Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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-s unddreißig Monarchen" schlief, erwachte. Dieses Erwecken zun: Leben ist die Aufgabe des Dichters: „Trommle die Leute aus dem Schlaf, Trommle Revetlle mit Jugendkraft, Marschiere trommelnd immer voran, Das ist die ganze Wissenschaft Er liebte und schätzte Frankreich mtb sah seine edelsten Pflichten in der Versöhnung dieser beiden Länder. So heißt es in seinem Testa,nent vom 13. November, 1851: „La grande affaire de ma vic eiail de tra- Vailler ä iententc cordiale entre FAllemagne et la France et ä dejouer les malefices des ennemis de la democratie, qui exploileni ä leur Profit les prejuges et les animosites inlernalionauxttl°). Als das endgültige Bekenntnis Heines zu seinem Vaterlande, das seine kritisch-abgreuzende, aber tiefe Stellung 311 Deutschland zeigt, mögen folgende Zeilen aus dein Vorwort zu „Deutschland, ein Wintermärchen" gelten: Pflanzt die schwarz-rot-goldene Fahne auf die Höhe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien Menschiums. und ich will mein bestes Herzblut für sie hingeben. Be* r u big t euch, ich liebe das Vater * l and ebensosehr tv ie ihr. Wegen dieser Liebe habe ich dreizehn Jahre im Exil verlebt, und wegen eben dieser Liebe kehre ich wied er zurück ins Exil. . . Ich bin der Freund der Franzosen, wie ich der Freund aller Menschen bin, wenn sie vernünftig und gut sind... Seid ruhig, ich werde den Rhein nimmermehr den Franzosen abireten, schon aus dem ganz einfachen Grunde: weil mir der Rhein gehört. Ja, mir gehört er, durch unveräusserliches Geburtsrecht, ich bin des freien Rheines noch Weit freierer Sohn, an seinem Ufer stand meine Wiege, und ich sehe gar nicht ein, warum der Rhein irgendeinem andern gehören soll, als den Landeskindern. Eisass und Lothringen kann ich freilich dem Deutschen Reiche nicht so leicht cinverleiben, wie ihr es tut. . . Indessen, die Elsässer und Lothringer werden sich wieder an Deutschland - anschliessen, . .. wenn wir die Dienstbarkeit bis in ihrem letzten Schlupfwinkel, dem Himmel, zerstören, wenn wir den Gott, der auf Erden im Menschen wohnt, aus seiner Erniedrigung reiten, wenn wir die Erlöser Gottes werden, wenn wir das arme, glückenterbte Volk und den verhöhnten Genius und die geschändete Schönheit wieder in ihre Würde einsetzen, wie unsere grossen Meister gesagt und gesungen, und wie wir es wollen, wir, die Jünger. — Ja, nicht bloss Eisass und Lothringen, sondern ganz Frankreich, wird uns alsdann zufallen, ganz Europa, die ganze Welt — die ganze Welt wird deutsch werden! Von dieser Sendung und Universalherrschaft Deutschlands träume ich oft, wenn ick unter Eichen wandle. Das ist mein Patriotismus." pritz Aronstein. Bom". .in Rußland Von katholischer Seite (Tat-Verlag in Köln) sind soeben zwei Schriften erschienen, eine, die umfangreichere, von Jakob Nötges 8. J., „Katholizismus und K 0 m m u n i s m u 8", und eine von dem weitbekannten Jesuitenpater Friedrich Mu cke rmann, „Der Bolschewismus droh t". Die Broschüren legen den Kampf des Bolschewismus gegen die Religion, natürlich auch gegen die jüdische, in Wort und Bild dar und beweisen die Unduldsamkeit des Bolschewismus, ja, seine bittere Feindschaft und Zerstörungswut gegen alle religiösen Einrichtungen, wie Kirchen, Klöster, Synagogen. Das Judentum, das genau weiß, was Verfolgung bedeutet, wird nicht nur aus diesen: Grunde, sondern auch aus hoher Achtung vor der religiösen Ueberzeugung anderer und aus dein Wunsch heraus, daß diese unbedingt in ihrer Ausübung geschützt werden müsse, schmerzlich