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Central-Verein-Zeitung · 1931-10-01 · Heft 10 (Oktober 1931) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1931
Issue
Heft 10 (Oktober 1931)
Date
1931-10-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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wonatsausgabe Oktober 1931 l^nfrol lmiti -4-V4- Vlätter füröeutfektunr und Jiwntmn, 'Vryanöes tentralVereiusöeutfeKex^ LtaatsbüryerMöisetren Klaubens e.V. Allgemeine Zeifung desDudentums sraifer Friedrich Au feinem 10V. Geburtstage am 18. Oktober 1931 Als Kaiser Friedrich im März 1888 nach dem Lode des einundneunzigjährigen Vaters aus der Wärme und dem Glanz der Riviera in den eisigen Winter der Heimat zurückkehrte, empfing ihn aus dem Bahnhof in München der preußische Gesandte Graf Eulenburg. Eulenburg notiert: „Noch einmal grüßte der Kaiser hinauf, dann stand er hinter den rauchgeschwärzten Fenstern 'wie ein Schattenbild — so entschwand er meinen Blicken." So. steht Kaiser Friedrich auch in der deutschen Geschichte wie ein Schattenbild. 57 Jahre war er alt, als er endlich zur Kaiserwürde berufen wurde. Jahrzehntelang hatte er sich, zusammen mit der gleichgesinnten und hochgestimmten Frau, der klugen und leidenschaftlichen Tochter der Königin Viktoria von England, auf seinen Beruf vorbereitet. Liberal aus eigener Ueb'erzeugung, in dieser Ueberzeugung bestärkt und vertieft durch Mutter und Gattin, stand er von Anfang an m schroffer Opposition zu dem konservativ-reaktionären Regiment in Preußen. In den 60er Jahren gab er seinem Widerspruch gegen die die Pressefreiheit knebelnoen Ordonnanzen noch offenen Ausdruck. Dann verstummte er, von Bisinarck der Politik ferngehalten und jedes Einflusses beraubt. Den eigenen Kriegsruhm schätzte der „Sieger von Wörth" nicht hoch. Er wußte, daß nicht er, sondern sein Generalstabsches von Vlumenthal für die ihm Zugeschriebenen Erfolge verantwortlich war. Als die Heerführer nach der siegreichen Beendigung des Krieges mit Dotationen bedacht werden sollten, wollte der Kronprinz nicht berücksichtigt werden: es sei schon schlimm genug, daß die Prinzen den Generälen oie höheren Kommandostellen lind den Ruhm wegnähmen. Im Gegensatz zu seinem Vater, der König von Preußen bleiben wollte lind dem 'der Titel'des Deutschen Kaisers nichts sagte („Was soll mir der Charaktermajor?"), stammte er von Anfang an in Begeisterung für Deutschlands Einigung, stand Bismarck in seinen Bemühungen gegenüber Wilhelm I. bei, beklagte den langsamen Fortschritt der Verhandlungen und die Mängel und Unzulänglichkeiten der vollzogenen Einigung. Er gelobte sich, wie sein Kriegstagebuch ergibt, dereinst arn freiheitlichen Aufbau der auf den französischen Schlachtfeldern errungenen Reichseinheit zu schassen. In der liberalen Aera der siebziger Jahre, in der Bismarck der nationalliberälen Partei zunächst noch freie Hand ließ, fühlte auch Kronprinz Friedrich Wilhelm sich einigermaßen wohl. Als Bismarck den Bruch mit-dem Liberalismus vollzog, trat auch der Kronprinz wieder in stillschweigende Opposition. Er knüpfte Verbindungen mit den liberalen Führern an: mit Max von Forckenbeck, Franz von Stauffenberg, Ludwig Bamberger. Als Eduard Laster Anfang 1884 in New Aork, auf einer Besuchsreise zu seinen: nach Amerika ausgewanderten Bruder, gestorben war, sprach das amerikanische Repräsentantenhaus dem Deutschen Reichstag sein Beileid ^um Verlust des hochverdienten Mannes aus. Bismarck, dem der amerikanische Gesandte diese Adresse zur Weiterleitung an den Reichstag übergab, wies dies Ansinnen zurück — wie durfte ein fremdes Parlament seinen innenpolitischen Gegner ehren! Als dann in der Singakademie die Gedächtnisfeier abgehalten wurde, die sich durch Vambergers große Rede zu einer der ergreifendsten Totenehrungen gestaltete, fehlte auf Bismarcks Geheiß die gesamte offizielle Welt — nur über der Eingangstür hing.ein großer Kranz, vom