Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 4 (April 1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Monatsausgabe -tprll 1-31 läntrot Maorin '+Y+- Blätter für ^eulfektum und Jiwnhiw. 'Ornon -es tentralVereinsdeutfeke^ ötaaksdüryer MdifcKen ölaubens e.V. -^U^smeins IsitunH cles Ouclsntums Deutschlands Wehrkraft Von Or. Leo Löwenftein, Hptm. d. Ves. a. O., Berlin - Lichterfelde Solange unsere Ahnen in Palästina noch in völkischer und staatlicher Selbständigkeit und Geschlossenheit lebten, waren sie durch das ganze Bolk hindurch von sehr wehrhafter Gesinnung. Dazu wurden sie schon durch ihre politische und strategische Lage erzogen. Sie hatten sich das Land mit Waffengewalt erobern müssen. Dann sahen sie dauernd mitten unter kriegerischen Stämmen, als Pufferstaat zwischen den großen vorderasiatischen Neichen und Aegypten, in einer Schlüsselstellung des. römischen Weltreiches. Selbst als sie ihren Tempel erbauten, hatten sie neben der Kelle das Schwert bereit. Seit den Kreuzzügen ins Ghetto gesperrt, änderte sich ihre Einstellung. Gegen die von Fanatismus ausgepeitschten Massen war die bewaffnete Gegenwehr einer verschwindenden Minorität vergeblich. Vorbereitungen dazu wurden auch nicht geduldet. Die Versenkung in Glauben und Wissen ließ die ständige Lebensgefahr, in der sie ungeschützt schwebten, vergessen und sie sogar verachten. Für ihre Einstellung ist charakteristisch gerade das zum Pessachfest seit Jahrhunderten jedes Jahr im Kreis der Familie gelesene Büchlein mit beit alten Bildern. Da werden an einer Stelle die vier hauptsächlichen Charaktere in Wort und Bild dargestellt. Neben dem überlegenen Weisen, der an: liebevollsten gezeichneten Figur, steht der Gewalttätige, Böse, dargestellt als Kriegs m ü n n , den sie nur zu oft in den zu ihrer Vernichtung das Ghetto stürmende!: Massen hatten wahrnehmen müssen. Aber!vann und wo die Ghettomauern fielen und der Gleichberechtigung Platz machten, so änderte sich die Einstellung erstaunlich schnell. Nur zwei Stimmen von nichtjüdischer Seite über das Beinhalten der deutschen Juden bald nach ihrer Gleichberechtigung Anfang des 19. Jahrhunderts. Der Staatskanzler Fürst Hardenberg schrieb am 4. Januar 1815 an den Grafen Grote: „ . . . Auch hat die Geschichte unseres letzten Krieges wider Frankreich bereits erwiesen, daß die Juden des Staates, der sie in seinen Schoß ausgenommen, durch treue Anhänglichkeit würdig geworden. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und im haben auch unter ihnen Beispiele wahren Heldenmutes und der rühmlichsten Verachtung der Kriegsgefahren auszuweisen, sowie die übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferung jeder Art den Christen sich angeschlossen ..." In einer ausführlichen Denkschrift des preußischen M i n i st e r s des Innern vom Jahre 1847 über die Militärpflicht der Juden, die damals dem vereinigten Landtag vorgelegt wurde, heißt es in Zusammenfassung der Berichte der einzelnen Generalkommandos: „Faßt man den Inhalt dieser Ermittlungen zusammen, so darf man als erfahrungsmäßiges Resultat annehmen, daß die Juden des preußischen Heeres von den Soldaten der christlichen Bevölkerung im allgemeinen nicht erkennbar unterschieden sind, daß sie im Kriege gleich den übrigen Preußen sich bewährt, im Frieden den übrigen Truppen nicht nachgestanden haben; daß ferner insbesondere die jüdischen