Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Adolf warschauer zum Gedächtnis Am 20. Dezember starb unser hochverehrtes Mitglied, Geheimrat Adolf Warschauer tu Berlin. Sein Leben und Wirken fttr das Deutschtum in Posen würdigt n. a. die „M iirkisch-Posen er Kettung (Meseritzer Kreiszeitung)" in dem Leitartikel ihrer Nr. 304 vom 30. Dezember 1030. Wir geben nachstehend diese Würdigung unseres verehrten Freundes und Förderers, dessen Andenken auch unseren Reihen nnvergehlich bleiben wird, wieder. Die Schriftleitttng. Das scheidende Jahr 19",0 Hai einen der Besten ans der Ostmark mitgenommen. In der Nacht znm 26. Dezember schloß der von-uns allen hochverehrte Staatsarchivdirektor i. N. Gehennrat Professor.Dr. Adolf Warschauer die Angen für immer. Sanft und schmerzlos ist er hinübergegangen in jenes Land, voll dessen Grenzen kein Sterblicher wied'erkehrt. Ilnd doch ist er nicht tot. Er lebt unter uns in seinem Lebenswerk, das der Nimmermüde uns Posenern besonders hinterlassen hat. Das haben schon im Oktober dieses Jahres die Zeitungsstimmen bewiesen, als wir den 75. Geburtstag des Altmeisters ostdeutscher Geschichtsschreibung feiern konnten, freilich ans den Wunsch des bescheidenen Gelehrten in aller Stille. Da gab es kaum eine Zeitung im deutschen Osten, die nicht der Verdienste des Mannes der ernsten Wissenschaft gedachte, den man mit Recht den besten Kenner der Posener Landesgeschichte nannte. Mit Poseil war er mit Leib und Seele verwurzelt. Unserer Heimat hat er gelebt, für sie gearbeitet und geschasst. Ihr galt fein Denken und Fühlen lus in seine letzte Stunde hinein. In Kcmpen, im Südosten des Posener Lande?, stand seine Wiege. Am 12. Oktober 1855 wurde er in dem Grenzvrt, der einst — wie Warschauer nachgewiesen hat — im Mittelalter den deutschen Namen Langenfurt geführt, geboren. Seine Jugend verlebte er im Hause seines Onkels in Breslau, und seine wissenschaftliche Ausbildung genoß er auf deiH Elisabethanum, und auf der Universität dortselbst. Köstlich plaudert er in seinen „Lebenserinnerungen" aus jener Schulzeit. 1881 promovierte er, und im Mai des nächsten Jahres bestand er das Staatsexamen für das höhere Lehramt, nachdem er schon am 15. Februar 1882 probeweise, am 2. Mai 1882 endgültig von Heinrich von Shbel als Hilfsarbeiter beiin Staatsarchiv Posen angestellt worden war. 1883 brachte seine Ernenmmg zum Archivassistenten, 1886 wurde er Archivar, 1901 Archivrat, zehn Jahre später Geh. Archivrat, und 1912 schied er aus der «ihm so liebgewordenen Warthestadt, um als Direktor des Staatsarchivs nach den: alten Danzig überzusiedeln, wo er ein neues Feld reichster Betätigung fand. Welch eine Fülle von Arbeit auf kulturellem Gebiet liegt in der Zeit von 1882 bis 1930, denn auch in den Jahren des Nwhlverdienteu Ruhestandes hat Geheimwh Warschauer nicht geruht und gerastet! Mit viel Humor und Menschenkenntnis, mit philosophischer Abgeklärtheit und wissenschaftlicher Gründlichkeit wird das abschließende Merk seiner Lebensarbeit, das bei Reimar Hobbing in Berlin 1926 erschienene Buch „Deutsche, Kulturarbeit in der Ostmark, in den Tagen des Leides und Leidens geschrieben. Warschauer läßt in diesem Werk in 28 Kapiteln einen bewegten Zeitraum von vier bis sünf Jahrzehnten vor unseren Augen abrollen, eine Zeit, reich an Entscheidungen folgenschwerster Art für den dentischen Osten, für das deutsche Volk, Jahre blühendster deutscher Kultur im Warthe- und Weichselgebiet. Wohl endete alles mit jenem tragischen Zusammenbruch/ aber Wackchauer macht sich am Schluß seines Buches die hoffnungsvollen Worte, die einst General von Beseler au