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Central-Verein-Zeitung · 1931-11-01 · Heft 11 (November 1931) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1931
Issue
Heft 11 (November 1931)
Date
1931-11-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Monatsausgabe November 1931 [etifral Worein Blätter für deutfehtum und Judentum. dryandes tentratVereins^eutfekexl^, Staatsbürger Mdifctien ötaubens tJ, Allgemeine Zeifun^ desDudenfums Spanien Durch Beschlüsse der spanischen Nationalversammlung sind die religiösen Orden der katholischen Kirche unter eine drückende Sondergesetzgebung gestellt worden. Kirchlich gesinnte Abgeordnete der Nationalversammlung haben daraufhin das Parlament verlassen, und die junge Republik steht neuerdings vor schweren Erschütterungen ihres notdürstig gesicherten inneren Gefüges. Dieser Vorgang berührt uns Juden ganz besonders. Wir wissen nur zu gut, was Ausnahmegesetze und Religionsversolgungen bedeuten. Wir Juden haben durch unsere Geschichte, durch unsere seelische Einstellung warmes Verständnis für alle, die um ihrer Religion willen Not leiden. Hunderttausende aufrechter Katholiken hängen in Spanien an ihren religiösen Einrichtungen mit ganzem Herzen. Wir fühlen mit ihnen das Leid, wenn sie dieser religiösen Stütze beraubt werden und ihnen in Gewissenssachen Zwang angetan wird. Mögen die Dinge im einzelnen liegen, wie sie wollen, es wird innner schweres Unrecht bleiben, religiöse Einrichtungen unter Ausnahmegesetz zu stellen. Wir können nur wünschen, daß auch in Spanien Duldsamkeit und gegenseitiges Verständnis und damit die Kräfte zum Durchbruch kommen, die allein den inneren Frieden sichern können. Ealmttte Mt Clinton Im Verlauf des Lübecker Prozesses war die Behauptung aufgestellt worden, der Pariser Gelehrte Dr. C a l m e t t e habe früher Calmon geheißen und sei sicher jüdischer Abstammung. Auf Grund genauer Informationen sind wir m der Lage mitzuteilen, daß Dr. Leo n Charles Albert Calmette, am 2.Juli 1863 in Nizza geboren, einer rein katholischen Familie entstammt. Seine Gattin gehört der Aristokratenfamilie de la Salle an. Sein Bruder Gaston Calmette ist Direktor der katholischen Zeitung „Le Figaro" gewesen. Diejenigen, die den Erfolg wieder einmal statt nach der sachlichen Leistung nach der vermeintlich jüdischen Abstammung des Entdeckers bewerten wollten, mögen an dieser Auskunft erkennen, daß sie auf dem Holzwege sind. AUS DEM INHALT: Dr. Else Ulich-Beil (Dresden): Nationalsozialismus und Frauenbewegung S. 72 „Deutsch ist, wer deutsch fühlt“ ... S. 73 A. W.t Deutscher Adel 1931.S. 74 Eduard Engel.3. 74 Theodor Kappstein: Israels Propheten, soziale Sendboten an die Gegenwart.3. 75 Rationalismus in Deutschland Aussprache über Theorie und Praxis Die Zdee des Nationalismus Non Or. Hans Herzfeld Die Politische Lage der Gegenwart ist durch das liebergewicht tiefgehender Strömungen im Volke, in denen sich teils revolutionär, teils reformistisch der Wille zu einer Neuformung der staatlichen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse kundgibt, charakterisiert. Mit Recht hat inan diese Strömungen, da sie ein elementares und dynamisches Geschehen sind, Bewegungen genannt. Im Wesen der „Bewegung" liegt ihr mitreißender, aktivistischer Zug, liegt ihre Kraft und Unentrinnbnrkeit, liegt aber auch ihre fast notwendige Formlosigkeit: das Schillernde, Vage und Wechselnde ihrer Gestalt. So ist es ohne weiteres erklärlich, daß die beiden großen Bewegungen unserer Zeit — denn nur der Sozialismus und der Nationalisinus verdienen den Namen „Bewegung" —, daß diese Bewegungen Partei übergreifend sind, daß ihr Elan in dieser oder jener Form in fast allen deutschen Parteien durchbricht, so daß sie heute das politische Leben Deutschlands in immer stärkerem Maße bestimmen. Bewegungen sind stets aus