Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatsausgabe Mai/Juni l$31 [«»trat l?rei» Blätter für öeutfektum und Jttfentmn, ' Hryan -es tentralVereiusöeutfekexr Etaatsdüryer Möifclten ölaubens o V. -XUHsrneins 2silunH des Dudentums Klarheit und WWW in der Sndenfrage Eine Antwort NN Ir. Wut Fechter / Bon Ludwig KoNänder ßl. E. Die „Deutsche Rundschau" hatte in ihrem Januarheft 1931 einen Aussatz von Dr. Paul Fechter, Kunstkritiker an der „Deutschen Allgemeinen Zeitung", „Kunstbetrieb und Judenfrage" veröffentlicht, in dem er die Anregung gab, die seiner Ansicht nach offen zutage tretenden Verschiedenheiten und Spannungen zwischen Juden und Christen durch eine rückhaltlose Aussprache zu klären. Fechter sieht den Grundunterschied zwischen Juden und Nichtjuden in einer „anderen Geistigkeit" und in einer „Fremdheit und Neigung zur Absonderung". Cr sieht aber auch eine gemeinsame Basis, die die Aussprache erleichtert, nämlich die Tatsache, daß Juden wie Nichtjuden zunächst Deutsche sind. „Daß wir auf dem Boden des gemeinsamen Landes stehen, die gleiche Sprache sprechen und durch das gleiche Landgefühl dieser Nation auf Gedeih und Verderben verbunden sind. Von diesem gemeinsamen Landschicksal aus und mit Rücksicht auf dieses Landschicksal, scheint mir, lassen sich zwischen Leuten guten Willens auf beiden Seiten durchaus Verständigungen ermöglichen, die die langsam etwas schwierig werdende Atmosphäre zu reinigen und für Besserung zu sorgengeeignet sind." Der schwerste Vorwurf, den Paul Fechter gegen die Juden erhebt, ist der eines Antigermanismus, wie es aus christlicher Seite einen Antisemitismus gibt. Dieser Antigermanismus offenbare sich in der „Vekämpsung, Herabsetzung, Mißachtung all der Dinge, die uns Deutschen lieb und wert sind". Eine Anziahl sehr unangenehmer Einzelheiten wird als Veweismaterial angeführt, wobei leider (bis aus die Nennung der „Weltbühne") nicht getagt wird, wo diese Herausforderungen erfolgt sind. Dieser Antigermanismus führt nach Fechters Ansicht dazu, daß die „den Markt beherrschenden jüdischen Unternehmungen" betont deutsche Kunsterzeugnisse der Literatur und Malerei unterdrücken, und daß in der Oesfentlichkeit all die Tendenzen totgeschwiegen werden, die auf Erschließung und Erneuerung der alten Quellen des deutschen Volkstums gerichtet sind. Der Herausgeber der „Deutschen Rundschau", Dr. Rudolf P e ch e l, sandte Paul Fechters Aufsatz an verschiedene jüdische wie nichtjüdische Persönlichkeiten mit der Bitte um Stellungnahme. Die „Deutsche Rundschau" verössentlichte in ihren Februar-, März-, April- und Mai-Nummern die Antworten von Jakob Wassermann, des deutsch-schweizerischen Professors Eduard Behrens, Bemerkungen von Rudolf P e ch e l und Paul Fechter selbst u. a. m. Auch in anderen Zeitschriften, wie in der „Literarischen Welt", wurde die Aussprache aufgegriffen. Der Herausgeber der „Literarischen Welt" selbst setzte den Angriffen Fechters Mitteilungen über das positive Schaffen deutscher Juden für deutsches Geisteswesen entgegen. In der Wochenausgabe der „C. V.-Zeitung" wurde regelmäßig über den Stand der Diskussion berichtet. In nachstehendem Aufsatz, der in der Mai-Nummer der „Deutschen Rundschau" und gleichzeitig in der Wochenausgabe Nr. 18 der „C. V.-Zeitung" vom 1. Mai erschienen ist, weist der Direktor des Centralvereins die Schiefheit der Grundbegriffe — insbesondere des Begriffes Antigermanismus — nach, von denen aus Dr. Fechter seine Angriffe gegen das Judentum erhebt. Die „Deutsche Rundschau" hat in ihrer Mainummer die Diskussion vorläufig abgebrochen. In einer Schlußbemerkung stellen Paul Fechter und Rudolf Pechel fest, daß eine Verständigung nur „von einer Anerkennung des Nationalen als der allgemeinverbindlichen Grundlage" ausgehen kann. Die Schwierigkeit liege „in der festen Umschreibung und Bestimmung dessen, was man als selbstverständliche nationale Voraussetzung fordern und gelten lassen will." Diese Frage sei nicht in Programmpunkten und Postulaten zu formulieren, sondern im wesentlichen eine „Gefühlstatsache". Sie begrüßen — ebenso wie der Centralverein — das Ringen um Klarheit, das diese Aussprache