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Central-Verein-Zeitung · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · page 12

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1931
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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diaung erfreut, ' eröffnet soeben ihren brüten Jahrgang. Von . den Beiträgen des inhaltsreichen Aprilheftes beansprucht der auch für die allgemeine Regensburger Stadtgeschichte bedeutsame Aussatz, von Oberbaurat Adolf Schmetzer (Regensburg) über - „Die Regensburger Judenstadt" besonderes Interesse. Hier werden namentlich auf Grund bis aus die Römerzeit zurückreichender gründlicher baugeschichtlicher Forschungen zum erstell Male genauere Angaben' über (£nt}M)un(j, allmähliche Umbildung und Ausdehnmlg der tit dieser alten Handelsstadt liegenden Judeilsiedlung gemacht. Schmetzer glaubt — trotz Fehlens unmittelbarer Beweise — als sicher annehmell 31t dürfen, daß schon um 'das Jahr 330 n. Chr., also schon fa st 1200Jahrevor ihrer Vertreibung (1519), I u d e n in Regensburg ansässig waren. Dallach hätten sie dort ein viel älteres Heimatrecht als die erst um .635 eingewanderten B a j u v a r e it. In einer grundlegenden Studie unterzieht Dr. Hanns Meißner (Berlin-Tempelhos) die vielbeachtete „Weltgeschichte deS jüdischen Volkes" von Simoil Dubnow einer .wissenschaftlich - kritischen Analyse. Dr. Sara Sch i f f - mann (Tel Aviv)" jucket in einer, von drei aufschlußreichen hebräischem Quellen Msgehenden Abhandlung über „Heinrichs IV. Verhaltell zu beit Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges" die polckischeU und psychologischen Beweggründe. für das entschiedene Eintreten des Kaisers für die Juden zu erklärend Den von Cecil Roth int vorigen Jahrgang der Zeit- ' schrift veröffentlichten neuen Mitteilungen über die Hamburger Marranengemeinde folgt jetzt aus der Feder von Alfonso Cassuto ein wichtiger Beitrag „Neue Funde zur ältesten Geschichte der portugiesischen Juden in Hamburg". Auch diese Arbeit fördert wertvolles, bisher verborgen gebliebenes Archivmaterial zutage. Das Heft, das außerdem interessante Miszellen und Rezensionen enthält, zeugt wiederum von der Vielfältigkeit des Stoffes, den die „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" behandelt. E. G. L. Das erste Luftschiff steigt... Von Ernst Schaffer In der Union, deutsche Verlagsgesellschaft, Zweigniederlassung Berlin SW19, ist soeben eine Sammlung von Monographien über einige bahnbrechende Flugzeugersinder und Flieger aus der Feder unseres Mitgliedes Ernst Schaffer, der im Kriege Fliegerofsizier war, erschienen. Otto Lilienthal, S. A. Andröe, David Schwarz, Zeppelin, Eckener, Hugo Junkers, Lindbergh, Hünefeld, Umberto Nobile und N. E. Byrd und ihre Verdienste werden in diesem Fliegerbuch, „Glück ab, Bahnbrecher der Lüfte", porträtiert. Manch ein zu Unrecht vergessenes Verdienst wird auf den Seiten dieses Buches, das, spannend wie ein Roman geschrieben, auch dem Laien Freude und Anregung gibt, der Vergessenheit entrissen. Solch ein, wie wir in diesen Blättern lesen, zu Unrecht Vergessener ist der ungarische Jude David Schwarz, Holzhändler aus Beruf und Luftschiffbauer aus Neigung, der eigentliche Entdecker des Aluminiums als Baustoff für das Luftschiff. Ein tragisches Geschick ließ ihn in dem Augenblick sterben, als dieses Luftschiff zum ersten Male aufsteigen sollte. Der Energie seiner Frau, Melanie Schwarz, und seines Freundes und, Geldgebers, des westfälischen Industriellen Carl Berg, gelang es, trotzdem einen Probeflug des Luftschiffes durchzusetzen. Mit Erlaubnis des Verlegers und des Verfassers geben wir nachstehend das Kapitel wieder, das diesen ersten und einzigen Flug des ersten lenkbaren Luftschiffes schildert. nie Schriftleitung. „Man kann sich vorstellen, welche Hindernisse einer Frau