesserer der Elektronenröhre kennenzu¬ Der Goethe-Forscher Friedrich Gundoif MM WY UM lernen, so ist es der d e ü t s ch e Baron von Lieben. Und wenn es der Judenschaft beliebt, so sind wir gerne bereit, einmal der Oeffentlichkeit zu zeigen, in welcher Weise die jüdische-Telefunkengesellschaft gegen diesen deutschen Erfinder, dessen Werk bahnbrechend war . . ., vorgegangen ist. Wie sie es verstanden hat, die wertvollen Patente des Barons von Lieben, die für die gesamte Radiotechnik heute grundlegend sind . . an sich zu bringen." Diese Beispiele zeigen deutlich, zu welchen Ungereimtheiten die Wertung der Menschen nach Rassenvorurteilen führt. Endet das Schweigen! Es ist in dieser Zeitung versucht worden, die Heimatverbundenheit der deutschen Juden, ihre tiefverwurzelte Liebe zu Deutschland, zur deutschen Sprache und Kultur zu zeigen. Ein kurzer Ueberblick gibt ein plastisches Bild von den Kulturleistungen der deutschen Juden; ihre Anteilnahme am Kampf um Deutschlands Ehre in Krieg und Frieden wird aus ihr klar. Nur andeutungsweise sind die schmachvollen Verleumdungen gestreift worden, mit denen angeblich national gesinnte Kreise gegen die deutsche Judenheit Vorgehen. Wir haben absichtlich vermieden, in dieser Nummer den politischen Tageskampf in seinem tatsächlichen Umfange in all seiner Niedrigkeit zu zeigen, denn diese Nummer will weniger abwehren als aufklären. Ueber den Tag hinaus will sie demjenigen, der ein Ohr für die Wahrheit hat, ein Bild von der deutschen Judenheit geben. Wer nach der Lektüre dieser Nummer den Wunsch empfindet, die hier angeschnittenen Fragen näher zu studieren, dem empfehlen wir nachstehend noch einige Spezialliteratur: Immanuel Bernfeld: Eid und Gelübde, Blutlügen (Märchen und Tatsachen). Paul N i e g e r: Vom Heimatrecht der deutschen Juden. B. Segel: Die Protokolle der Weisen von Zion. Friedrich Hertz: Wissenschaftliche Nassenkunde. Julius Gold st ein: Deutsche Volks-Idee und Deutsch-Völkische Idee. Felix Goldmann: Der deutsche Jude im deutschen Kulturkreise. Bruno Weil: Die jüdische Internationale. Jacob Segall: Die deutschen Juden als Soldaten im Kriege 1914—1918. Rechtsanwalt Dr. Urias: Die Hamburger Juden als Soldaten im Kriege 1914 bis 1918. Hamburg 1929. A. E ck st e i n : Haben die Juden in Bayern ein Heimatrecht? Gustav Feldmann: Jüdische Frontsoldaten aus Württemberg und Hohenzollern. Stuttgart 1926. Gedenkbuch für die im Weltkrieg gefallenen Münchener Juden. Max Freudenthal: Kriegsgedentbuch der Kultusgemeinde Nürnberg. Walter Leiser: Die Juden im Heer. Berlin 1919. Franz Oppenheimer: Die Judenstatistik des preußischen Kriegsministeriums. München 1922. Felix T h e i l h a b e r: Jüdische Flieger im Weltkriege. R. May: Konfessionelle Militärstatistik. Alle diese Bücher sind vom Philo-Verlage, Berlin W15, Emser Straße 42, zu beziehen. Wir sind auch gern bereit, weiteres umfangreicheres Material auf Anfragen zu empfehlen. Aus der Kenntnis der Judenfrage wird jeder, so hoffen wir, die moralische Verpflichtung ziehen, in diesem schweren Kampf, den Haß und Verblendung den deutschen Juden aufzwingen, Stellung zu nehmen; er wird erkennen müssen, daß er nicht länger schweigen darf, da sein Schweigen mißdeutet werden könnte. „Es gibt eine Geschichte menschlicher Worte, des Sprechens und Aufrufens von Menschen", so schreibt Rabbiner Dr. Leo Baeck in einem Vorwort zu einer Broschüre über Friedhofsschändungen, die der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens kürzlich herausgegeben hat — „aber es gibt auch eine Geschichte dessen, wozu Menschen geschwiegen haben, und sie ist eine Geschichte menschlicher Enge und Niedrigkeit. Wenn so oft Verbrechen und Untat sich weithin dehnen konnten, es ist fast immer geschehen, weil die Gewissen verschlossen und die Lippen stumm blieben, die sich zum Worte des Rechtes und der Sittlichkeit hätten öffnen sollen. Schuldig sind die, welche ein Böses verüben, aber schuldig, zumal vor dem Gericht der Geschichte, sind die auch, die einen Frevel sehen oder um ihn wissen und still dazu sind; sie sind die, welche, ohne zu wollen, ihm auch erst den Weg bereiten. Nur wo Unfreiheit ist, kann die Gewalt ihre Bahn haben, und niemand ist unfreier als der, welcher stumm ist dort, wo er reden, wo er mahnen und warnen sollte. Wenn solches Schweigen über dem Lande lastet, dann will eine Hoffnung noch daran festhalten, daß manche deshalb nur schweigen, weil sie von dem Frevel noch nicht wissen. Und es wird darum zur Pflicht, ihn jeden:, der einer der Freien sein will, aufzuzeigen und darzutun. Es ist so eine Pflicht auch gegen Volk und Vaterland. In jedem Volke sind Unrecht und Sünde; sie kommen und gehen, und das Volk bleibt. Wer wenn das Volk als solches, als.Ganzes mitschuldig wird durch Schweigen, durch Dulden, durch Zuschauen, dann zerstört die Untat den Boden, aus dem allein ein ' Volk besteht; er bricht unter ihm zusammen. Völker sind versunken, erst wenn sie vorher verstummt waren, wenn der Widerspruch gegen die Sünde, der Spruch des Rechts seine Menschen nicht mehr gesunden hat. Es ist darum Hoffnung für das Vaterland, darauf zu hoffen, daß die, welche erfahren werden, auch vermögen werden zu sprechen." «erlag: Centralverem deutscher Staatsbürger Mischen Glaubens e. V., Berlin W 15, Einser Str. 42. Tel.- Adr.: „Eentralglauben Berlin". Postscheck: Berlin 30472. Hauptschriftleiter: Dr. Ludwig Holländer. Verantwortlich: Dr. Margarete Edelheim. Beide Berlin W15, — Druck: Rudolf Mosse, Berlin.