auf allen Seiten gezeigt hat, als einen, wenn auch vorläufig bescheidenen Fortschritt auf dem Wege zum gegenseitigen Verständnis.. L. H. Die außerordentlich dankenswerte Erörterung, die Dr. Paul Fechter zu dem Thema des inneren Friedens insbesondere in der Judenfrage angestellt hat, soll durch die nachfolgende Betrachtung einer weiteren Klärung zugesührt werden. I. Dr. Fechter bedauert einen starken Antigermanismus, der sich insbesondere bei jüdischen Schriftstellern gezeigt haben soll. Hierüber kann ich um so eher in eine Untersuchung eintreten, weil ich mit der Erörterung all der im einzelnen aufgeführten beklagenswerten Erscheinungen durchaus einverstanden bin und mich weltanschaulich auf emer Linie bewege, die der von Dr. Fechter im wesentlichen gleichläust. Man muß zunächst einmal zu einer Klärung des Begriffes „Antigermanismus" kommen. Unter Antisemitismus versteht man diejenige Bewegung, die Abkunft und Wesen der Judenheit schlechthin für diejenigen Erscheinungen verantwortlich macht, die das öffentliche Leben in jedem Umfange vergiften. In der Tatsache, daß jemand Jude ist, wird vom Antisemitismus das Abzuwertende, das Gefährliche und das unbedingt Abzulehnende gesehen. In gleicher Weise wird man unter den Bestrebungen, die Fechter mit Antigermanismus bezeichnet, alles das zu erblicken haben, was sich in Rede und Schrift gegen das dem deutschen Volke Eigentümliche und Wesenhafte richtet. Es ergibt sich also zunächst die Frage, ob es wirklich das deutsche Wesen in einer letzten, von allen guten Deutschen anerkannten Bedeutung ist, welches von den in Frage kommenden jüdischen Schriftstellern beschmutzt und verächtlich gemacht, wird. In dieser Beziehung klafft zwischen Antisemitismus und Antigermanismus ein grundsätzlicher Unterschied. Der Antisemitismus verurteilt jeden Juden, die von Dr. Fechter gekennzeichnete und von mir ebenfalls verworfene Gesinnungsart jedoch setzt sich in Gegensatz zu Erscheinungen des deutschen Volkslebens, die keineswegs von allen Deutschen in gleicher Weise anerkannt werden, und deshalb keineswegs auch nur im wesentlichen von jüdischen Köpfen kritisiert werden. Man wird unter unbestrittenen nationalen Forderungen nur diejenigen verstehen können, dre zur Erhaltung, Stärkung und Ausweitung deutscher Kulturideale dienen. Ueber den Inhalt dieser Kulturideale, ebenso wie über den Inhalt der politischen Ideale bestehen aber unter den Besten des deutschen Volkes erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Viele behaupten, daß das Unglück, in dem wir leider heute alle leben, durch eine falsche Auffassung vom nationalen Ideal hervorgerusen worden sei, sie lehnen dasjenige, was Dr. Fechter und zum großen Teile auch ich in den Begriff des „Germanismus" hineinlegen, ab, als etwas, was den Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes entgegenstehe und nur innerhalb ganz bestimniter Kreise als für das Deutschtum ^.westmtlick) betrachtet werde. Damit soll gesagt sein, daß niemand von uns ein Recht hat, hervorragende jüdische wie nichtjüdische Männer und Frauen abweichender Grundanschauungen wegen des Antigermanismus zu verdächtigen, wenn ihnen das G e s a m t w o h l des deutschen Volkes, die Bejahung seinerZukunst am Herzen liegt. Man mag z. B. über die Wirtschaftsausfassung der Sozialdemokratie ein noch so abwertendes Urteil hegen, — es ist unmöglich, führende Männer und Frauen der Sozialdemokratie oder irgendeiner anderen politischen Gemeinschaft zu „Antigermanisten" stempeln und ihnen - den nationalen Willen zu bestreiten, weil sie einer Auffassung über den Wert alter Anschauungen und den Willen zu einer möglichen Zukunftsgestaltung anhängen, die eben nur von einem Teile des deutschen Volkes als richtig und lebensnotwendig anerkannt wird. Es mag daran AUS DEM INHALT: Die Breslauer C. V.-Kundgebung der 2000 S. 35. — Artur Schweriner: Geheimnisse des Hitler-Erfolgs in Oldenburg 8. 36. —- Dr. Hans Reichmann: Hitlers Legalität S. 37. — Dr. Friedrich Brodnitz: Die Juden im politischen Leben der Gegenwart S. 40. — Studienrat Dr. Rudolf Zwetz (Kassel): Wohin geht die Jugend? S. 42. — Theodor Kappstein: Jeremias S. 43.