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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1932) · page 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 1-3 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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14 Für das deutsche Oberschlesien General Hoe/er, der Führer des Obersdtlesisdien Selbsisdmtzes (Q.S.S.S.) an die ,,C V.-Zeitung“: «*••**■ v^*'^ ^nujv*. ( i,W -OOm| G*U 4^^ iA«C «*S2*«v» AlJf , /)a^|iuHU4. ^iKu^ufv 4^T Ü'aA'$*'L^ % Wie ftovf der Wille zum Deutschsein bei den deutschen Juden ist, beweist die Tatsache, daß sie sich trotz aller Anfeindungen immer als Deutsche gefühlt haben. Wo das Deutschtum nur sein Lebensrecht kämpfte, in Oberschlesien, Böhmen, Mähren, Tschechoslowakei, Ost- und Westpreußen, überall haben sie restlos auf seiten des Deutschtums gestanden. Sie haben überall die schwersten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen ihres Eintretens für das Deutschtum auf sich genommen. Von den oberschlesischen Juden hat keiner geschwankt, als es galt, unter Aufopferung des Berufs und der Stellung sich für Deutschland Zu entscheiden. Während der Vorbereitungen zur Abstimmung in Oberschlesien (1921) richtete der Antisemitenftthrer Dr. Heinrich P u d o r all' den Vorsitzenden der Verbünde heimattreuer Oberschlesier, Landgerichtsrat Ernst, die Aufforderung, die Juden von der Mitarbeit ausZuschließen und auf ihre Stimmen zu verzichtell. Auf diese Zumutung antwortete Landgerichtsrat Ernst in einem Schreibell, in dem es heißt: „Mehr als 99 Prozent der oberschlesischeu Juden widersehen sich dem Anschluß an Polen, und es steht fest, daß wir die feste Unter- (Fortsetzung von Seite 18.) stellten vielmehr auch zur Kriegs f ü h r u u g einen Anteil, dessen Bedeutung weit höher war, als ihrem zahlenmäßigen Anteil an der Bevölkerung entsprochen hätte. Hierbei kam natürlich nicht etwa die strategische Arbeit des Generalstabes in Frage, da ihnen ja die aktive Offizierslaufbahn verschlossen gewesen war. In anderen Arnreen haben sich bekanntlich jüdische Generäle sehr bewährt. Aber für die in diesen! Kriege ja ebenso bedeutsame technische Kriegsführung vermochten sie außerordentlich viel zu geben. Es sei nur daran erinnert, daß ohne die Arbeiten jüdischer Männer, wie Haber, Franck, Carow u. a., zur Bindung des Luftstickstofses schon nach einem Jahve keine Munition mehr vorhanden gewesen wäre. Es sei weiterhin auf die Verdienste Habers, Epsteins, Sackurs, der dabei verunglückte, u. a. für die Einrichtllng und Führung des Gaskrieges hingewiefen. Die Schallmessung, das heute für die Artillerien aller Länder wichtigste Erklllidungsnlittel, wurde von einem Jlldeil stützuug nach Aussage llllserer Kreisgruppenvorstünde gerade seitens der Juden erfahren, während andere Kreise, die sich sonst gern als national bezeichnen, sich ängstlich zurückhalten. Darmn kann auf die Mitarbeit der Juden ailf Feinen Fall verzichtet werden." Aber nicht nur in der Gegenwart haben die Juden ihre Treue zum Deutschtllin bekundet. Die starke innere Bindung.ist bereits im Mittelalter festzustellen. Juden, die im N h e i n l a n d unter den schwersten Verfolgungen gelitten hatten und denen im Osten die Freiheit zugesagt wordell ist, sind vor Jahrhunderten aus den rheinischen Städten nach Osten gewandert. Als die Juden von Worms auszogen, da ließen diese gequälten Juden, die unter dem Druck grausamer Verfolgung ihre deutsche Heimat verließen, sich in dem Uebersiedlungsabkommen noch zusichern, daß der Rückschaffung ihrer Leichen auf deutschen Boden keinerlei Schwierigkeiten seitens der östlichen Machthaber bereitet werden dürfe. Die Tatsachen Zeigen also die innige und unlösliche Verbundenheit der Juden mit Deutschland, das seit fast zwei Jahrtausenden ihr Vaterland ist. vor dein Kriege erfunden und auch während des Krieges zuerst au der Front eingeführt und organisiert. Weiterhin sei erinnert an Professor N e u b e r g s wichtige Arbeiten zur Herstellung von Glhzerinen und Fetten aus neuen Quellen usw. Wie 1914 schon 1813 Der Staatskanzler Fürst Hardenberg schrieb am 4. Januar 1815 an den Grafen Grote: . Auch hat die Geschichte unseres letzten Krieges wider Frankreich bereits erwiesen, dass die Juden des Staats, der sie in seinen Schoss aufgenommen, durch tretic Anhänglichkeit würdig geworden. