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Central-Verein-Zeitung · 1931-02-01 · Heft 2 (Februar 1931) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1931
Issue
Heft 2 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Monatsaus-abr Zebruar 1931 «nfrat Imin laalsdüryerMöifeken vlaubens ev. Vlätter für öeutsektum un» Judentum -^lltzsmeine 2sikunH clss Ju6snturn3 Zugleich eine psychologische Betrachtung über die Iuöenftage von §abkus Schach Ein merkwürdiges Fest, aus Wunder und ' Romantik gewoben, mit orientalischen Färber: gernalt, ist dieses Purim-Fest. Es trägt einen religiös-heiteren Charakter und es bildete für die alten Juden die Zuflucht aller Sehnsucht nach Freuden und Lebenslust. Das Wort Purim ist persischen Ursprungs und bedeutet Los, Schicksalswendung. Das Fest feiert die Errettung der Juden Persiens in schwerer Not durch die Hilfe Gottes. Das Buch, in dem diese wunderbare Geschichte niedergelegt ist, und das am Festtage in den jüdischen Gotteshäusern mit eigenartiger Melodie verlesen wird, heißt „Megillath Esther". Es ist ursprünglich persisch geschrieben und ins Hebräische übertragen worden. Die Urschrift ist wie oft in der jüdischen Geschichte — verlorengegangen, und. die Übersetzung ist geblieben, und sie ist voller Persianismen, daher nicht immer leicht wörtlich verständlich. Das Buch schildert, wie ein ehrgeiziger Staatsmann den König und das Volk gegen die Juden verhetzte und ihre völlige Vernichtung anstrebte, wie aber dieses drohende Schicksal durch ein Wunder abgewendet und die Juden aus ihrer Not erlöst wurden. Noch ist trotz der Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte der geschichtliche Hintergrund in Halbdunkel gehüllt. Das Drama spielt, wie man annimmt, im 3. Jahrhundert vor Christi, zur Zeit des Königs Xerxes, der im Buche Esther den Namen Ahasverus führt. Wir wissen nicht, wie groß diese jüdische Kolonie in Persien war und welche geschichtliche und politische Bedeutung dieses lokale Ereignis für die Gesamtjudenheit hatte; immerhin darf man aus der Tatsache, daß dieses Fest in der ganzen Judenheit gefeiert wird und die Bibel dieses Buch Esther aufgenonnnen hat, schließen, daß dies Ereignis von großer Bedeutung war. Viel wichtiger aber scheint uns die Psychologie MIIIIIlIIII>iII!IIIIIII,IlIIIlilII!lIIlIIIIIIIIIIIIIIII,I!II,II„,IIIIII„I,IlII,„ll„„„Ill„ll„»ii„„„ AUS DEM INHALT: Dr. Müller-Claudius: Das Heimaterlebnis und die Entscheidung der deutschen Juden« Seite 12. — Ballin und Bülow. Seite 14. — Dr. Ernst Feder: Meister des deutschen Rechts, Ein Denkmal für Hugo Preuss. Seite 14. — Theodor Kappstein: Israels Propheten, religiös soziale Sendboten ah die Gegenwart. IV; Arnos. Seite IS. und Ideologie des Judenhasses zu sein, die wir in diesen: Buche Esther finden. Haman, der Sohn des Hanwata, ein hochmütiger Streber, wird — wir wissen nicht durch welche Gunst — zum höchsten Würdenträger des Reiches und zum Liebling des Königs erhoben. Alles an: Hose und im Volke frohnt seinem Ehrgeiz und beugt sich seinen: Willen. Nur der am Hose angesehene Jude Mordechai besitzt Mannesstolz genüg, sich vor ihm nicht zu demütigen. Haman fühlt sich gekränkt und ist haßerfüllt gegen diesen trotzigen Juden. Und von: Hasse gegen den einzelnen gelangt er zum leidenschaftlichen Hasse gegen die jüdische Gesamtheit, weil er dunkel ahnt/daß der Gegner das Leber: seiner Gemeinschaft und ihrer Geschichte in sich trägt. Er mißbraucht die Gunst und die Ahnungslosigkeit seines Herrschers für seine niedrrgen Pläne und entwickelt in einen: Vortrag eine „wissenschaftlich-politische Ideologie des Judenhasses": „Es gibt ein Volk, zerstreut in allen Landen, und innerlich getrennt vor: den anderen Bürgern. Es besitzt andere, frernde Lebensgesetze und die Gesetze des Staates sind für die Mitglieder dieses Volkes nicht verbindlich. Sie sind Schädlinge und rnüssen als Landesgefahr beseitigt werden." Ist es nicht, als wenrr mar: die Gelehrter: der Schule Hitler hört? Hat sich, von