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Central-Verein-Zeitung · 1931-09-01 · Heft 9 (September 1931) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1931
Issue
Heft 9 (September 1931)
Date
1931-09-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M-natsausgabe September 1931 [introt l?relti gf.ftettT MLSÄLLjÄLLkESr» Allgemeine Zeifung desOudentuma Älngriff auf die Seele Von Michael MüllerClauöius Nachstehende Ausführungen entnehmen wir dein sehr beachtenswerten Aufsatz: „Antisemitismus als Angriff auf die Seele" von Michael Müller-Claudius, der in Nr. 2 des 7. Jahrganges der Zweimonatsschrift: „Der Morgen" erschien. Der Aufsatz ist auch als Sonderdruck in der „Morgenreihe" erschienen und zum Preise von 60 Pfennig durch den Philoverlag, Berlin W. 15, zu beziehen. Die Schristleitung. Daß der Antisemitismus ein Angriff aus die Seele des jüdischen Menschen ist — das ist das zunächst Sichtbare. Er ift ein Angriff aus seinen Menschenwert und ein Angriff aus seine rechtliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Existenz, hierzulande auch ein Angriff aus sein Deutschbewußtsein. Aber mehr und mehr wird dem Psychologen sichtbar: Der Antisemitismus bleibt nicht nur ein Angriff aus den Juden, sondern er wird zum Angriff auf die Seele des deutschen Menschen überhaupt. Wer dies sieht, muß es sagen, auszeigen. Es ist einfaches Gebot der Verantwortung. Antisemitismus wird zu einem entstaltenden Angriff auf tiefe Lebensenergien — nicht nur des Angegriffenen, sondern des Angreifers selbst. Zumal in den jungen Menschen übt er Suggestionen aus, die auf den gesunden Entwicklungsgang geradezu lähnrend wirken. Er wird so zu einem unmittelbaren Problem der Jugendpsychologie und der Erziehungswissenschaft. Vor jeder grundsätzlichen Erwägung sei gestattet, die verdorrende Wirkung des Antisemitismus auf die geistige Leistungskraft der jungen Menschen an einer typischen Begegnung zu veranschaulichen. Unterprima eines Nealgymnasiums. In ihr ragt ein junger Mensch, Konrad B., hervor durch Energie und Eigenwilligkeit der Seele und der Leistung. Er befindet sich durchaus noch in Gärung, aber miteiner für sein Alter ungewöhnlichen Intensität hebt er die halb dunklen Gärungsprozesse in seinem Innern ins Licht des Bewußtseins und des Bewältigungswillens herauf. Ein Mensch mit angeborenem metaphysischem Tiefengefühl, infolgedessen auch mit starker psychologrscher Einfühlungsgabe, beides vereint mit der Fähigkeit zu überzeugender und plastischer Kraft des Wortes. Ein Mensch, der sich nichts leicht macht, tief ergriffen von allem Bewegten in Geschichte und Gegenwart; rastlos in ihm der Wille, in allem Geistigen bis zur metaphysischen Wurzel vorzudringen, ein Mensch also, der viel an sich und der Welt leidet. Seine schwache Seite ist die Mathematik. Hier hat er schon in früheren Klassen nur mit Mühe und nicht immer den Durchschnitt erreicht. Er konnte nur nach Unterprima versetzt werden, weil er im Deutschen ein vorzügliches Prädikat aufzuweisen hatte. In Unterprima häufen sich die Schwierigkeiten. Es liegt hier der typische Fall vor, daß Erfolglosigkeit Abneigung erzeugt. Mathematik und alles Verwandte ist ihm „widerlich", sein Interesse liegt auf anderen Gebieten — die Mathematik verfällt einer ganz begreiflichen Vernachlässigung. Er wird aber bald den Entschluß fassen müssen, seine mathematischen Kenntnisse systematisch nachzuholen; es ist sonst höchst Zweifelhaft, ob er dre Versetzung nach Oberprima erhält. Für ihn wäre das aber eine Lebensgefahr. Er ist der Sohn eines Arztes, der früh gestorben ist, die Mutier, angestrengt berufstätig, dabei selbst gesundheitlich leidend. Es ist ihr nur vermöge emes kleinen - Stipendiums uröglich, dem Sohn die Ausbildung auf einer höheren Schule zuteil werden zu lassen, und eben dies Stipendium wird nicht weiter gewährt, wenn der Sohn „sitzen bleibt". Aber es ist ganz zweifellos, daß er bei seinem allgemeinen Vegabungs§ustande auch in der Mathematik den Durchschnitt erreicht, wenn er nur seine alten Lücken auffüllt, um dem Unterricht ungehemmt