Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Monatsausgabe Dezember 1930 «ttfro! Worein 4%4> taotebftraer jfidiftht» Oloubcn© o.v. Mütter für iteutfchhim ««- Judentum Allgemeine 2eifun$ des ^Judentums Jai>t -es Unheils L. n. In schwerer Sorge stehen wir am Ausgange des Jahres 1930. Die große Not der Nachkriegszeit beginnt sich jetzt erst in vollem Maße auszuwirken. Was die Menschen Jahre hindurch nicht sehen wollten, daß der Verlust eines solchen Krieges Folgen unerhörtester Art nach sich, ziehen must, das drangt sich jetzt auch dem Gleichgültigsten als Gewißheit auf. Mit den Schrecken der Inflation war es nicht geschehen. Zu viele Werte sind zerstört worden», die auch nicht in Jahrzehnten ersetzt werden können. Man kann nicht ungestraft vier Jahre hindurch von dem Bestände zehren in dem Glauben., in wenigen Monaten das wieder ausfüllen zu können, was in diesem Zeitraum Zerstört wurde. Das sind zwar Binsenwahrheiten; aber trotzdem ist es noch immer notwendig, sie au szu sprechen. Und ein anderes: Wie sehen wir rück-- blickend am Ende dieses Jahres die Grundlagen unserer Kultur? Auch sie haben ihr Antlitz verändert. Die Beziehungen Zwischen Kapital und Arbeit,- die Probleme der Einkommensverteilung, die Frage der Berechtigung des arbeitslosen Einkommens die Lehre vom Preis, vom Lohn, die Fülle der Fragen, die mit der Arbeitslosigkeit zusammenhängen, sie alle haben die Wett revolutioniert. Wir stehen vor einem Zeitalter der Neueinrichtung und der Neuordnung. Der Kommunismus wirft seine Schatten über die Welt. Man hatte ihn bald nach seiner Entstehung Lotgesagt. Man steht, daß er lebt. Mag man auch sein System nach Anlage und Durchführung für falsch halten, sein Verdienst liegt jedenfalls in der Aufrollung der entscheidend wichtigen Frage, wie das Los der großen Masse der Menschheit gebessert werden kann. In Deutschland hat der Nationalsozialismus die Massen ergriffen. Nur sehr schwer kann man sich an den Gedanken gewöhnen, daß viele, viele Millionen innerhalb unseres Vaterlandes gerade dieser Partei ihre Stimme geben konnten. Gewiß haben die alten Parteien Fehler auf Fehler begangen. Sie waren zu rationalistische zu einseitig auf Ursache und Wirkung eingestellt in einer Zeit, in der nun einmal das Gefühl mit allen seinen Werten entscheidet. AUS DEM INHALT: Dr. H. Stern : Liebe und Rassenschande. S. 87. — Dr. Alexander Guttmann: Für die Ehre des jüdischen Schrifttums. S. 88. — Dr. Kurt Oppenheim: Kampfgenossen germanischer Stämme. S. 89. — Dr. Julius Rothholz: Die jiddische Sprache. S. 90.— Theodor Kappstein: Israels Propheten. S, 91. Darum allein konnte eine Bewegung kaum gewinnen, die selbst von unklaren Instinkten getragen ist. Sie weidet sich daran die. Massen des Volkes zu allem aufzuputschen, was den Regungen eines ungezügelten Demos entgegenkommt. Wir wissen, daß sich unter der nationalsozialistischen Jugend eine große Anzahl anständiger Menschen befindet. Darum bedauern wir die schwere Mißleitung, die sich in der Bewegung zeigt. Die in ihr zusammengefaßten Kräfte werden von Menschen geführt, die zu einen: erheblichen Teile das Mast von Sauberkeit vermissen lassen, das man von einem anständigen Politiker erwartet. Ihr Programm ist in sich widerspruchsvoll, ganz auf Agitation gestellt, mit dein immer sich, wiederholenden Kehrreim „Juda verrecket". Und in der Aufreizung leistet die Partei Ungeheures. Noch nie hat die reine Technik so über den Geist gesiegt. In dev Ferne sieht alles schön aus, in der Nähe aber kennt man nur das Falsche, das Verrutschte, leider sogar das Perverse. Die Zwiespältigkeit erlebt ihre Triumphe. Wenn Hitler vor Vertretern der Hamburger. Wirtschaft spricht, ist er nicht im leisesten jüdenseindlich oder gewalttätig, wenn aber Goebbels in Berlin dnd Streicher in Nürnberg die Massen betören, so rufen sie