Religionsverhältnisse nirgends als ein Hindernis beim Kriegsdienste hervorgetreten sind." Daß in den späteren Zeiten, insbesondere aber im Weltkrieg, die deutschen Juden ihre Pflicht getan haben wie ihre nichtjüdischen Volksgenossen, dafür braucht nach dem, was bekannt ist, kein Beweis mehr geführt zu werden. Ich weise ja auch auf das Vorstehende nicht deswegen hin, um überhaupt derartiges zu beweisen, sondern um die Grundlagen darzulegen, aus denen ihre Einstellung zur bewaffneten Macht im deutschen Staate sich ergibt. Es gibt ein Scherzwort, das besagt, die Mäuse, die Offiziere und die Juden hätten eines gemeinsam, nämlich, daß, auch wenn ein einzelner von ihnen etwas ganz Vereinzeltes tut, man dennoch immer im Plural spricht. In diesem Sinne verfahren aber auch die beiden Gemeinschaften gegeneinander. Wenn ein Angehöriger der Reichswehr eine Differenz antisemitischer Art mit einer jüdischen Persönlichkeit hat — es geschieht auch in der verhetzten heutigen Zeit nur selten und erfährt fast immer scharfe Mißbilligung bei der Reichswehr selbst —, so ist man auf jüdischer Seite leicht geneigt, weitestgehend zu verallgemeinern und in jedem Offizier und Soldaten einen Antisemiten zu sehen. In anderer Richtung geht es ähnlich. Im Jahre 1920 schrieb mir General Ludendorff: „Der Antisemitismus im Heere wird ohne weiteres aufhören, wenn die Zeitungen, die unter jüdischem Einfluß stehen, die Hetze gegen den Offizier und WrttNglimpsungen dessen, ivas vielen ffteinstellen." Auch hier wieder eine ungerechtfertigte Verallgemeinerung von taktlosen Angriffen einzelner Juden, die vielleicht ihrerseits sogar, so weit ihnen dies möglich ist, die Gemeinschaft mit dem Judentum aufgegeben haben, auf die jüdische Gesamtheit. Es muß aber dazu gesagt werden, daß das Heer von 1920, von dem General Ludendorsf spricht, nur noch Trümmer des alten Heeres darstellte. Es ivar weder maßgeblich für das wirkliche große alte Heer noch für die 1921 begründete kleine, aber ausgezeichnet geführte und militärisch überaus hochwertige Reichswehr von heute. Hiierhin gehört es auch, daß einerseits jüdische junge Leute, die an sich gern den Soldatenberuf ergreifen möchten, nicht zur Reichswehr gehen, weil sie dort allgenieinen Antisemitismus voraussetzen, der in Wirklichkeit an vielen Fabriken, Banken, Gekästen, selbst solchen unter jüdischer Leitung, viel stärker ist. Auf der anderen Seite staunt man darüber, daß sich in unserer Reichswehr nur ganze acht jüdische Soldaten befinden, obschon unserem Anteil an der deutschen Bevölkerung 34 Offiziere und 864 Mann entsprechen würden. Daß wir nicht imstande wären, diese in tadellosem Format zu stellen, wird niemand annehmen nach der letzten Kriegsleistung des deutschen Judentums, das mit 540 000 Seelen 100 000 Mann zum Heeresdienst stellte, von denen 12 000 geblieben sind, und von denen an der Front 2000 zu Offizieren befördert wurden. Aber ein noch weit s ch w e r> w i e g ende r e r Grnnd als dieser macht es unbedingt nötig, daß die gegensätzlichen Gefühle zwischen deutschen: Judenturn und deutscher Wehrmacht schwinden. Jeder, der diesen Krieg mitgemacht hat, wird für seil: Vaterland und die ganze Menschheit keine:: besseren Wunsch Heger: können, als daß es nie wieder zu einem Kriege kommen möge. Aber solches steht allein in der Macht derjenigen Nationen, die eben heute die Macht haben, nicht aber in der Macht oder