Nuancen abgesehen, v:el daran geändert? Zeigt, sich nicht dieser Haß als uralt irr seinen Motiven wie in seinen Auswirkungen? Das teuflische Werk wäre gelungen, wenrr nicht der König rechtzeitig über die wahren Hintergrürrde der Politik Hamans aufgeklärt worden wäre. Gibt es denn für einen hemmungslosen Demagogen ein dankbareres Feld der Wühlarbeit als die Ablenkung aller politischen und sozialen Mißgeschicke aus eine wehrlose Minderheit? Menschen, die nicht den Mut und die Kraft haben, Einkehr zu halten und ernstlich über die Ursachen und Gründe ihres Schicksals uachzudenken, brauchen für ihre atavistischen Instinkte innner ein Objekt des Hasses. Und was wissen viele von diesen Juden, die — n:erknn":rdig genug! — seit Jahrhunderten in Schicksalsgemeinschaft mit ihnen leben? Was wissen sie - von ihrer Seele, von ihrer Geschichte, von ihren: Kämpfen und Ringen? Ost haben sie ggr keine Gelegenheitgehabt, einen Jude:: kennenzuler::en, und dann glauben sie die völlig verstellten Vorstellungen, die man ihnen anbringt. Wie oft wiederholte sich dieses persische Drama in der alten und neuen Geschichte der Juden immer wieder! Ein wirksames Mittel dagegen bildet nur die W a h r h e i t, d i e A u f k l tt r u u g, die Erziehung des Volkes zu gegenseitigem Verstehen, zur Erkenntnis.dessen, daß man aufeinander angewiesen ist und daß nur im r.. »p, im Ausgleich der Gegensätze der Weg zu einer gesunden Zukunft ruht. Es ist kein Zufall, daß viele lokale Ereignisse in Ländern, in denen die Juden von einer drohenden Gefahr gerettet worden sind, den Nan:en „Purim" angenommen haben. Denn in diesem Purim liegt die Psychologie des Judenhasses und die Lösung des Rätsels Menschlichkeit. Jede Religion, die das Ideal der Verbrüderung als Zentralidee trägt, muß an das bessere Ich in der Menschenhrust appellieren, muß Haß durch Liebe, Torheit durch Einsicht heilen. Vielleicht liegt der Hauptgrund für den Anktang des Haßgesanges, daß man das Judentum noch so wenig kennt. Ein großer jüdischer Gelehrter, Leopold Zunz, sagte einmal: „Man wird erst dem Juden gerecht werden, wenn mar: seine Kultur kennt." Uebrigens kann man auch in der Entwicklung dieses Purim-Festes die Verwobenheit mit deutscher Art und mit deutschen Sitten studieren. Purin: hat in den Abendländern, und namentlich in Deutschland, etwas vom Charakter eines Karnevals angenommen. Allerdings veredelt ::nd religiös vertieft. Purim füllt meistens in die Zeit des Karnevals, und das Bedürfnis, nach einem langen Winter einen Freudentag zu erleben, ist darin verkörpert. In früheren Zelten maskierte man sich am Purim,, führte dramatische Stücke auf, war trinklustig, — genau wie an: Karneval draußen. Allerdings — und darin zeigt sich ein charakteristischer Unterschied — rnan war nicht übermütig, weil man nachher fasten mußte, sondern man fastete einen Tag v o r de:n P u r i m (das sogenannte Fasten Esthers), -um sich das Recht auf Freude zu verdienen. Die Religion war mit bein jüdischen Leben so eng verbunden, daß sie in der Ausgelassenheit des Purim-Festes dafür sorgte, daß die Freude nicht in Rohheit, die Lebenslust nicht in Laster ausarte. Ein schönes Kennzeichen des Purim-Festes ist a::ch die Sitte, die Armen an diesem Tage zu beschenken. Der höchste-Ausdruck. des Dankes gegen Gott ist die soziale Tat, die Menschlichkeit. Gibt man sich der Freude hin, dann soll man daran denken, daß auch die Armen und Enterbte:: ein Recht auf Lebenslust haben. Am Schlüsse des Buches Esther heißt es: „Mordechai und Esther schrieben an alle Juden des Landes eine Botschaft des Friedens und der Wahrheit". Darin liegt der Schlüssel zum Fortschritt. Die Wahrheit, die Verbannung aller Lüge und aller Unwissenheit ist die höchste Aufgabe der Kultur. Ohne Wahrheit gibt es keinen Frieden, keine Entgiftung der Seelen \mv Haß, keinen Fortschritt und kein gesundes Gemeinschaftslebe::. Streben Wir nach Wahrheit, — der Friede kommt dann von selber.

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