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengeführten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und wir haben auch unter ihnzn Beispiele des wahren Heldenmutes und der rühmlichsten Veracht ung der Kriegsgefahren aufzuweisen, sowie die übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferung jeder Art den Christen sich anschlossen . . Der Judenhass trieb ihn in den Tod Der Student Maximilian Spaeth in München war Mitglied und Vorstand eines geselligen Unterhaltungsttubs. Der junge Mann hat sich 1914 kriegssreiwittig gemeldet und ist im Felde mit den verschiedenen Kreuzen dekoriert ivorden. Guter Bürger, meldete er sich während der Näteherrschast noch einmal freiwillig, mit „München zu befreien". Dennoch mußte er es erleben, daß Anfang Dezember in seinen! lustigen Drüderklub der Antrag gestellt wurde, wonach künftighin nur Mitglieder aufgenvnunen werden dürfen, die „nach besten! Wissen und Gewissen versichern können, daß sie deutscher Abstanunung sind und unter ihren Vorfahren sich insbesondere keine solchen jüdischen Blutes befinden". Ferner sollte darüber entschieden werden, ob die gründenden Mitglieder, sofern sie Juden wären, in der Gesellschaft verbleiben dürften. Das Vorstandsmitglied Maximilian Spaeth meldete sich bei der Beratung des Antrages -zum Mort, wird von den Kameraden r>erhvl)nt, begibt sich in einen Nebenraum und schießt sich tot. Maximilian Spaeth hat vorher, am 1. Dezember 1918, sein Testament versaht, das kantet: „Als Deutschem von Geburt, Denkart, Gefühl und Erziehung ist es mir in die Seele hinein schiuerzlich geworden 51t sehen, welch unheilvolle Entwicklung das geistige Werden meiner Volksgenossen genonuuen hat und noch weiter nimmt. Ich Zweifle daran, in absehbarer Zeit selbst noch Zeuge und Mitwirkender der nationalen Wiedergeburt sein zu dürfen. Gewissenlosigkeit, Verblendung! Selbstsucht, Haß und Rache verdunkeln das klare Vorstellungsvermögeu meiner Mitbürger und utachen es unmöglich, gemeinsam den geraden Weg, der zu neuem Aufblühen der deutschen Nation führt, zu begehen. Teils die allgemeine, traurige Erwägung, das; es einem innerlich anständig denkenden, reinlich empfindenden Menschen unmöglich ist, in Gemeinschaft mit so aller Ehre baren Zeitgenossen die Luft des Tages zu atmen, teils der besondere Fall von Ungerechtigkeit und Ehrnbschneiderei, den ein mir bis jetzt eng verbundener Kreis von Menschen konstatiert, z w i n g t mich, allem Irdischen zu e u t s a g e u. Da es für mich zurzeit keine Möglichkeit gibt, auf dem kavaliermäßigen Wege mit der Waffe in der Hand meine zertretene, vor allen Freunden bloßgestellte Ehre zu reinigen, da militärischerseits die Ehrengerichte nicht mehr existieren, akademische Korporationen mir als Juden nicht Wasfenschutz geben, .kurzweg mir das Recht der Satisfaktion nicht zugebilligt wird, wird jeder anständige Mensch eS für begreiflich finden und mich nicht für irrsinnig erklären, wenn ich den einzigen Weg nehme, der inir offen steht. Zum Verbrecher will ich nicht werden, niedriger Rachsucht will ich nicht nachgeben. So bleibt für mich nur das eine: Durch meinen Tod anerkannt zu wissen, daß ein Deutscher jüdischer Geburt, der sein ganzes Leben nur den hohen Idealen besten Menschen- und Volkstums nachgestrebt zu haben glaubt, trotz aller seiner Laster und Fehler, auch ein Mensch von Ehre und Anstand sein kann. Es ist mein glühendster Wunsch, den ich mit ins Grab nehmen will, das; Deutschland nnd fein armes verblendetes Volk eines Tages frei von allen Binden, die ihm jetzt die Sehkraft seiner Augen verhüllen, aufs neue nnd für immer zu Macht nnd Blüte gelangen möge, besser a n A r t wie die vergangene, nnv erst ii n g l i ch a n D a n e r und W e rt. gez. Maximilian Spaeth."

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