historisch-schicksalshaften Notwendigkeiten erwachsen. Sie sammeln sich lange Zeit unterirdisch, werden durch Zeituinstände gespeist und stoßen schließlich mit elementarer Wucht hervor. Immer also sind sie notwendig, gewissermaßen organische Prozesse, nie „gemacht" —wie sich der Gegner allzugern Vortäuschen möchte. — Der Ursprung und die Notwendigkeit der sozialen Bewegung sind heute fast allen so klar und selbstverständlich, geworden, daß man darüber im Prinzip kaum mehr ein Wort verliert, um sich allerdings um so schärfer hinsichtlich Art und Tempo der Verwirklichung sozialer Forderungen zu scheiden, ja mit absoluter Gegnerschaft zu bekämpfen. Anders steht es bei der nationalen Bewegung in Deutschland. Ihr Prinzip ist durch eine Verzerrung ihres Wesens so sehr von Vorurteilen und Unklarheiten getrübt, daß der Nationalismus heute noch — während er schon durch den Willen von Millionen deutscher Menschen emporgetragen wird — von vielen prinzipiell abgelehnt wird. Und an dieser Ablehnung ändert nichts, daß man heute den Ursprung des Nationalismus als ebenso notwendig erkennen muß lute den Ursprung des Sozialismus. Die Demütigungen, die das deutsche Volk nach seiner Niederlage erdulden mußte, die Unentschiedenheit und Zerrissenheit^Gp»tzV,tj>uüMff!HLage, die kata- , MBk« strophale Uneinigkeit seines politischen Willens und eine psychologisch oft verkehrte Führung, alles das waren die Quellen, aus denen die Sehnsucht nach der geinten, gefestigten, starken Nation, und damit der Nationalismus, gespeist wurde. Der Nationalismus erwuchs mit geschichtlicher Notwendigkeit, und es ist falsch, ja unklug, ihn als Täuschungsmanöver der Reaktion oder des Kapitalismus hinzustellen. Mit solcher Meinung verkennt man sowohl das Wesen wie die innere Schlagkraft des deutschen Nationalismus, der im Kern keine Attrappe, sondern eine gesunde Bewegung ist. Denn was ist der Kern des Nationalismus, dem er seine eigentliche, tiefgehende Schwungkrast verdankt und um dessentwillen er heute eine Macht in Deutschland ist? Es ist der Urwunsch nach der im Innern solidarisch geeinten und nach außen geschlossen auftretenden Volksgemeinschaft, es ist der Urwunsch, daß Deutschland endlich in schwerster Zeit zur Nation werde. Ist erst einmal — so formuliert der Nationalismus — die geeinte Volksgemeinschaft vorhanden, dann hat man das Fundament für die Neugestaltung des Deutschen Reichs; die geeinte Nation wird organisch die sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten meistern, weil sie ein solcher Gemeinschaftskörper sein muß, der im Willen einheitlich und im Handeln, solidarisch ist. Die wahrhaften Nationalisten halten diesen nationalen Kerngedanken für den schlechthin konstruktivsten Gedanken unserer Zeit, weil er — so viele Faktoren ihn auch gegenwärtig bis zur Aussichtslosigkeit hemmen — dennoch die Ele? mente des Aufbaus eines Deutschlands in sich enthält, das ohne Verlust seiner reichen kulturellen und wirtschaftlichen Gliederung eine gerechte Neuordnung nach innen und ein starkes Selbstbewußtsein nach außen schafft. Die Berechtigung des Nationalismus aus Grund des idealen Schwunges seiner Kernidee wird nur der leugnen, der jeden Nationalismus überhaupt prinzipiell ablehnt. Darüber hinaus müssen wir aber seststellen, daß außer diesen prinzipiellen Gegnern auch prinzipiell Wohlmeinende dem deutschen Nationalismus skeptisch oder ablehnend gegenüberstehen, und zwar aus Gründen, die weniger in seinem Wesen als in ferner gegenwärtigen, hauptsächlichen Erscheinungsform zu suchen sind. Wir wissen: was den Nationalismus in Deutschland so strittig und vor allem für die deutschen Juden so überaus belastend macht, das ist seine auf breiter Front vollzogene völkische Radikalisierung. Indem man den großen Gedanken der Volksgemein-

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