dar drei Jahrzehnten in den Weg gelegt wurden, die nichts weniger als den Aufstieg eines Luftschiffes inszenieren wollte! Wieder springt tatkräftig Bartsch von Sigsseld ein. Er hat sich eine besondere Methode erdacht, das Aluminiumschisf zu füllen. Aber nun ereignet sich etwas völlig Unverständliches. Das Kriegsministerium, das die Schwarzsche Konstruktion durch die Luftschisfer-Abteilung auf Herz und Nieren prüfen, das den Bau in allen Stadien hat überwachen lassen, verbietet jedem Angehörigen der Luftschiffer-Abteilung die Teilnahme am Probeaufstieg. Es soll zur Ehre dieser Truppe ' ' werden, daß sich vorher eine genügende!lnzahl Offiziere wie Mannschaften freiwillig Frau Schwarz zur Verfügung gestellt hatte. Befehl ist Befehl! Ueberall Und in Preußen ganz besonders. Melanie Schwarz sucht und sucht nach jemandem, der mit dem Schiff aufsteigen will, aber auch imstande ist, es zu steuern. (Das ist nicht leicht im Jahre 1897!) Nun, wenn es nicht in freiwilliger Hilfsbereitschaft geschieht, dann gegen Entlohnung. Das hilft. Es meldet sich der Schlosser Jagels, früher Unteroffizier bei den Luftschisfern. Das verdient alle Anerkennung, und es schmälert nicht den Mut dieses Mannes, der noch nie, auch nicht mit einem Fesielballon, aufgestiegen war, daß er sich für die Probefahrt bezahlen läßt. Am.3. November, so lange haben die Vorbereitungen doch gedauert, ist das Schiff startklar. Sigsfeld hat fürsorglich noch einmal Gas nachgefüllt. Es ist inzwischen ^3 Uhr nachmittagsgeworden. Keine günstige Jahres- und Tageszeit für den ersten Probeaufstieg eines Luftschiffes- (Gehen doch heute noch, nach 30 Jahren, Luftschiffe um diese Zeit im Winterquartier zur Ruhe.) Die Zuschauer fröstelt's. Keiner sagt es, aber jeder denkt unwillkürlich an die grausige KatastroHe, die wenige Monate vorher am 12. Juni hier in Tempelhof den Lenkballon des Leipziger Buchhändlers Wolfert traf, der, wie sein Begleiter, als Leiche aus den brennenden, abgestürzten Trümmern geborgen wurde. Ein alter Fliegeraberglaube lehrt, daß man sich nie vor einem Fluge photographieren lassen soll. Aber so etwas gab es wohl damals noch nicht, und wir sehen das Schiff auf einem Bilde vor seiner ersten Fahrt. Da liegt es, etwa 40 Meter lang, in feiner Zylinderform, die vorn spitz ausläuft. In der Mitte hängt, fest mit dem inneren Gerüst verbunden, die Gondel. Der Daimler-Motor von 16 Pferdestärken betreibt durch (leider) ungeschützte Treibriemen vier Propeller. Zahlreiche Offiziere des Generalstabes, des Kriegsministeriums und der Luftschiffer-Abteilung wohnen dem Aufstieg bei. Aber auch viele Zaungäste. Unter diesen ein Mann, der sich schon lange, lange Jahre mit Luftschiffplänen trug, Graf Zeppelin. Ihm war, so erzählt man, vom Luftschisser-Bataillon die Erlaubnis zum Betreten des Platzes verweigert worden, ein für die spätere Behandlung des Grafen geradezu symbolischer Vorgang! Um 3 Uhr holen die Mannschaften das Schiff aus der Halle. Nacheinander wirft der Schlosser Jagels die Propeller an, und langsam, schwebt es und hebt sich, der Steuerung gehorchend, zu dem trüben Novemberhimmel hoch. Sieg, Sieg! Flieg, flieg! Das erste in Deutschland erbaute und immerhin von einem österreichischen Landsmann konstruierte Luftschiff steigt tn der deutschen Neichshauptstadt auf! Daran ändert sich nichts und kann sich nichts ändern, auch wenn das Schiff nicht zielsicher wieder seinen Ausgangspunkt erreichen wird. . Denn inzwischen begibt sich solgendes: Der Treibriemen auf der linken Seite rutscht ab, zwei Propeller bleiben also stehen. Der Sturm, der unterdessen auf eine Stärke von 14 Meter in der Sekunde gestiegen ist, greift das Schiff mächtig an, noch ist es nicht steuerlos. Aber, da rutscht auch der . rechte Treibriemen ab, lverl die Scheibe, über die er läuft, keinen Rand. hat. (Eine dumme Unterlassungssünde.) Jetzt stehen auch die