bedauern, ") In der Uebertragung: „Das große Ziel meines Lebens war, für das Zustandekommen eines Einverständnisses zwischen Deutschland und Frankreich zu arbeiten und «den Uebeltaten der Feinde der Demokratie entgegenzutreten, die zu ihrem eigenen Vorteil die internationalen Vorurteile und Feindseligkeiten ausnützen." Die Schriftleitung. wie in Rtißland die Kirchen gewaltsam geschlossen und zu Garagen, Lichtbildtheatern oder Klubs, ähnlich den Synagogen, mngewandelt worden find. Das religiöse Judentum sieht in dieser bvlschewistischen Grundeinstellung eine Bedrohung der Gewissensfreiheit schlechthin, für die einzutreten es stets offen und freimütig bereit ist. Ganz gleichgültig aber, wie jeinand zur Religion steht — er wird es als taktlos und schwer kränkend eiupfinden, daß man den Gott des Judentums genau so wie die Heiligen und Symbole der christlichen Kirche in Zeitungen, Flugblättern und in den in jeder Stadt befindlichen antireligiösen Museen übel karikiert und Mit niedrigem Spott belegt. ____, Stiftungen humanitärer und kultureller flvt Das Lebensbild des großen deutschen Philanthropen James Simon, das anläßlich seines 80. Geburtstages in der letzten Nummer der C. V.-Zeitung entworfen wurde, zeigte ihn als Förderer jüdischer Wohlfahrt und deutschen Kultirrgutes. Diese Großzügigkeit und Vorurteilslosigkeit, die sich darin zeigt, daß in den Stiftungen humanitärer und kultureller Art die Schranken der Konfessionen zugllnsten der attgemeillen Wohlfahrt überlvuudeu werden, beweist glich die amerikailische Judenheit. Wie die „Jta" mitteilt, haben die Juden der Vereinigten Staate:: vor: Aiuerika in den: Zeitraum von September 1930 bis September 1931 über 56 Millionen Dollar für jüdische und allgemeine Wohlfahrtszwecke in Amerika ausgegeben. Fast die Hälfte dieser Summe floß der allgemeinen Wohlfahrt zu. Zahlreich sind dabei auch die Stiftungen. So hinterließ Oberst Michael Friedsam dem IVletrovolitan IVlugeum ok Art eine Kunstsammlung nn Werte von 10 Millionen Dollar, der verstorbene Daniel Guggenheim vermachte dom Guggenheim-Fonds für Flugwesen 1975 000 Dollar und Julius N 0 s e n w a l d stiftete eine Million Dollar für die Errichtung einer Kinderzahnklinik in Berlin. Rabbiner vr. öaeck über: Die Sprache -es Gottesgelehrten Der Deutsche Sprachverein veranstaltete am 8. Oktober im Schöneberger Rathaus einen Vortragsabend, bei dem Theologen der drei Bekenntnisse über die Sprache des Gottesgelehrten sprachen. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden, Landgerichtsdirektor W a ch l e r , ergriff Professor D. Dr. Hermann Wolfgang Beyer (Universität Greifswald) das Wort zu einer Ansprache, die den Gegenstand vom Standpunkt des Protestanten aus würdigte. Ihm folgte Professor Dr. Karl E s ch w e i l e r (Akademie Braunsberg, Ostpreußen), der die Stellung - der katholischen Kirche zur Sprache zum Ausdruck brachte. Als dritter Redner sprach Rabbiner Dr. Baeck. Er führte etwa folgendes aus: „Die Sprache ist ein Erbe, das uns durch Geburt zuteil wird. Sie ist ein Erbe, das man erwerben muß, unr es zil besitzen. Im Sprechen ist jeder ein Künstler, oder er sollte es sein. Wenn das Kind spricht, dann dichtet es. Es hat seine eigene Sprache. Später geht ihm dann leider Stück für Stück seiner Unmittelbarkeit verloren. Sprache aber sollte immer nur eigene Sprache sein. Wenn Gefühle schöpferisch werden, dann beginnt die eigene Sprache zu sprechen, die Sprache beginnt sich zum Eigenen zu gestalten. Ebenso ist es in allen: Geistigen. Neues Denken ist neues Gestalten der Sprache. Alle Religion ist der Versuch, das