nur eines: Blut und wieder Blut. Zwar: auch ste reizen nicht direkt zum Judenpogrom auf. Sie geben sich vollkommen gesetzmäßig und tun, als hüteten sie sich sehr wohl, einen Pogrom zu veranstalten. Und trotzdem suggerieren sie mit ihren Worten der Menge den Pogrom. Was soll die ausgehungerte Masse anderes wünschen, als daß die Juden entrechtet würden, was soll ste. wenn sie bis zu Gewalttätigkeiten hingerissen wird, anderes tun. als die Juden zu töten?! Denn ihr wird ja in allen Spielarten erzählt, wie alles Unglück von den Juden kommt. Nachprüfen kann diese Behauptung niemand. Die verhetzten Menschen glauben das, was man ihnen sagt. Man sieht die Heuchelei. Man' begreift nicht, wieso die Staatsbehörden so langmütig sind! Was wäre geschehen, wenn im wilhelminischen Zeitalter ein Sozialdemokrat solche Reden geführt hätte, wie wir ste aus nationalsozialistischem Munde täglich vernehmen? Aber auch die Nationalsozialisten hätten dort nicht so reden können. Man hat schließlich dem Auftreten eines Grafen Pückler eit: schnelles Ende bereitet. Wir sind gewiß die letzten, die eine Rückkehr des wMjWjz^MenLeitalters wünschten, nicht auS Haß, nicht aus kleinlicher Rachsucht; denn wir erkennen durchaus das Gute an, das auch in diesem System lag. Aber die Zeiten sind über die Staatsform hinweg? gegangen. Man mag Systeme tadeln, man mag die Handlungen einzelner in ein schlechtes Licht stellen, man mag ohne Rücksicht Einrichtungen des öffentlichen Lebens kritisieren, aber man muß sachlich bleiben, und man must sich davor hüten, .eine einzige Klaffe Menschen in den Vordergrund der Agitation Zu ziehen. Das darf auch ein demokratischer Staat nicht dulden. Wenn er dazu schweigt, gibt er sich selbst auf. Das aber wäre das Gegenteil unseres Wunsches, denn ihn zu erhalten ist unser Ziel. Glück und Gefahr -er doppelten Geschichte von Dr. Müller-Llau-kus Es gibt m Deutschland zwei Gruppen, die mit einer doppelten Geschichte begnadet und belastet sind. Das sind diejenigen Deutschen, die bewußt „nordisch" sind, und die jüdischen Deutschen. Alle anderen deutschen Stämme haben diese doppelte Geschichte nicht. Es ist ihnen und der Geschichte völlig unklar, woher sie und wann sie -nach Deutschland gekommen sind, ob im Frieden oder im Kampfe, als Bringer oder als Räuber, als Fliehende oder Erobernde. Die Uranfänge ihres geschichtlichen Wissens liegen auf deutschem Boden. Derjenige deutsche Stamm, der sich der nordische nen>nt (und der das eigene Bewußtem des nordischen Menschen immer nrehr zu estige-n versucht), dagegen fühlt sich einer doppelten Geschichte verbunden Die vorgeschichtliche Forschung hat die vielfach anzuzweifelnoe. aber in wichtigen Kernpunkten durchaus zweifelsfreie und große Geschichte des nordischen Stammes aufaedeckt, die ihn zum Teck. nach Südeuropa und weit über die europäischen Grenzen hinaus geführt ha-t. Diese nordische Geschichte spielte, sich ab, ehe überhaupt von einer deutschen Geschichte die Rede ist, und es bildet sich nun in dem nordischen Menschen ein Gefühl dafür heraus. daß er eine größere und ältere Geschichte hat als die anderen deutschen Stämme, vast diese Geschichte eine Bitali'tät und einen Erobererdrang bezeugt, die für keinen anderen Stamm bekundet ist, und man sieht in» dem allen eine Tradition, der man sich verbunden B, obwohl sie vor und außerhalb der deut- Dradition liegt. Es kommt dann innerhalb des »nordischen Stammes leicht zu jenen Werturteilen», die den nordischen Menschen als den vor allen anderen deutschen Menschen aus»- gezeichneten erscheinen lassen — zu Werturteilen», die denn in der Tal nur einem gewissen Fanatismus gepredigt verfestigt, suggeriert werden und die nicht \mx rationale Urteile bleiben (denn das bleiben Urteile nie), sondern in den» Willen übergehen: Ist das nordische Element 327486833459491266591