folgen zu können, und Konrad B. weiß das. Da kommt er in Berührung mit den Jdeenkreisen der Güntherschen Nassentheorie. Rassenethik. Erneuerung des Volkes aus der Strenge des Rassenbewußtseins. Weltordnung durch Rassenoronung. Der nordische Gedanke. Die Edelrasse. Rettung der Kultur durch Aufnordung. Diese Gedanken bewähren immer wieder eine überaus starke, befreiende Suggestivität gerade auf junge Menschen, die an der Krisis der Zeit leiden und uns ihrem eigenen, gärenden, unsesten Innern, aus ihrer Erfahrungslosigkeit heraus keinen Ausweg zu sehen vermögen. In der Nassentheorie stellen sich eindeutige, handfeste Formen vor sie hin, scharf, klar, fordernd, dazu in den: Ueberzeugungsgewand naturwissenschaftlicher Gewißheit. Hier ist Erlösung. Alles Schicksal steht in der Nasse. Bekenne dich zur Nasse, und du bekennst dich zur Rettung der menschlichen Werte! . . . Eben dies Unkornplizierte der Forderung ist das Bestechende und Erlösende. Hier ist ein Weg, den der junge, aufgewühlte Merrsch von Stund ab gehen kann — jetzt hat er Inhalt, Richtung, Ziel, Selbstbewußtsein, diese vier, die in jeder Zeitkrise so unerträglich erschüttert und verdunkelt werden. Die vorgetragenen Rassenlehren machen auf Konrad B. tiefsten Eindruck. Üm so rnehr, als er selber, hochgewachsen, blond, blauäugig, von geschmeidiger Körperkrast, sich mit Recht als einen Urtyp der nordischen Rasse erkennt. Mit inbrünstiger Bejahung nimmt er den „nordischen Gedanken" an, spinnt ihn in seiner Weise ins Religiöse, Methaphysische, Künstlerische hinein, ja er nimmt ihn auf als streng verpflichtendes Maß der Lebenshaltung und der Seelenpflege. Was dem „nordischen Gedanken" seine Plastik gibt, ist, daß er ein ganz eindeutiges, klares Kampfziel bietet: den jüdischen Menschen. Dadurch erhält er seine jugenopsychologische Eindringlichkeit. Denn der junge Mensch ist kampflustig, und er sucht nach konkreten Kampfzielen. Es gibt kein primitiveres und konkreteres als das des Antisemitismus. Und auch Konrad B. empfindet den Kampf gegen das jüdische Wesen mir heftiger und plötzlicher Leidenschaft als heilige Pflicht. Da er nun seine Lebens- und Kampfpslicht so vollständig aus dem nordischantisemitischen Gedankenkomplex deutet, oder schärfer gesagt: da seine gefaulte Lebensdeutung unter der Suggestion des nordisch-antisemitischen Gedankenkomple^es steht, eröffnet sich ihm von da aus auch eine ganz seltsame Deutung seiner geringen mathematischen Erfolge. Mathematik ist — so etwa verdichtet sich seine Ueberzeugung — nicht eine Angelegenheit meines eigentlichen Wesens. Es ist in mir ein ganz bestimmter Instinkt gegen sie wach. Der Instinkt aber ist ursprünglicher als der Intellekt. Der Instinkt wurzelt in der rassischen Erbmasse; gerade in ihm offenbart sich mein rein nordisches Wesen. Alles Mathematische, das Vergnügen am Rechnen, Berechnen und Ausklügeln, die Lust an Zahlen und am Unlebendig-Abstrakten, das ist nicht nordische Art, das ist feiges, intellektlüsternes Asiatentum, von Juden in das tatfrohe Germanentum hineingeschleppt. Weil ich rein nordisches Wesen verkörpere, ist Mathematik mir wesensfremd, wird sie mir nie eingehen. Ich kann nicht asiatisch-mathematisch denken. Es ist mir rassisch-wesensmäßig unmöglich. Daß ich es nicht kann, ist nicht Fehler, sondern Stärke, Rassenreinheit, das reine nordische Erbe, das keinen Kompromiß kennt und will. Die beiden großen überstaatlichen Mächte, die den Menschen entwurzeln, entseelen, proletarisieren, in Abhängigkeit bringen und das Untermenschentum züchten, sind Kapitalismus und Maschine. Beide sind Unglücksbringer, beide der Mathematik entstammend, die das Entgottende auf der Welt ist — durch den Juden in die Welt geschleppt. Daß die Mathematik eine so große Rolle in den Schulforderungen spielt, das ist die Folge der jüdischen Wesensversälschung. Unsere Schule ist verjudet, der verjudete Staat duldet AUS DEM INHALT: Dr. Alfred Wiener Ein Diener der Liebe.S. 57 Lebenserfahrungen.S. 58 Sinn und Wert der „Hohen Feiertage“.S. 59

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