Kronprinzenpaar gesandt. In: Anschluß an diese Feier lud der Kronprinz Bamberger zu sich und hatte mit ihn: ein einstündiges aufschlußreiches Gespräch, in dem er freilich der resignierten Stimmung Ausdruck gab, daß er zu spät zur Herrschaft kommen würde. Mit großer Spannung verfolgte er die Entwicklung der liberalen Bewegung. Als Forckenbeck in einer Massenkundgebung in: Zoologischen Garten zur Gründung der großen liberalen Partei aufries, sagte er ihm: „Ihrer Rede habe ich zugejubelt." Sorgfältig beobachtete er die liberalen Parteien und ihre Führer, schmerzlich enttäuscht, als die Vertrauten, auf deren einstige Mithilfe er gerechnet hatte, einer nach dem andern vor ihn: starben. Die Kaiserin Friedrich hat an einer Stelle ihrer Tagebücher, die in England aufbewahrt werden, verzeichnet, daß Kaiser Friedrich an ein Kabinett mit Forckenbeck als Innenminister, Schräder als Eisenbahnm i n i st e r, V a m b e r g e r als Finanzm i n i st e r gedacht hat. Es kau: nichts zur Ausführung. Anfang 1887 war der Kronprinz von einer rätselhaften Heiserkeit befallen worden. Als einfache Mittel gegen den verineintlichen Katarrh nichts halfen, wurde der Berliner Spezialist Gerhardt hinzugezogen, der die im Kehlkopf entstehenden Neubildungen n:it Glühdraht zu zerstören suchte. Das Leiden verschlinnnerte sich. Eine Konsultation der hervorragendsten deutschen Aerzte an: 18. Mai ergab die Diagnose: Kehlkopfkrebs. Der berühmte Chirurg Geheimrat von B e r g n: a n n schlug die freilich lebensgefährliche Operation vor. Die Kronprinzessin war sogleich einverstanden und hals an den Vorbereitungen mit. Der Kronprinz wurde über den Charakter des Leidens und die / von Or. Ernst Feder (Berlin) Natur der Operation vorläufig nicht aufgeklärt. Da erhob Bismarck Einspruch. Auf seme Anreg:u:g wurde eine Liste der hervorragendsten ausländischen Autoritäten zusanunengestellt. Die Wahl der deutschen Aerzte fiel auf den berühmten englischenLaryngologen MorellMackenzie. Böswillige'Legende ist die Behauptung, daß die Kronprinzessin aus politischen Gründen zur Verhinderung der Operation die Berufung des englischen Arztes veranlaßt habe. Tatsächlich sagte Bismarck der Kronprinzessin, seine Frau empfehle ihr, die Operation nicht zuzulassen, worauf die Kronprinzessin erwiderte, man müsse sich der Entscheidung der Aerzte beugen. Mackenzie riet von der Operation ab, zumal Virchow in abgekniffenen Stücken keine Spur krebsartiger Erkrankung fand. Erst im November 1887 mußte auch der englische Arzt das Vorhandensein des Karzinoms zugeben, und der Mann, der am 11. März in den mühsam geheizten Zimmern des Charlottenburger Schlosses eintraf, war, trotz aller Schwankungen des rätselhaften Leidens, ein zun: Sterben kranker Mann. Von feiner Frau unterstützt, die die entsetzliche Bangigkeit und Verzweiflung in iurmer erneutem Optimismus erstickte, hat er 99 Tage lang mit heldenhafter Geduld die Regierungsgeschüste besorgt. Nicht Hu denken war an die Erfüllung des den: Kaiserpaar gemeinsamen Ideals: den Preußischen Militärstaat in einen nwderuen Verfassungsstaat umzuwandeln. Nicht zu denken an irgendeine eingreifende Aenderung. Sie standen fast isoliert. Bismarck beherrschte den ganzen Veamtenapparat und: den größten Teil der Presse. Eine Verleumdungskampagne sondergleichen wurde gegen die Kaiserin und damit zugleich gegen den Kaiser eröffnet. Gern hätte der Kaiser den Hofprediger Stöcker entfernt. Bisinarck behandelte die Sache dilatorisch, l!IIIIlIIIIIIIIIIlIIIIIIIIIIIIIIlIIIII»IIIIIIIIIIII»III!IIIIIIIl!IIIII!II!IIIIlIl»IIIIMIllII!IllIlllIlllllI AUS DEM INHALT: Rabbiner Dr. J; Unna, (Mannheim): Mensch und Tier in biblischer Auffassung.S. 62 Studienrat H. A.Wintrath (Rheinhausen, Ndrh.): Deutschland erwache .S. 65 Theodor Kappstein: Israels Propheten soziale Sendboten an die Gegenwart. S, 67 Rabbiner Dr. Baeck: Die Sprache des Gottesgelehrten.S. 68

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