ihn gerichtet hat, zu eigen, daß die deutsche Arbeit im Osten, auch die von Warschauer als gewissenhaftem Derlvalter und Hüter der Schätze in den kongreßpvlnischen Archiven in den Jahren des Generalgouvernements Warschau von 1915 bis 1918 geleistetereiche Frucht tragen und dem Deutschtum noch einmal zugute kommen werde. - Schaut man iirt dieses Buch hinein, so sieht man das Leben eines unermüdlichen, stillen, bescheidenen, forschenden Geschichtlers, eingespannt in eine unruhige, bewegte Zeit, deren verschiedenste heftige Strömungen nicht vermochten, teil gesunden Sinn, die wissenschaftliche Objektivität des Historikers zu beeinflussen. Warschauer stand an der Wiege der „Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen", die noch heute in Posen und als reichsdeutsche Abteilung in Berlin besteht und auf die letzten Endes auch unsere „Grenzmärkische Gesellschaft zur Erforschung und Pflege der Heimat" zurückgeht. Die „Historische Zeitschrift" und die „Historischen Monatsblütter" in Posen brachten im Laufe der Jahre die meisten Veröffentlichungen ans Warschauers Feder. ' Zu den führenden Persönlichkeiten des öffentlichen und kulturellien Lebens der Provinzen Posen und Westprenßen trat Warschauer in enge Beziehungen, so zll beit Oberpräsidenten von Günther, voii Zedlitz-Trützschler, voii Wiltamowitz-Möllendorf, von Bitter, von Waldow, von Lagow und oitbereit, zu den Oberbürgermeistern von Posen, Danzig, Gnesen und aitb/evcit Orten, zu den Leitern des deutschen Kulturwerkes tut Osten. Warschauer wurde der lebendige Mittelpunkt der Posener H ei m a t so r sch u n g, a l s Kenner auch des Polnischen brachte er nicht nur die reichen deutschen, sondern auch die polnischen Quellen geschichtlicher Darstellung zum Fliesten. In mühevoller Arbeit schuf er in dem Posener Staatsarchiv die ' Sämmelstelle für die in den Städten der Provinz zerstreuten, in unzulänglichen Räumen aufbcwahrten Akten tutb Urkunden. Sie würde die Grimdlage für die Erkundung .der Posener Stadtgeschichte. In den Veröffentlichungen der Historischen Gesellschaft, in den Posener Zeitungen, in den Hcimatkalendern des Ostens erschienen im Laufe der Zeit Warschauers Darstellungen aus der Geschichte vstmärkischer Städte, z. B. der von Nentomischel, Rawitsch, Schwerin, Schwersenz, Grätz, Neustadt, Bentschen, Buk, Schrvda, Pndelvitz, Obornik, Samvtschin, Schuten, Kostschill, Mogilno, Franstadt, Punitz und der Provinzialhauptstadt Posen. Das Ganze aber krönte die in Buchsorm (488 Sellien) herausgegebene Geschichte der State Gnesen. Aber damit war Warschauers Lebensarbeit lange nicht erschöpft. Maßgebende Berliner Stellen (z. B. der allmächtige Dezernent im preußischen Kultusministerium, Geheimrat Althoff) holten seinen Rat ein, als es galt, in Posen das Kaiser-Friedrich-Museum, die Kaiser-Willielm-Diblivthek, die Akademie ins Leben zu rufen und ihre Lehrstühle zu besetzen. Als Professor der Akademie, die zum MittelpuiM des deutschen Geisteslebens im Wartheland empvrblühte, als Beauftragter der deutschen Gesellschaft für Knust und Wissenschaft entfaltete Warschauer eine sruchtbringente Tätigkeit, die weitesten Kreisen Anregung und Forderung brachte. Stets gab er seinen Schülern und Hörern bereitwilligst und liebenswürdig Anskunst. Reisen nach Italien, nach London und Warschau dienten nicht allein der Weitung des geistigen Horizonts und der Erholung Warschauers, sondern wurden auch der heimatgeschichtlichen Forschung nutzbar gemacht. Es ist unmöglich, hier die zahllosen Veröffentlichungen des Forschers aufznführen. So viel bleibt sicher: Wer in den nächsten Jahrhunderten o st d e