beiden an- * deren Propeller! Nun ist er steuerlos! Das ist noch kern Unglück. - In der Hand eines^ erprobten Führers fliegt es einfach als großer Freiballon weiter und wird sicher landen. Jedoch der Lenker macht ja seinen ersten Aufstieg! Schon sieht er unter sich den Wilmersdorfer See (nachdem er die Eisenbahuerkasernen in Schöueberg überquert hat), da zieht er mit aller Macht — menschlich allzu begreiflich — das Ventil. Das Gas strömt aus, das Schiff sinkt. Zweimal setzt es in einem Ackerfeld auf, ohne daß ihm etwas Ernsthaftes geschieht, so elastisch ist die Konstrukttoit von Davrd Schwarz. Jagels springt heraus, unverletzt, gerettet! Der Sturm zerbricht Teile des Gestänges. Staunend steht die Menge vor dieser rätselhaften, vom Himmel gefallenen Masse — aber raubt sich schnell entschlossen „Andenken" aus den Trümmern. So endet die Fahrt des Schwarzschen Luftschiffes. Ist Melanie vernichtet? Zerbricht sie gleich dem Schiff? Trostlos über diesen Ausgang, der ihre Hoffnung auf Geld, das sie notwendig für sich und die Kinder braucht, zunichte macht? Was aber telegraphiert sie an Carl Berg: „Füllung, Aufstieg glänzend gelungen. Ballon stieg 1000 Fuß, lenkte zweimal. Durch Herabfallen Treibriemens vorzeitiges Landen. Ballon beschädig^ Luftschiffer unversehrt." So sah sie diese Probefahrt an. Und sie konnte es auch, versicherten doch die von Tempelhof htzrbeigeeilten Offiziere, daß die Lenkbarkeit des Luftschiffes einwandfrei erwiesen sei. Sie hatten mit ihren Ferngläsern gesehen, wie das Schiff gegen den Wind angeflogen war und dann korrekt einige Wendungen vorgenommen hatte. Die „Leipziger Illustrierte Zeitung" vom 18. November 1897 schrieb: ' ,. . . Man darf nach den Beobachtungen beim Probeaufstieg, dessen schließliches Mißlingen nicht dem Prinzip der Konstruktion zugeschrieben werden kann, wohl annehmen, wie es auch von Sachverständigem geschieht, daß > Schwarzens Modell tatsächlich ein lenkbares Luftschiff darstellt, mit dem. man bei nicht allzu ungünstigen Wetter nach allen Himmelsrichtungen fahren und strategische Zwecke, für die es auch nur gedacht ist, erfüllen konnte . . / Melanie SHwarz und Carl Berg hofften, daß es ihnen jetzt gelingen werde, die Mittel zum Bau eines zweiten Schiffes aufzubringen. Sicher würden sich jetzt nicht nur Banken dafür interessieren, sondern auch, das Kriegsministerium und zweifellos auch der Kaiser. Lenk- und Flugfähigkeit waren bewiesen, kleine Mängel waren abzustellen, und.das neue Schiff in der Hand bewährter Offiziere der Königlich Preußischen Luftschiffertruppe würde Wunderleistungen vollbringen. — Nichts von alledem geschah! - Das einzige, was erreicht wurde, war eine Erklärung des Allgemeinen Kriegsdepartements des Kriegsministeriums. In ihr stand, daß es nicht möglich sei, ein endgültiges Urteil über die. Verwendbarkeit des Aluminiumbällons für militärische Zwecke abzugeben, da der Versuch „angeblich durch Abspringen der Treibriemen von der Welle der Flugschrauben" in der Hauptsache' als mißglückt angesehen werden muh.. Es „erscheint" aber, heißt es dort weiter, als erwiesen, was bisher zweifelhaft war, daß Ballonhüllen aus Aluminium hergestellt werden können und daß ein derartiger Ballon sich füllen läßt. Des weiteren dürfte es nicht ausgeschlossen sein, schließt dieser Bericht, daß die Maschine zum Betrieb von Flügelschrauben dem Ballon eine gewisse Eigenbewegung erteilen kann und daß er eine Stabilität in der Luft behält. Eine diplomatische Ausdrucksweise. Hier schließt das Kapitel des Schwarzschen Luftschiffes..." Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger tüdischen Glaubens e. V., Berlin W15, Emser Str. 42. Hauptschrif.tleiter: Dr. Ludwig' Holländer. Verantwortlich: Dr. M a rg a r e t e G. d e,l h e i m. Beide Berlin W 15. - Druck? Rudolf Mossq. Berlin SW 100.

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