Unaussprechbare aussprechbar zu machen, dem, was über das Wort erhaben ist, das Wort zu geben. Sie ist ein Ringen um das Wort, ein Kampf um die Sprache. Ihr ist die Ausgabe gegeben, vom Göttlichen, Unendlichen, Ewigen, von dem, was wir in uns erleben, zu künden. Das Geheimnis erschließt sich nur dem, der in sich das Geheimnis erfahren hat. Daher kann man nur ichhaft davon spreche::. Wer in entliehenen Worten, in Fremdworten davon sprechen wollte, der wollte in Fremden: davon reden, wovon nur Eigenstes, nur Ich reden kann. Von dein, was im Eigensten unsagbar ist, kann der Mensch nur dichten. Und dichten kann er nur aus den Urgründen seines Jchs hervor, nur in der eigenen Sprache. Nur wer so ein Dichter ist, kann ein Gottesgelehrter sein. Nur im Gleichnis kann :nan von: Göttlichen sprechen, im Gleichnis des Dichters. So wird das Fremdwort zur Unechtheit oder zu einer Pflicht vor der Aufgabe, zu einen: Stehenbleiben aus halbem Wege. Wer sich mit der „Terminologie" begnügt, hat sich mit dem Schein begnügt, wo Echtes verlangt wird. Werke echter Frömmigkeit sind immer auch Werke echter Sprache gewesen. Nur aus dem Ich hervoraus dem Geheimnis, das der Mensch im Ich erlebt, vermag er vom Göttlichen zu sprechen. Darum ist manches in der Theologie ungöttlich, fast gottlos, weil es sich mit der .„Terminologie" begnügt, wo es.sprechen sollte. Es ist nicht immer leicht, den Kampf zu bestehen. Das schwerste Ringen ist das Ringen um den Ausdruck, der Kampf, das zu benennen, das sagbar zu machen, was unsagbar ist. Mer nicht den Willen zu diesem Kampf hat, sollte fern bleiben. Wer die Gelegenheit findet, Völker und Länder zu beobachten, der wird immer, eines erkennen: die Liebe zum Vaterland, die Ehrfurcht vor ihm i ft bedingt dur ch^.d i e Liebe zu seiner Sprache. Die Völkex/auf die w:r neidvoll sehen, Frankreich, Italien, sind ausgezeichnet durch eine ehrfürchtig^'Liebe zu ihrer Sprache. Es ist nicht nur Angelegenheit der Sprachkunde, sondern tiefste Angelegenheit des Vaterlandes ,-"oh,.W Ehrerbietung vor der Sprache ' im Volke lebendig ist. Elnuso ist es mit der Religion.-Jede Religion ist der Versuch, das Unaussprechbare aussprechbar werden zu lassen. , Her ,selbst einmal um das Letzte gerungen hat, wird Ehrerbietung haben vor jedem, der darum ringt. Es ist ein altes Gleichnis, daß im Hunmel droben die DiAier Gottes singen und musizieren, Gott der Herr aber spricht. Die Welt der Töne vermittelt zwar auch Kunde aus der Himmelswelt, aber über ihr steht die Welt des Wortes. „Gott sprach, das Wort des Ewigen erging", so heißt es. Vom Letzten zu künden, vermag nur die Sprache. In anderen Wissenschaften - kann sich der Mann der Wissenschaft mit der Terminologie begnügen. Der Gottesgelehrte darf dort nicht stikestehen. Seine Sprache zeigt, ob er Echtes oder Unechtes kündet, ob ein Kämpfender dasteht oder einer, der die Flucht ergriff. Jakob rang mit Gott und wurde Israel —' so ist auch der Gottesgelehrte ein Kämpfer, der mit Gott und dem Ausdruck des Göttlichen kämpft." Im Schlußwort betonte der Vorsitzende, daß die Sprache und ihre Pflege ein einigendes Band un: alle Bekenntnisse schlinge, wie der gelungene Abend dargetan habe. Auch. wir können den: Sprachverein für seine Veranstaltung und den Rednern für ihre Worte nur herzlich dankbar sein. vr. E. R. - Verlag: Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. B., Berlin W 15, (Stufet Str. 42. Tel.- Adr.: „Ceutralglauben Berlin". Postscheck: Berlin 30472. Hauptschrifteiter i. V.: Dr. Alfred Wien e'r. Verantwortlich: Dr. Margarete Edelheim. Beide Berlin W 15. — Druck: Rudolf M 0 s s e, Berlin.