n t s ch e Geschichte treiben will, darf an Warschauers epochemachendem W i r ke n n i ch t v o r ü b e r g e h e n. Polen und Deutsche aller R ich t u n gc n habe n seine B e r d i e n st e für den O ste n a n e r k a n n t. 8o ist er von uns geschieden der stille, bescheidene Gelehrte, der kenntnisreiche Historiker, der tiefschürfende Forscher, der Mann mit dem lauteren, reinen Herzen, der gottbegnadete Lehrer und Volkserzieher, der treue Sohn des deutschen Ostens, der be'ste Kenner seiner Geschichte, der Altmeister heimatgeschrchtlicher Darstellung. Sein Andenken bleibe in Ehren! Kaliber Hampel (Berlin). Spricht so ein Deutschlanöhasserl Um das Düftel-orfer Heine-Denkmal. In Nr. 304 der Bayernausgabe des „Völkischen Beobachters" vom 23. Dezember 1930 veröffentlichte Dr. H. Bart m a n n (Düsseldorf- Rath) unter der Überschrift „Niemals ein Heine-Denkmal in Düsseldorf" einen Aufsatz, der eine schamlose Anpöbelung der künstlerischen und menschlichen Persönlichkeit Heinrich Heines darstellt. Der Herr Artikelschreiber geht so weit, Heine das Gefühl der Vaterlandsliebe abzustreiten und ihn mit den rheinischen Separatisten auf eine Stufe zu stellen. Demgegenüber genügt es zur Rechtfertigung des wahren deutschen Dichters Heine, ans eine einzige Stelle seiner Prosaschriften hinzuweisen. In der Vorrede zur zweiten Auflage der Abhandlung „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland" (Heme-Ausgabe des Deutschen Verlagshauses Bong & Co., Band 9, Seite 163 ff.) -stehen u. a. die für Heines Stellung zu Deutschland kennzeichnenden Sätze: . . Ich begnüge mich damit, daß ich nach der französischen Version, welche früher als die deutsche gedruckt worden, einige der größern ausgelassenen Stellen aus dem Französischen zurückübersetze und interkaliere. Eine dieser Stellen, welche in unzähligen französischen Blättern abgedruckt, diskutiert und auch in der vorjährigen französischen Deputierteilkammer von einem der größten Stäatsmünner der Franzosen, dem Grafen Mole, besprochen worden, ist am Ende dieser neuen Allsgabe befindlich llnd mag zeigen, welche Bewandtnis es hat mit der Verkleinerung und Herabsetzung Deutschlands, deren ich m i ch, w i e gewisse ehrliche L e ll t e versicherten, d e m A u s l a n d e gegenüber schilldig gemacht haben soll. Aeußerte ich mich in meinem llnmltt über dasalte,offizielle D e il t s ch l a n d, das verschimmelte Ph ilisterland — das aber keinen Goliath, feinen einzigen großen Nt a n ll h e r v o r g e b r a ch t hat —, s o w Ußie m a n das, wnsich sagte, so darzustellcn,alsseihier die Rede von bcnt wirklichen Deutschland, dem großen, geheimnisvollen, sozusagen anonymen Deutschland des d eilt schon Volkes, des schlafenden Souveränen, nt11 dessen Zepter und Krone die Meerkatzen'spielen. Solche Insinuation ward den ehrlichen Leuten lwch dadurch erleichtert, daß jede Klmdgabe meiner lvahren Gesinnung mir während einer langen Periode schier unmöglich lvar, besonders zur Zeit, als die Blmdestagsdekrete gegen das „Junge Deutschland" erschienen, welche hauptsächlich gegen mich gerichtet waren nnb mich in eine' exceptionell gebundene Lage brachten, die unerhört in den Annalen der Preßknechtschaft. Als ich späterhin den Maulkorb etwas lüften konnte, blieben doch die Gedanken nock) geknebelt." Dieses Zitat dürste zur Abweisung der Bartmannschen Anschuldigllngen ausreichen. CJa. Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Berlin W 15, Emscr Straße 42.; Hauptschriftleiter: Dr. L u d tu t g Hollände r. Verantwortlich: Dr^ M a r g a r e t e E d e l h e i m. Velde Berlin MV, 15. Druck: Rudolf Masse, Berlin 190.